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Handelskrieg USA-China: Deutschland zwischen Trump und dem Drachen

Handelskrieg USA-China

Was passiert mit Deutschland, sollte sich Trump mit China anlegen?

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Handelskrieg

Kaum drei Wochen im Amt hat sich der neue US-Präsident Donald Trump bereits vieler seiner Wahlversprechen angenommen. Auffällig ist dabei ein Thema, das noch brach liegt: China. Von einem Telefonat mit der Präsidentin Taiwans abgesehen, ist von einer neuen Haltung gegenüber China noch nichts zu spüren. Dabei hatte Trump vor dem Amtsantritt besonders China wiederholt harsch kritisiert.

Angesichts der Kompromisslosigkeit mit der Trump bisher regiert, ist es also nur eine Frage der Zeit, bis er Maßnahmen ergreift, die sich gegen China richten. Dass chinesische Unternehmen US-amerikanische übernehmen, wird es vermutlich demnächst seltener geben. Um den Handel zu erschweren ist denkbar, dass die USA zunächst bürokratische Hürden aufbaut. So könnten etwa Importwaren aus China verzögert abgefertigt werden. Zölle auf einzelne Warengruppen wie Stahl oder Solarzellen dürften ebenfalls zu den Erstmaßnahmen gehören. Allerdings ist schwer absehbar, wie weit Trump gehen wird, um China zu zwingen, den seiner Ansicht nach unfairen Handel gerechter zu gestalten. Breitangelegte Zölle sind jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Klar ist aber, dass China die Maßnahmen nicht unbeantwortet lassen wird. Die Regierungschefs beider Länder wähnen sich zu stark als dass sie den Forderungen des anderen nachgeben würden. Damit ist eine rasche Eskalation hin zu einem ausgewachsenen Handelskrieg nicht ausgeschlossen.

Zwischen die Fronten gerät dabei Deutschland.

Mit den USA pflegen wir seit dem zweiten Weltkrieg eine ausgesprochen enge Partnerschaft. 2015 hat kein anderes Land so viele deutsche Waren (nach Wert) eingeführt wie die USA. Gleichzeitig ist die Zahl deutscher M&A- und Greenfield-Projekte in den USA am höchsten. Die meisten Zukäufe und Zusammenschlüsse in Deutschland wiederum erfolgen durch US-amerikanische Unternehmen.

China wiederum hat in den vergangenen Jahren für Deutschland an Bedeutung enorm hinzugewonnen. Die chinesischen Investitionen steigen rasant. Die deutschen Investitionsprojekte in China haben zwar ihren Höhepunkt überschritten, das Land liegt aber immerhin noch an dritter Stelle der beliebtesten Investitionsziele. Zudem ist China Hauptwarenlieferant für Deutschland und liegt an Rang 5 bei den deutschen Exporten. Die deutschen Autobauer verkaufen etwa jedes Dritte Auto in China.

Keine Beziehung, die man leichtfertig riskieren möchte.

Zumal Chinas wirtschaftspolitischer Fortschritt durchaus ermutigend ist. Präsident Xi Jinping plädierte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für den freien Handel, die Regierung setzt auf Umweltschutz und die Öffnung der Märkte über die vergangenen zehn, fünfzehn Jahre kann nicht in Abrede gestellt werden. Der Rückzug der USA aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP und die chinesischen Bemühungen, den Handel entlang einer Reihe von Staaten in Asien und Europa über die neue Seidenstraße auszubauen, machen das Reich der Mitte nur noch attraktiver.

Doch mit der verkündeten protektionistischen und konfrontativen US-Politik ist die Gefahr real, dass es für Deutschland in den kommenden Jahren schwer werden wird, die Beziehungen gleichermaßen zu den USA und zu China auszubauen. Gerade bezüglich der USA sollten sich deutsche Unternehmen keinen naiven Hoffnungen hingeben. Die Aussagen Donald Trumps und seines Umfeldes können kaum überschätzt werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass der deutsche Handelsüberschuss noch deutlich höher liegt als im von ihm viel kritisierten China. Wenn der Präsident den Brexit lobt und weitere Austritte aus der EU kommen sieht, weil die Union zu sehr auf Deutschland ausgerichtet sei, und der als EU-Botschafter der USA gehandelte Ted Maloch sagt, das einzige, was er 2017 machen würde, wäre gegen den Euro zu wetten, ist es unternehmerisch fahrlässig, die entsprechenden Szenarien zu ignorieren.

Hilft also eine engere Partnerschaft mit China?

So vielversprechend die Entwicklung in den vergangenen Jahren auch war, noch gibt es auf chinesischer Seite einigen Nachholbedarf. Das Gleichheitsprinzip gilt noch lange nicht. Deutsche Firmen sind zwar stark in China investiert, werden aber häufig in Joint Ventures gezwungen.

Man sollte sich also auch in Bezug auf China keinen Illusionen hingeben und Xi Jinpings Plädoyer für die Globalisierung nicht für bare Münze nehmen. Deutsche Unternehmen bewerten nicht ohne Grund die dortige Markterschließung als ihre schwierigste, wie der KPMG Investment Report festhält.

Zudem wäre Deutschland in einer Achse mit China immer nur der Juniorpartner. Deutschlands Wirtschaft ist zwar die viertgrößte der Welt, fällt gegenüber China aber deutlich zurück. Erst vor zehn Jahren hat China Deutschlands Wirtschaftskraft erreicht. Mittlerweile ist sie mehr als drei Mal so groß. Noch krasser ist der Unterschied mit Blick auf die Einwohnerzahl. Hier liegt der Faktor bei 17. 82 Millionen Einwohner wie in Deutschland unterschlägt man in China schon mal beim Runden der Nachmilliarden-Kommastelle.

Das Fazit kann daher nur lauten: Es braucht die Europäische Union, und zwar möglichst als Ganzes, um China ein gleichberechtigter Partner zu sein und um im Ernstfall im Wettbewerb mit den protektionistischen USA ohne große Schäden zu bleiben.

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