Erbschaftsteuerreform: Was die neuen Regeln bedeuten | KPMG | DE

Erbschaftsteuerreform: Was die neuen Regelungen für Familienunternehmen bedeuten

Erbschaftsteuerreform: Was die neuen Regeln bedeuten

Am 14. Oktober 2016 verabschiedete der Bundesrat das neue Erbschaftsteuergesetz, das am 9. November 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde. Was ändert sich jetzt für Familienunternehmen? Das Wichtigste im Überblick.

Ansprechpartner

Partner, Familienunternehmen, Private Client Tax

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

Vater mit Sohn

Die Verschonungsmodelle für begünstigungsfähiges Vermögen bleiben bestehen. Bei Erwerben bis zu einer Höhe von 26 Millionen bleibt es im Wesentlichen bei den bisherigen Möglichkeiten der Steuerverschonung. Das heißt, Betriebsübertragungen sind zu 85 oder sogar zu 100 Prozent steuerfrei möglich. Bedingung ist, dass Firmenerben die Arbeitsplätze erhalten, innerhalb der Haltefrist nicht mehr als die laufenden Gewinne entnehmen und das Unternehmen über mindestens fünf oder sieben Jahre fortführen. 

Lohnsummenkontrolle nun auch für Kleinbetriebe

Wie auch in der Vergangenheit dient die sogenannte Lohnsummenkontrolle der Überprüfung, ob die mit dem Betrieb übertragen Arbeitsplätze im Wesentlichen erhalten bleiben. In der überarbeiteten Gesetzesfassung wurde die Grenze für Unternehmen, die diesen Nachweis zu erbringen haben herabgesetzt. Zukünftig sind nur Kleinbetriebe mit bis zu fünf Arbeitnehmern weiterhin von der Lohnsummenprüfung befreit.

Schärfere Regeln für große Vermögen

Neu sind Einschränkungen der Verschonung bei der Übertragung von Großvermögen. Überschreitet der Wert des erworbenen begünstigten Vermögens die Grenze von 26 Millionen Euro kann der Steuerpflichtige zwischen einer Minderung des Verschonungsabschlags (Abschmelzmodell) oder einer Verschonungsbedarfsprüfung wählen.

Vorsicht bei Verwaltungsvermögen

Schon bisher spielte es für die Steuerverschonung eine Rolle, in welchem Umfang das Unternehmen über sogenanntes Verwaltungsvermögen verfügt. Dabei handelt es sich um Vermögen, das nicht zwingend betriebsnotwendig ist (z.B. Wertpapiere und fremdvermieteter Grundbesitz, aber auch Briefmarkensammlungen, Oldtimer, Yachten, etc.). 

Wichtig ist, dass das zu übertragende Vermögen nur zu bis zu 20 Prozent aus Verwaltungsvermögen bestehen darf, wenn eine vollständige steuerliche Verschonung gewünscht ist. Ansonsten wird der Verschonungsabschlag von 85 Prozent angewandt. Neu ist aber, dass in jedem Fall - auch bei einer Vollverschonung  - das über 10  Prozent hinausgehende Verwaltungsvermögen  versteuert werden muss. 

Anpassung des Kapitalisierungsfaktors kann auch Nachteile haben 

Die Anpassungen des BewG mit ihrer Rückwirkung zum 1. Januar 2016 können trotz sinkender Unternehmenswerte aufgrund des reduzierten Kapitalisierungsfaktors zu negativen Auswirkungen für Übertragungen im ersten Halbjahr 2016 führen, wenn die entsprechenden Verwaltungsvermögensquoten ungünstig ausfallen. Hier muss geprüft werden, ob ein Handlungsbedarf für die betroffenen Steuerpflichtigen besteht und gegebenenfalls alternativ eine Bewertung nach IDW S1 vorgenommen werden. 

Alle wichtigen Neuregelungen finden Sie im folgenden PDF im Überblick.

Auswirkungen der Erbschaftsteuerreform auf die Bewertung

Durch die Erbschaftsteuerreform  wurden mit Wirkung zum 1. Juli 2016 das Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetz sowie zum 1. Januar 2016 das Bewertungsgesetz angepasst. Hieraus können sich rückwirkend für Übertragungen innerhalb des ersten Halbjahres 2016 maßgeblich höhere steuerpflichtige Erwerbe ergeben. Auch in Zukunft wird die Wahl des konkreten Bewertungsverfahrens Einfluss auf die Höhe der möglichen Verschonung des Vermögens haben. 

Fachbeitrag von Karen Ferdinand, Dr. Henrik Meyer und Dominik Lehmann in: WP Praxis Nr. 1 vom 21.12.2016 Seite 15ff

> Zum Fachartikel

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden