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Management von Zinsrisiken

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Mit der Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank im Dezember 2016 hat sich das Thema Zinsmanagement zurück gemeldet.

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Mit der Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank im Dezember 2016 und der Signalisierung von weiteren Zinsschritten in 2017 hat sich das Thema Zinsmanagement mit einem vorsichtigen Lebenszeichen zurückgemeldet.

Auch wenn im Euroraum mit der weiteren Ausweitung des Anleiheankaufprogramms der EZB vorerst weiterhin keine wesentlichen Veränderungen zu erwarten sind, sollte das amerikanische Signal als Anlass genommen werden, sich einmal wieder mit dem Thema Steuerung der Zinsrisikoposition zu beschäftigen und sich die Frage zu stellen, ob das Treasury die richtigen Strategien, Verfahren und Systeme etabliert hat.

Zielsetzungen bei der Steuerung der Zinsrisikoposition

Mit der Steuerung des Zinsrisikos verfolgen Treasurer in der Regel die Zielsetzung, das aus den Risikopositionen resultierende Zinsänderungsrisiko zu begrenzen (risikoaverse Strategie). Hierbei erfolgt entweder eine Minimierung des Anteils der variablen Zinsrisikopositionen an der Gesamtposition oder es wird die variable Zinsrisikoposition innerhalb einer definierten Bandbreite gehalten. Allerdings lassen sich im aktuellen Marktumfeld auch Strategien beobachten, mit denen die Treasury-Abteilungen darauf abzielen, durch entsprechende Steuerung der Risikopositionen den Zinsaufwand zu minimieren (chancen-orientierte Strategie). Hierzu werden beispielsweise festverzinsliche Positionen mittels des Einsatzes von Finanzderivaten in kurzfristige, variable Positionen getauscht. 

Die Steuerung der Zinsrisikoposition weist zudem häufig eine enge Verknüpfung mit dem Prozess der Liquiditätssteuerung und Finanzplanung auf. Wenn im Rahmen einer strukturierten Planung von Liquiditäts- und Finanzierungsbedarfen bestimmte Fristigkeiten und Finanzierungsvolumen definiert werden, ist es Aufgabe des Zinsmanagement, eine Optimierung und Risikosteuerung der entsprechenden Verzinsung sicherzustellen. Neben der Fristentransformation ist hier auch die Nutzung unterschiedlicher Währungsräume zu beobachten.

Basis aller Entscheidungen: die Zinsrisikoposition

Das Zinsrisikoexposure ergibt sich in der klassischen Betrachtung aus bestehenden Kreditaufnahmen und Investments mit variabler Verzinsung sowie aus dem Refinanzierungsrisiko für geplante Krediteaufnahmen oder Investments. In der Praxis zeigt sich, dass viele Treasury-Abteilungen den Begriff deutlich weiter ziehen und auch weitere Bilanzpositionen, die zinssensitiv sind, in die Risikoposition aufnehmen (zum Beispiel Leasingverbindlichkeiten, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistungen). 

Bei einer engen Verknüpfung des Zinsmanagements mit dem Liquiditätsmanagement kann es zudem ebenfalls sinnvoll sein, nicht unmittelbar zinssensitive Positionen in die Betrachtung des Zinsrisikos mit einzubeziehen. Dies kann beispielsweise darauf abzielen, auf Basis einer integrierten Finanz- und Liquiditätsplanung auch das Zinsrisiko aus Desinvestitionen (das heißt Zinsrisiko bezüglich Reinvestition) sichtbar zu machen und entsprechende Steuerungsmechanismen zu etablieren.

Am Ende ist die Frage zur spezifischen Definition des Zinsrisikoexposures im Unternehmen sehr eng verbunden mit der Zinsrisikostrategie und der unternehmensindividuellen Definition des Zinsrisikos. Wie immer im Finanzrisikomanagement gilt, dass die einzelnen Komponenten des Zinsrisikomanagements gut aufeinander abgestimmt sein müssen, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. 

Steuerung der Zinsrisikoposition – gängige Ansätze im Überblick

Hinsichtlich der Steuerung der Risikoposition lassen sich grundsätzlich unterschiedliche Ansätze differenzieren. Allen gemeinsam ist, dass sie die Verfügbarkeit von Detaildaten zu den Zinsrisikopositionen, wie auch Werkzeuge zur Risikoanalyse voraussetzen, um effektiv eingesetzt zu werden (unter anderem Datenaggregation und Drill down-Funktionen, Szenarioanalyse, Kennzahlen für das Zinsmanagement wie beispielsweise Basis point value, Duration).

In einem einfachen Steuerungsansatz wird im Sinne einer Mikrosteuerung auf Basis einzelner Zinsrisikopositionen nach diskretionärer Entscheidung innerhalb der Vorgaben der Risikorichtlinie über die Art und Weise der Zinsrisikosteuerung entschieden. Dies erscheint zweckmäßig für Unternehmen mit einer geringen Anzahl an Zinsrisikopositionen, da mit vergleichsweise geringem Prozess- und technologischen Aufwand eine effektive Risikosteuerung erreicht werden kann. Als nachteilig ist die geringe Flexibilität in Bezug auf sich verändernde Zinsstrukturen an den Kapitalmärkten zu sehen, da eine spezifische Bindung von Grund- und Sicherungsgeschäft besteht.

Im Rahmen von Makroansätzen wird dagegen die positionsübergreifende Steuerung und damit die bessere Reaktionsfähigkeit bei Marktveränderungen möglich. Hierbei werden zum Beispiel auf Ebene von Währungsräumen, Geschäftsbereichen oder anderen abzugrenzenden Portfolien Zinsrisikopositionen über eine aggregierte, auf Fälligkeitsprofilen basierenden Darstellung gesteuert. Die Zinsstrategien können für die Portfolien festgelegt (zum Beispiel bestimmte fix-variabel Zielgrößen pro Währungsraum) und bei Bedarf an sich verändernde Marktszenarien angepasst werden. Als nachteilig sind hier die komplexere Umsetzung der Anforderungen an Datenhaltung und Methoden sowie die bilanzielle Abbildung zu nennen (unter anderem Hedge Accounting). Die Vorteilhaftigkeit der Portfoliosteuerung hinsichtlich möglicher Flexibilität nimmt dabei mit Anzahl der Risikopositionen und entsprechender Volumina zu.

Je nach Integration mit der Liquiditätssteuerung und Finanzplanung kann das Zinsmanagement sich dabei auch als Teilkomponente des Asset Liability-Managements darstellen lassen -­ indem es einen Auftrag zur Optimierung der Kosten der Liquiditätshaltung und -beschaffung übernimmt. Dieser Ansatz führt zur gesamthaften Optimierung der Kapitalstruktur und des entsprechenden Zinsaufwands und bedingt entsprechend ein integriertes Steuerungskonzept für Liquidität und Zinsrisiko, inklusive umfassender Datenverfügbarkeit und Systemunterstützung. 

Alles richtig gemacht?

Wie bei allen Finanzrisiken sind auch bei der Steuerung des Zinsrisikos die Identifizierung und Analyse der Risikopositionen entscheidende Faktoren. Es hilft nicht viel, wenn ausgefeilte Steuerungsmethoden und -strategien auf Basis unvollständiger oder fehlerhafter Risikopositionen ausgeführt werden. Daneben ist als zweiter wesentlich Aspekt die Verknüpfung der Steuerung der Zinsrisikoposition mit der Unternehmenssteuerung zu nennen – dabei stellen insbesondere die Risikoneigung sowie mittel- und langfristigen Liquiditäts- und Finanzierungsziele wesentliche Faktoren dar.

Auch wenn die letzten Signale der amerikanischen Notenbank vielleicht die Aufmerksamkeit der Treasurer nur kurz auf das Management von Zinsrisiken gelenkt haben, so sollten doch regelmäßig die aktuelle Strategie sowie die etablierten Verfahren und Systeme hinterfragt werden. Es hat noch nie geschadet, vorbereitet zu sein. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 63, Januar 2017
Autor: Stephan Plein, Senior Manager, Finance Advisory, splein@kpmg.com

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