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Altenpfleger vergeblich gesucht

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Ein Viertel der Familien in Deutschland stemmt die häusliche Pflege ohne Hilfe • Nur 37% der benötigten Stellen in der Altenpflege können besetzt werden • Bundesregierung will Ausbildungszahlen in der Pflege jährlich um 10% steigern

Die häusliche Pflege ist eine kräftezehrende Aufgabe – psychisch und körperlich. Doch es fehlt an qualifizierten Fachkräften, um Familien dabei zu unterstützen. KPMG-Experte Volker Penter fordert: Der Staat sollte pflegenden Privatpersonen bei ihren Aufgaben mehr unter die Arme greifen.

Pflegenotstand in Deutschland: Rund ein Viertel der Familien stemmt die häusliche Pflege gänzlich ohne Hilfe. Nur rund 40 Prozent teilt sie sich mit professionellen Hilfskräften. Acht Prozent beauftragen Pflegeeinrichtungen für Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflegeaufenthalte. Das ergab eine Studie der Techniker Krankenkasse.

Der Grund dafür ist der Fachkräftemangel im Pflegebereich. Er führt oft dazu, dass Angehörige in der alltäglichen Pflege einspringen müssen, bis eine geeignete Lösung gefunden ist.

Die demografische Entwicklung wird die Situation weiter verschärfen. Sie führt dazu, dass immer mehr Menschen ärztliche und pflegerische Hilfe brauchen. Gleichzeitig gibt es immer weniger Menschen, die den Arzt- und Pflegeberuf ergreifen. Schon heute können beispielsweise nur 37 Prozent der benötigten Stellen in der Altenpflege besetzt werden.

37% der benötigten Stellen in der Altenpflege in Deutschland können besetzt werden.

Pflege für Angehörige muss besser organisiert werden

Die Bundesregierung reagierte darauf bereits mit der „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“. Dazu gehört die geplante Steigerung der Ausbildungszahlen um zehn Prozent jährlich zwischen 2012 und 2015 sowie eine Flexibilisierung der Ausbildungszeit und der Nachqualifizierung von bis zu 4.000 Pflegehelfern zur Altenpflegekraft. Außerdem wichtig sind die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und die Abschaffung bestehender Staatsangehörigkeitsprivilegien für Deutsche und EU-Bürger im Bereich der akademischen Heilberufe.

Doch es besteht weiterer Handlungsbedarf: „Die Pflege für Angehörige sollte besser organisiert werden und mit dem Alltag der Pflegenden besser vereinbar sein“, sagt Volker Penter, Gesundheitsexperte bei KPMG. „Dazu gehört, dass Privatpersonen bei der häuslichen Pflege mehr unterstützt werden.“ Ein erster Schritt in die richtige Richtung könnte der Deutsche Pflegetag 2015 in Berlin sein. Hier treffen sich ab März Spitzenvertreter aus Pflege, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum intensiven Dialog über professionellen Pflege und der Situation pflegender Angehöriger. Sie könnten erste dringend benötigte Abhilfe schaffen.