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Mobilität: Passagier-Ansturm

Keyfacts über Mobilität

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Weltweit sind ca. 2.300 Flughafen-Bauprojekte geplant, davon etwa 300 Neubauprojekte • Mega-Citys mit Millionen Einwohnern erfordern neue Mobilitätskonzepte • Digitale Vernetzung kann die Auslastung der Verkehrswege verbessern

Mobilität: Passagier-Ansturm auf Asien und Europa

Immer mehr Menschen wollen von A nach B reisen, Waren werden von Schweden bis nach Australien geliefert – das belastet die Transportwege. Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Sowohl die Anzahl der Passagiere als auch der Güter steigt. Die Straße kann diesen Ansturm sicher nicht auffangen. KPMG-Experte Dr. Steffen Wagner nimmt daher Luftfahrt und Schienenverkehr unter die Lupe und wagt einen Blick in die Zukunft.

Nach Berechnungen der OECD vervierfacht sich das weltweite Frachtvolumen bis 2050. Zeitgleich wird bis 2025 die Bevölkerung in Städten um 40 Prozent von 3,2 auf 4,5 Mrd. Menschen wachsen. Dies führt direkt zu einer Zunahme der täglichen Stadtfahrten um rund 50 Prozent, denn sowohl Menschen als auch die Waren müssen transportiert werden. In der Passagierluftfahrt rechnet IATA innerhalb der kommenden 20 Jahre mit einer Verdopplung der aktuell 3,3 Mrd. Reisenden.

Bau von riesigen Flughäfen

Derzeit ist der Flughafen in Atlanta mit knapp 95 Millionen Passagieren im Jahr der größte der Welt. Doch in Zukunft wird das nicht mehr reichen. Einige Städte – vor allem in Asien – planen und bauen bereits größere Umschlagplätze. So wurde 2014 in Peking damit begonnen, einen Mega-Flughafen für 120 bis 200 Millionen Passagiere pro Jahr zu errichten, in Istanbul (150 Millionen Passagiere/Jahr) und Dubai (160 Millionen Passagiere/Jahr) befinden sich ähnliche Projekte in der Umsetzung. Der Al Maktoum International Airport in Dubai soll bis zum Jahr 2027 seine vollen Kapazitäten nutzen können und somit der größte Fracht- und Passagierhub der Welt werden. Zum Vergleich: Der im Bau befindliche Flughafen in Berlin ist mit einer Kapazität von rund 27 Millionen Passagieren pro Jahr geplant, in Frankfurt, Deutschlands derzeit größtem Airport, verkehren jährlich 65 Millionen Menschen. Weltweit sind aktuell ca. 2.300 Flughafen-Bauprojekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 550 Mrd. USD geplant, davon etwa 300 Neubauprojekte.

70% der weltweiten Bevölkerung wird laut Prognosen der Vereinten Nationen 2050 in Städten leben.

Mega-Citys – Schienenverkehr ist Hoffnungsträger

Prognosen der Vereinten Nationen zeigen, dass bis 2050 rund 70 Prozent der weltweiten Bevölkerung in Städten leben wird. Schon jetzt nehmen die täglichen Stadtfahrten rasant zu. UITP rechnet bis 2025 mit einer Zunahme um rund 50 Prozent. In gleichem Maße wie die Mega-Citys wachsen, muss also auch der öffentliche Personennahverkehr seine Kapazitäten erhöhen. Dies zu schaffen kann nur durch neue Mobilitätskonzepte unter Einbeziehung des Schienen- und Busverkehrs bewerkstelligt werden. Neben Investitionen in den Personennahverkehr ist laut KPMG-Experte Steffen Wagner insbesondere mit Investitionen in den Ausbau des Schienenfernverkehrs zu rechnen. Durch mehr Verkehr zwischen den Städten ist außerdem davon auszugehen, dass sich High-Speed Rail (HSR) zu einer bevorzugten Reisemethode entwickeln wird. Die Zahlen untermauern das: Laut Frost & Sullivan wird das weltweite High-Speed Schienennetz (mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h) bis 2022 um jährlich 4,5 Prozent auf eine Länge von 74.896 km wachsen. Die hierfür nötigen Investitionen sind enorm. Prognosen zufolge steigen die Ausgaben von 93 Mrd. Euro im Jahr 2012 auf 581 Mrd. Euro im Jahr 2022.

Digitale Vernetzung erhöht Auslastung

Die künftige Nachfrage wird jedoch nicht alleine durch zusätzliche Kapazitäten zu bewerkstelligen sein. Der Schlüssel liegt auch in einer besseren Auslastung. Hierzu müssen die unterschiedlichen Verkehrsmittel miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt werden. Eine Vorgehensweise ist die Nutzung digitaler Datenquellen bzw. großer Datenmengen (Big Data), um Routen und damit Kapazitäten optimal zu managen. Neben Verkehrsmeldungen können Echtzeitdaten nämlich auch zur flexibleren Planung und einem bedarfsgerechten Betrieb genutzt werden. Es gibt einen Trend hin zur Intermodalität (Vernetzung verschiedener Verkehrsträger wie Fahrrad, Auto, Bus & Bahn, Flugzeug über mobile Applikationen) und Interoperabilität (eine Schnittstelle zum Kunden über eine digitale Plattform der Mobilitätsanbieter). Abschließend bleibt festzustellen, dass sich in der Branche und auf den Verkehrswegen bereits einiges bewegt und gewinnbringende Konzepte für die Zukunft bestehen. Steffen Wagner warnt jedoch: „Die Ideen sind gut. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese umgesetzt werden können und ob der Ansturm weiter bewältigt werden kann. Dabei muss vor allem Europa aufpassen, nicht den Anschluss an die Asien-Pazifik-Region zu verlieren.“