Finanzierungsentscheidungen unter Berücksichtigung bilanzieller Implikationen

Finanzierungsentscheidungen - bilanzielle Implikationen

Oft bleiben bei Unternehmen bilanzielle Auswirkungen bei Finanzierungsentscheidungen unberücksichtigt.

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Oft bleiben bei Unternehmen bilanzielle Auswirkungen bei Finanzierungsentscheidungen unberücksichtigt. Dieser Beitrag stellt anhand von ausgewählten Beispielen dar, was es hierbei zu beachten gilt.

Unternehmen treffen Finanzierungsentscheidungen aus unterschiedlichen ökonomischen Beweggründen. Folglich gibt es eine Vielzahl an Finanzierungsalternativen, deren bilanzielle Erfassung einen weitreichenden Einfluss auf die Unternehmenskennzahlen haben kann. Es ist daher von großer Bedeutung, die Finanzierungsentscheidung unter Abwägung aller bilanziellen Konsequenzen zu treffen.

Als klassisches Finanzierungsinstrument kann die Aufnahme eines Bankdarlehens genannt werden. Diese Finanzierungsform bedingt häufig die Bereitstellung von Sicherheiten oder die Einhaltung von betrieblichen Finanzkennzahlen (covenants). In der mittelständischen Wirtschaft werden zunehmend Schuldscheindarlehen genutzt. Eine weitere Möglichkeit stellen Anleihen dar. Hierbei sind im Vergleich zum Darlehen die stärkere Unabhängigkeit in Bezug auf die Ausstattung mit langfristigem Kapital sowie steuer- und gesellschaftsrechtliche Aspekte zu unterstreichen.

Als weiteres Finanzierungsinstrument kann eine Variante der Anleihe die Wandelanleihe ­ genannt werden, die neben den Rechten einer Schuldverschreibung das Umtauschrecht in Eigenkapitalinstrumente des emittierenden Unternehmens verbrieft. Ein weiteres Instrument der Finanzierung in Industrieunternehmen stellen Forderungsveräußerungen im Rahmen von Factoring-Programmen zur Verbesserung der kurzfristigen Liquidität sowie der Auslagerung von Kreditrisiken dar. Auch hierbei wirkt sich die Vertragsgestaltung unmittelbar auf Bilanz und GuV aus, was nachfolgend für das Factoting sowie alle weiteren Finanzierungsformen dargestellt wird.

Zur Sicherstellung kontinuierlicher Zinszahlungen aus ausgereichten, variabel verzinslichen Darlehensverträgen, betten Banken in diese Verträge zunehmend Zinsuntergrenzvereinbarungen (Zinsfloors) ein, um dem Problem der Negativzinsen zu entkommen. Erfolgt in einem solchen Fall unternehmensseitig eine Zinssicherung mittels derivativer Finanzinstrumente (wie beispielsweise Zinsswaps), so sollte das Sicherungsinstrument ebenfalls mit einem entsprechenden Zinsfloor ausgestattet werden.

Eine Nichtberücksichtigung hätte bei Anwendung von Hedge Accounting Ineffektivitäten aufgrund abweichender Vertragsparameter von Grund- und Sicherungsgeschäft zur Folge, welche zu einer Erhöhung der Ergebnisvolatilität führen.

Bei der Ausgabe von Anleihen ist zu validieren, ob es sich um strukturierte Finanzinstrumente handelt, die neben dem Basisinstrument ein oder mehrere eingebettete Derivate beinhalten. Ein Beispiel hierfür ist eine vertraglich fixierte Rückkaufoption, die nach den Vorgaben des IAS 39 auf eine vom Basisvertrag getrennte Bilanzierungspflicht zu untersuchen ist. Der Basisvertrag ist nach den Bestimmungen des jeweils einschlägigen Standards zu bilanzieren (IAS 39.11).

Das Derivat wird hingegen als eigenständiges Finanzinstrument der Kategorie Held for Trading zugeordnet und erfolgswirksam zum Fair Value bilanziert. Diese Vorgehensweise führt gegebenenfalls zu Schwankungen in der GuV-Rechnung. Auf der anderen Seite wird durch das abgetrennte Derivat ein zusätzliches, Hedge Accounting-fähiges Sicherungsinstrument erzeugt.

Die Bilanzierung einer Wandelanleihe erfolgt durch die Trennung von Schuldinstrument und Wandlungsrecht. Dabei wird das Schuldinstrument gemäß IAS 39 behandelt. Das Wandlungsrecht wird in Abhängigkeit bestimmter Kriterien entweder im Eigenkapital nach IAS 32 als Differenz aus Emissionserlös und dem errechneten Barwert der Fremdkapitalkomponente oder als eingebettetes Derivat nach IAS 39 vom Basisvertrag getrennt als Held for Trading bilanziert.

Beim Factoring wiederum unterscheidet sich die bilanzielle Erfassung nach echtem und unechtem Factoring: echtes und unechtes Factoring definiert sich dabei durch den bilanziellen Abgang der Forderung und der Übertragung wesentlicher Chancen und Risiken. Bei echtem Factoring kommt es zum vollständigen Verkauf der Forderung und somit zu einem bilanziellen Abgang.

Bei unechtem Factoring hingegen erfolgt zwar gleichermaßen ein zivilrechtlicher Verkauf; aufgrund zurückbehaltener Chancen und Risiken ist der Verkäufer der Forderung jedoch nicht zu einer Ausbuchung berechtigt. Die beispielsweise durch eine Garantie des Forderungsverkäufers im Unternehmen verbliebenen Kreditausfallrisiken führen ferner dazu, dass eine finanzielle Verbindlichkeit gegenüber der Factoring-Gesellschaft zu erfassen ist.

Finanzierungen sind ein wesentliches Instrumentarium der Unternehmenssteuerung. Wie die aufgeführten Beispiele darlegen, können die Wahl und vertragliche Ausgestaltung des Finanzierungsinstruments weitreichende bilanzielle Konsequenzen nach sich ziehen, die durch das Management frühzeitig in die Finanzierungsentscheidung mit einzubeziehen sind. Dabei zahlt sich eine umfassende, frühzeitige Analyse der Finanzierungsalternativen aus. Hierzu stehen wir Ihnen mit unseren Experten als erfahrener Partner zur Seite. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 60, Oktober 2016
Autor: Dr. Christoph Lippert, Manager, Finance Advisory, christophlippert@kpmg.com

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