IPO Snapshot - 3. Quartal 2016

IPO Snapshot - 3. Quartal 2016

Brexit und US-Präsidentschaftswahlen sorgten für Zurückhaltung.

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Börse

Das globale IPO-Geschehen im 3. Quartal 2016 war erneut von Vorsicht und Zurückhaltung gekennzeichnet – mit deutlicher Diskrepanz zwischen westlicher Hemisphäre und den asiatischen Märkten. Während die angelsächsischen Märkte von der Schockwelle des Brexit, den Unwägbarkeiten der US-Präsidentschaftswahlen sowie der Zinspolitik des Federal Reserve beeinflusst wurden, ruhte lange Zeit die Hoffnung auf Europa – vor allem nach der Sommerpause im September. Dort kam es dann auch zu insgesamt 11 IPOs. Lediglich drei Unternehmen verzeichneten jedoch einen Bruttoerlös von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Spin-offs wie Uniper sind von der Betrachtung ausgeschlossen, da technisch kein neues Kapital involviert war. Die chinesischen Börsen holten erneut demgegenüber auf, allen voran Hong Kong: Die Erstnotiz der Postal Savings Bank of China war mit 5,6 Milliarden US-Dollar ein echter Paukenschlag. Allein 63 Prozent des im 3. Quartal insgesamt aufgenommen Kapitals beschaffte sich die chinesische Postsparkasse an der Börse in Hong Kong.

Brexit trübt die Stimmung

Die vorliegende Analyse der europäischen IPOs bezieht die Londoner Börse ein. In der britischen Metropole kam es nach der Brexit-Abstimmung lediglich zu zwei unterschiedlich großen Erstnotizen: Der Stammzellenspezialist Widecells Group erzielte Ende Juli einen Bruttoerlös von 2,6 Millionen US-Dollar, während sich die Hollywood Bowl Group Ende September 236 Millionen US-Dollar beschaffte. In London scheint sich jedoch nicht nur die Börse von dem ersten Schock des EU-Austritts zu erholen. Es stehen offenbar neue IPOs mit großen Emissionsvolumen an – unter anderem vom Softwarespezialisten Misys plc.

Der mit hohen Erwartungen verbundene Börsengang der dänischen Nets Holding a/s, einem in Skandinavien tätigen Spezialisten für Zahlungsdienstleistungen und –technologien, war mit 2,4 Milliarden US-Dollar Bruttoerlös die insgesamt größte europäische Erstnotiz. Die Aktie war jedoch zum Ende des Quartals, neben dem italienischen Family Office Solutions Capital Management, die einzige, die einen Verlust zu verzeichnen hatte.

Andere Börsenneulinge legten dagegen eine starke Performance hin, allen voran IES (unabhängige Internationale Englischschulen in Schweden). Ende September notierten die Aktien des Unternehmens erstmals auf Nasdaq in Stockholm und legten innerhalb von nur zwei Handelstagen um mehr als 30 Prozent zu. Zu den anderen größeren IPOs in Westeuropa zählten der italienische Flugnavigationsdienstleister ENAV (84 Millionen US-Dollar Bruttoerlös) und der holländische Onlinebestellservice Takeaway.com (369 Millionen US-Dollar).

Leere auf dem Frankfurter Parkett

An der Frankfurter Börse kam es lediglich zu einem neuen Börsengang: Das auf Dämmlösungen und Vakuumisolation spezialisierte Unternehmen va-Q-tec wagte am letzten Tag des Quartals den Gang aufs Parkett. Das gesamte Emissionsvolumen lag bei 82,9 Millionen Euro, der Bruttoerlös aus der Kapitalerhöhung bei  46,1 Millionen Euro. Nach vollständiger Ausübung der Greenshoe Option liegt der Streubesitz bei 51,5 Prozent. Der Emissionspreis wurde mit 12,30 Euro festgelegt und schnellte noch am ersten Handelstag auf 14,51 Euro.

Dazu kam der Spin-off des traditionellen Energieerzeugungsgeschäfts von E.on. 53,3 Prozent der Anteile an der neuen Tochtergesellschaft Uniper wurden dabei bestehenden E.on-Investoren angeboten. Zum Vergleich haben wir Uniper in die vorliegende Performance-Grafik zu allen deutschen IPOs im Jahre 2016 mit eingeschlossen.

IPO-Müdigkeit: Ein zyklisches oder säkulares Phänomen?

Generell sind die jüngsten IPO-Aktivitäten für viele Beobachter und Investoren enttäuschend, denn die Schlagzeilen haben oftmals jene bekommen, die kurzfristig abgesagt wurden (bspw. der Verkauf von Telxius durch Telefonica). Gerade in Deutschland war die Hoffnung auf neue Börsengänge im September groß. Viele interessante Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Industrie, Finanzen und Technologie waren in unmittelbarer Vorbereitung. So war der Spin-off der Innogy von RWE Anfang Oktober zwar erneut im Mittelpunkt des Interesses, doch ähnlich wie bei Uniper muss sich auch hier zunächst ein freier Handel im Markt entwickeln.

Und in den USA fehlt es in diesem Jahr weiterhin an namhaften IPOs aus der Technologiebranche (Uber, Snapchat, Airbnb), die den Markt insgesamt neu beleben würden. Insofern bleibt abzuwarten, ob das rasante Nachlassen der IPO-Aktivitäten in den USA und der gesamten westlichen Hemisphäre zyklischer oder gar säkularer Natur ist, da diese neuen Technologiegiganten auch ohne Börsengang sehr hohe Bewertungen erzielen, Milliarden US-Dollar von privaten Investoren erhalten und dabei gleichzeitig kostspielige Anforderungen an ein börsennotiertes Unternehmen abwenden können.

 

Autor: Dr. Peter Kirkow, Director, KPMG - Makinson Cowell

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