Treasury 4.0: Die Technikschere geht weiter auf

Treasury 4.0: Die Technikschere geht weiter auf

Warum Treasury-Organisationen Gefahr laufen, den Anschluss zu verpassen.

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Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir ein Positionspapier zu Treasury 4.0 verfasst. Wer geglaubt hat, dies sei es gewesen und man hätte nun ein paar Jahre Zeit, sich langsam in die Richtung von Treasury 4.0 zu entwickeln, hat sich getäuscht.

Und auch ich habe mich getäuscht ob der enormen Geschwindigkeit neuer technischer Entwicklungen, die sich zwar vor einem Jahr am Horizont zeigten, die sich jedoch nun bereits dank massiver Investitionen in Proof of Concept- oder Realisierungsphasen befinden. Die Frage, ob die Blockchain-Technologie für das Corporate Treasury relevant sein wird, ist mit einem klaren Ja beantwortet. Banken arbeiten an der Umsetzung im Bereich des Handels, SWIFT im Bereich der Nostro-Konten-Abstimmung.

Wer dies zu Ende denkt, wird automatisch den Kontoauszug in seiner jetzigen Form in Frage stellen. Für Treasuries, die heute über keine interne Handelsplattform verfügen oder diese nicht über automatische Schnittstellen an das Treasury Management-System angebunden haben, ist die Blockchain-Technologie noch sehr weit entfernt.

Dabei geht es für das Treasury primär nicht um die Technik, die dahinter steckt, sondern um die Philosophie, die auch Treasury 4.0 zugrunde liegt: Die Robotics Process Automation (RPA). Ich wage die These, dass 80 bis 90 Prozent der FX-Transaktionen in Unternehmen von der Exposure-Ermittlung, über die internen und externen Geschäftsabschlüsse, deren Buchung und Settlement mit RPA nur noch überwacht werden müssen, der Workflow mithin vollautomatisch abläuft.

Dies beinhaltet dann selbstverständlich auch das dazugehörige Berichtswesen. In Zeiten von Data Analytics manuell Berichte zu erstellen ist ein Anachronismus, den sich CFOs von Ihren Treasurern nicht mehr lange gefallen lassen werden. Sie wollen komplexe Szenarien durchgerechnet haben, in denen Treasury-, Controlling- und Accountingzahlen selbstverständlich miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Dass das Treasury in diesem Kontext nicht auf eine proprietäre Berichtsplattform setzen darf, liegt auf der Hand. Integration in die Geschäftsprozesse und -systeme lautet das Stichwort.

Schauen wir uns die Liquiditätsplanung an: Auch hier wird RPA zusammen mit Data Analytics und Predictive Analysis dazu führen, dass manuelle Planungsprozesse der Vergangenheit angehören. Die Grundlage hierfür sollte bereits heute gelegt werden, indem das Treasury über fundierte Kenntnisse über die Transformation der aus der Unternehmens- und Bilanzplanung und anderen Quellen gewonnenen Daten verfügt. Diese Kenntnisse, übersetzt in Algorithmen, sind das Fundament der zukünftigen Entwicklungen.

Sind die Hersteller der Treasury Management-Systeme auf diese Veränderungen vorbereitet? Man wird sehen. Derzeit sind viele noch immer darauf bedacht, ihre Systeme nicht als offene Plattformen für Kernfunktionalitäten zu sehen, an die Drittanbieter problemlos andocken können, um Apps mit Funktionalitäten bereitzustellen, die das TMS nicht bietet.

Aber warum ist das alles wichtig? Weil die Technik nicht nur Prozesskosten reduziert, sondern weil sie für das Treasury die Voraussetzung ist, auf geopolitische, volks- und finanzwirtschaftliche Veränderungen  oder gar Schocks (zum Beispiel Brexit) mittels Szenarien zeitnah zu reagieren. Und weil absehbar ist, dass die fortschreitende Regulierung dazu führt, dass Unternehmen, Prozesse und Methoden kontinuierlich anpassen müssen. Hier denke ich an ein beispielhaftes Szenario, dass aufgrund der Bankenregulierung nur noch über zentrale Gegenparteien kontrahiert werden kann.

Wer also heute nicht über den Tagesfinanzstatus auf Knopfdruck verfügt, für den wird es immer schwieriger, den Anschluss zu finden. Wer heute nicht Auskunft über das zukünftige und bilanzielle Währungsexposure geben kann, wird morgen nicht komplexe Szenarien beherrschen können. Und wer heute die Liquiditätsentwicklung nicht hinreichend genau vorhersagen kann, wird als gleichberechtigter Gesprächspartner neben Controlling und Accounting nicht wahrgenommen werden.

In den nächsten Monaten werden Sie an dieser Stelle Fortsetzungen der mit diesem Beitrag angestoßenen Themenfelder finden.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 63, Januar 2017
Autor: Carsten Jäkel, Partner, Finance Advisory, cjaekel@kpmg.com

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