Motivierte Mitarbeiter stärken das Unternehmen | KPMG | DE
Mitarbeiterbeteiligung

Mitarbeiterbeteiligung

Motivierte und beteiligte Mitarbeiter

Keyfacts über Mitarbeiter

Mitarbeiterbeteiligung

Beteiligte Angestellte gehen verantwortungsvoller mit Ressourcen um • Arbeitgeber scheuen den administrativen Aufwand von Beteiligungsprogrammen • Mangelnde staatliche Förderung ist ein großes Hemmnis für die Unternehmen

Beteiligte Mitarbeiter sind motivierter und stärken das Unternehmen

Eine Geschichte muss nicht zwangsläufig wahr sein, um etwas aus ihr lernen zu können. Sie kann auch einfach gut erfunden sein. Wie vermutlich diese hier, die über eine börsennotierte US-Kaffeehauskette kursiert. Dort stellten die für den Rohstoffeinkauf verantwortlichen Kontrolleure eines Tages fest, dass das Unternehmen immer weniger Milch ordern musste – obwohl der Absatz von Latte Macchiato, Cappuccino und anderen milchhaltigen Getränken nicht gesunken war.

Eigentlich eine gute Nachricht, denn Milch ist teuer. Dennoch waren die Kontrolleure misstrauisch: Schenkten die Cafés womöglich minderwertigen Kaffee aus, mit zu wenig Milch darin? Stichproben ergaben, dass das nicht der Fall war. Es musste eine andere Ursache geben.

Nach umfangreichen Recherchen stieß man schließlich auf einen verblüffenden Zusammenhang: Der Milchverbrauch hatte ziemlich genau von dem Zeitpunkt an zu sinken begonnen, als das Unternehmen ein Programm zur Beteiligung der Mitarbeiter eingeführt hatte. Und zwar nicht, weil die Angestellten plötzlich am Kunden sparten – also schlechtere Qualität lieferten. Sondern weil sie schlicht weniger Milch verschütteten oder auf andere Weise verschwendeten.

Ob an der Geschichte mehr dran ist als ein wahrer Kern, ist unerheblich. Denn sie illustriert ein Phänomen, das viele Arbeitgeber beobachten: Angestellte, die an ihrem Unternehmen beteiligt sind, gehen verantwortungsvoller mit den Ressourcen um – weil der Unternehmenserfolg auch ihr Erfolg ist.

Kein Wunder also, dass in US-Unternehmen aktienbasierte Beteiligungsprogramme schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil von Vergütung, Vermögensaufbau und Altersvorsorge der Beschäftigten sind. Auch in Deutschland setzen einige große Arbeitgeber auf dieses Instrument. Bei der großen Mehrheit der deutschen Wirtschaft überwiegt allerdings die Skepsis gegenüber der Teilhabe von Mitarbeitern, gerade im nicht börsennotierten Mittelstand.

Sie scheuen den administrativen Aufwand bei der Einführung sowie die Kosten bei der Umsetzung der Programme und ihrer anschließenden Begleitung. Außerdem beklagen viele ein mangelndes Interesse von Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften an Belegschaftsaktien und anderen Formen der Beteiligung. Ein Grund dafür ist sicher, dass es in Deutschland anders als in den USA keine gelebte Aktienkultur gibt.

87% der Firmen geben an, dass sich ihre Mitarbeiter infolge der Beteiligung stärker mit dem Unternehmen identifizieren.

Beteiligte Mitarbeiter als Wettbewerbsvorteil

Dabei verweisen Unternehmen, die ihre Belegschaft bereits beteiligen, auf zahlreiche positive Effekte. In einer Studie der Hay Group etwa erklärten im vergangenen Jahr 87 Prozent der mehr als 150 befragten deutschen Firmen, dass sich ihre Mitarbeiter infolge der Beteiligung stärker mit dem Arbeitgeber und seinen Zielen identifizierten.

Zudem entwickeln sich Belegschaftsaktien, Bonusaktienprogramme, Genussrechtsprogramme und andere Teilhabemodelle zu einem echten Wettbewerbsvorteil bei der Suche nach Fachkräften. Wer das Gefühl hat, dass ihm ein Arbeitgeber neben der normalen Vergütung einen partnerschaftlichen Umgang in Form von Teilhabe anbietet, ist eher motiviert, dorthin zu wechseln.

Warum aber beteiligen dann nicht viel mehr Unternehmen ihre Belegschaft? Ein großes Hemmnis ist die mangelnde staatliche Förderung, die solche Modelle oft unattraktiv macht. Zwar wurde 2009 der steuerliche Freibetrag für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland von 135 auf 360 Euro erhöht. Doch das ist im internationalen Vergleich eher wenig – in Österreich beispielsweise liegt er bei fast 1.500 Euro, in Großbritannien sogar bei umgerechnet 3.500 Euro.

Bei allen Vorteilen, die Beteiligungsprogramme bieten, müssen sich die Unternehmen zudem bewusst sein, dass sie Zeit und Geld kosten. Ihre Einführung ist ein komplexer Vorgang, den sie nicht immer mit Bordmitteln leisten können. Das gilt besonders für international tätige Firmen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Gesetzeslagen für ihre Mitarbeiter berücksichtigen müssen. Nur beispielhaft sei hier das Steuerrecht erwähnt. Gerade für international agierende Unternehmen empfiehlt sich der Einsatz externer Berater.

Und das Wichtigste: Die angebotene Beteiligung muss sich für die Mitarbeiter natürlich lohnen, ihnen also echte finanzielle Vorteile bieten. Nur dann werden sie in großem Umfang zugreifen – und künftig vermutlich sparsamer mit den Unternehmensressourcen umgehen. Nicht nur mit der Milch.

Beteiligungsprogramme bringen viele Vorteile – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Unternehmen müssen sich aber bewusst sein, dass die Einführung Zeit und Geld kostet.