Auswirkungen des Brexits auf die Telekommunikationsbranche

Nach dem Brexit: Telekommunikationsbranche

Experten der Telekommunikationsindustrie sind sich einig: Der Brexit wird Einfluss auf sämtliche Geschäftszweige der Branche haben. Aufgrund des zurzeit noch unklaren Zeitpunkts des Austritts der Briten aus der EU ist jedoch noch nicht eindeutig zu sagen, ob sich dieser positiv oder negativ auf die Telekommunikationsbranche auswirkt.

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Telekom-Chef Timotheus Höttges hat jedoch seine Bedenken, ob der Brexit Vorteile für die Branche bieten kann: „In einer globalisierten und zunehmend digitalisierten Welt sind große, einheitliche Märkte wichtig, um wettbewerbsfähig zu sein. Deswegen wäre es gut gewesen, wenn sich die Briten für Europa entschieden hätten".

Laut „The Economist“ sind die Auswirkungen des Brexits auf den Telekommunikationsmarkt aber geringer als bei anderen Branchen. Gründe dafür seien, dass Kunden in der Regel ein Vertragsverhältnis mit einem nationalen Anbieter abschließen. Daher seien Szenarien wie die anfallende Umsatzsteuer oder Zölle, die in der Regel die Import- und Exportbranche betreffen, nicht relevant.

Die Situation der Netzanbieter

Die Situation der multinationalen Netzanbieter, die in der UK ansässig sind, wird sich erst mittelfristig entscheiden. Von Änderungen betroffen wäre dann auch der weltgrößte Netzanbieter Vodafone, dessen Hauptsitz in Großbritannien liegt.

Ein mögliches Szenario für Großbritannien, um weiterhin Freihandel mit europäischen Ländern betreiben zu können, wäre ein Eintritt in die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA). Dieser gehören  Länder wie Liechtenstein, Island oder Norwegen an. Der Beitritt würde zum Beispiel bedeuten, dass für das Roaming die gleichen Regularien und Konditionen gelten würden wie im restlichen EU-Ausland.

Fest steht, dass der Großteil der Netzanbieter seine Umsätze überwiegend innerhalb der EU erwirtschaftet. Aus diesem Grund sollte das Interesse groß sein, einen unkomplizierten Zugang zum EU-Markt beizubehalten. Ein besonders gutes Beispiel hierfür ist Vodafone: Laut eigenen Angaben erwirtschaftet der Konzern nur 11% des Gesamtumsatzes in Großbritannien (BBC, 2016). Allein aus diesem Grund wäre es ungünstig, sollte ihnen dieser Zugang erschwert werden. Weiterhin berichtete die BBC kürzlich, dass Vodafone plant, seine Geschäftsberichte in Euro anstatt in Britischen Pfund auszuweisen. Inwieweit dahingehend bereits Entscheidungen getroffen wurden, bleibt unklar.

Netzneutralität & Roaming

Eine negative Konsequenz des Brexit wäre die ausbleibende Netzneutralität, welche es innerhalb der EU ermöglicht, günstige Telefontarife und Internetkonditionen zu erhalten. Verbraucher aus dem Vereinigten Königreich könnten dahingehend benachteiligt werden.

Datenschutz

Telekommunikations- und Technologiefirmen fordern durch den Austritt Großbritanniens von der britischen Regierung, bei den Brexit-Gesprächen ebenfalls über das Offenbleiben der sogenannten Internetgrenzen zu verhandeln.  Diese seien in Anbetracht der wachsenden Digitalisierung ein zentraler Punkt, um die Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens  weiterhin zu gewährleisten. Im Detail geht es den Tech-Firmen und Betreibern von Datenzentren vorrangig um die Sicherstellung gleicher Standards beim Datenaustausch zwischen Großbritannien und der EU.

Sollten sich die Datenschutzvorschriften bei einem Austritt aus der EU ändern, könnten Rechenzentren es als notwendig empfinden, ihren Sitz in die EU zu verlagern, um die bisherigen Standards weiterhin gewährleisten zu können. Die KPMG-Studie „Cloud Monitor 2016“ untermauert diese Annahme. Demzufolge möchten Kunden von Rechenzentren ihre Server in der nationalen Umgebung vorfinden, um die Datenschutzbedingungen jederzeit nachvollziehen zu können. Daher könnte es bei möglichen Lücken im UK Gesetz zu permanenten juristischen Auseinandersetzungen mit Datenschutzaktivisten aus der EU kommen. Im Hinblick auf die Digitalisierung wird es ohnehin immer wichtiger, gemeinsame Gesetze und Sicherheiten zu schaffen.

Fakt ist, dass es aktuell noch zahlreiche verschiedene Datenschutzvorschriften in den EU-Ländern gibt. Diese sollen nun durch die Datenschutz-Grundverordnung harmonisiert werden. Für die Politik gilt es dann, die UK-Verordnung diesen Standards anzupassen, damit auch nach dem Brexit britische Tech-Unternehmen kompetitiv bleiben. Andernfalls müsste geprüft werden, ob die UK überhaupt noch Produkte und Dienstleistungen, die SaaP (Software as a Product), PaaS (Platform as a Service) oder Iaas (Infrastructure as a Service) umfassen, in die EU verkaufen darf.

Die neuen Regularien

Laut Timotheus Höttges hat Europa auch in Zukunft weiterhin Potential. „Wir müssen uns nicht verstecken. Google, Facebook und Twitter sind vielleicht nicht bei uns entstanden. Aber das Datenbank-System MySQL, auf dem diese Dienste basieren, stammt aus Schweden. Vielleicht sollten wir Europäer schlicht stolzer und lauter über unsere Produkte reden und sie dadurch noch besser vermarkten als bisher“, äußerte er sich öffentlich auf der Telekom Homepage. Vodafone hingegen gibt zur Beruhigung der Märkte sogar an, sich stärker in Brüssel zu engagieren zu wollen, um den freien Handel nicht zu gefährden. Damit möchte das Unternehmen sicherstellen, dass die Interessen der Branche weiterhin angemessen in der EU repräsentiert werden.

Nichtsdestotrotz steht natürlich fest, dass es viele Faktoren und Abhängigkeiten gibt. Es ist schwierig, schon jetzt die direkte Einwirkung des Brexits auf die Telekommunikationsbranche ausfindig zu machen. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass sich makroökonomische Unsicherheiten ausweiten und sich kurzfristig negativ auswirken. Welche Folgen diese Entscheidung langfristig hat, vermag jedoch niemand zu beurteilen.

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