Unsicherheiten bei der Berücksichtigung des Kreditausfallrisikos bei Derivaten

Berücksichtigung des Kreditausfallrisikos bei Derivaten

Da Derivate stets mit ihrem Fair Value in der Bilanz anzusetzen sind, ist für diese somit stets ein sogenannter ‚exit price‘ zu ermitteln.

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IFRS 13 definiert den Fair Value als einen Preis, der bei der Veräußerung eines Vermögenswerts bzw. bei der Übertragung einer Verbindlichkeit im Rahmen einer gewöhnlichen Transaktion zwischen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag erhalten bzw. gezahlt würde (IFRS 13.9).

Da Derivate stets mit ihrem Fair Value in der Bilanz anzusetzen sind, ist für diese somit stets ein sogenannter ‚exit price‘ zu ermitteln. Wird daher ein Bewertungsverfahren für over-the-counter abgeschlossene Derivate (OTC-Derivate) angewendet, so ist der so ermittelte Wert insbesondere um das Ausfallrisiko anzupassen.

In der Praxis wird dafür der ausfallgefährdete Betrag (expected exposure) multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls (probability of default) sowie dem Verlust bei Ausfall (loss given default). Je nachdem, ob das Exposure einen positiven oder negativen Wert ergibt, ist das Ausfallrisiko des Kontrahenten oder das eigene Ausfallrisiko heranzuziehen.

Die finanzmathematisch ermittelten Werte werden somit für eine Fair Value-Bilanzierung noch um das Ausfallrisiko korrigiert (credit risk adjustment). Anzumerken ist hier insbesondere, dass im Rahmen einer Effektivitätsmessung für das Hedge Accounting der komplette Fair Value, also inklusive credit risk adjustment zu verwenden ist. In der Praxis wird jedoch häufig eine Methodik angewendet, bei der das credit risk adjustment bei perfekten Hedge-Beziehungen erst im Anschluss an die Effektivitätsmessung bei der bilanziellen Abbildung berücksichtigt wird, da erwartet wird, dass das credit risk adjustment nicht zu einem Verlassen der Bandbreite von 80% bis 125% führen wird.

Das Kreditausfallrisiko wird üblicherweise allerdings nicht je Transaktion betrachtet, da es in der Regel Rahmenverträge wie den deutschen Rahmenvertrag oder ISDA-Verträge gibt, die eine Aufrechnung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten im Insolvenzfall zulassen. Es werden für die Berechnung des credit risk adjustments somit in der Praxis üblicherweise zunächst alle Forderungen und Verbindlichkeiten mit einem Kontrahenten saldiert.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 9. Juni 2016 (Az. IX ZR 314/14) hat jedoch Unsicherheit in diese Praxis gebracht. Nach Ansicht der Richter verstößt das oben beschriebene Netting nämlich gegen das deutsche Insolvenzrecht, welches zum Ziel hat, die Insolvenzmasse zu schützen. Die BaFin hatte schnell reagiert und eine Lösung geschaffen, welche jedoch nur für Finanzinstitute Gültigkeit hatte. Für Industrieunternehmen fehlte weiterhin eine eindeutige Entscheidung.

Die Unsicherheit für Industrieunternehmen wird allerdings bald ein Ende haben. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat Ende Juli einen Referentenentwurf zur Änderung des § 104 der Insolvenzordnung (InsO) zum Thema des oben beschriebenen Nettings bei Finanztermingeschäften veröffentlicht. Da die Allgemeinverfügung der BaFin nur befristet bis zum 31. Dezember 2016 gilt, wird im Markt überwiegend davon ausgegangen, dass die Gesetzesänderung noch vor Jahresende (rückwirkend) wirksam wird. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 60, Oktober 2016
Autor: Andrea Monthofer, Manager, Finance Advisory, amonthofer@kpmg.com

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