Auswirkungen des Brexits auf die Konsumgüterindustrie | KPMG | DE

Auswirkungen des Brexits auf die Konsumgüterindustrie

Auswirkungen des Brexits auf die Konsumgüterindustrie

Auch bei Anbietern von Konsumgütern wirft der Brexit Fragen auf: Mit ihren internationalen Wertschöpfungsketten hat die Branche wie kaum eine andere von den Vorzügen der gemeinsamen Wirtschaftspolitik der EU profitiert.

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Mit einem Umsatzvolumen von über 410 Mrd. Euro ist der britische Konsumgütermarkt der viertgrößte weltweit und somit auch global von großer Bedeutung für die Branche. Diese konnte zuletzt positive Ergebnisse verzeichnen: Nachdem die Briten den ersten Schock über das Brexit-Votum überwunden hatten, stieg auch die Kauflaune der Verbraucher, wie auch der steigende Consumer-Confidence-Index der GfK widerspiegelt. 

Insgesamt konnten die Retail-Umsätze in Großbritannien von Juni auf Juli ein Rekordwachstum von 1,4 Prozent verzeichnen und dieses Level auch im August halten. Zahlreiche Institute korrigierten ihre Wachstumsprognosen für die kommenden Jahre wieder nach oben: So erwartet beispielsweise der IWF für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent.

Dabei gibt es jedoch deutliche Branchenunterschiede: Das Abkühlen des Häuser- und Wohnungsmarktes wirkt sich beispielsweise negativ auf die Möbel- und Einrichtungsbranche aus. Die Verkäufe von Luxusgütern und Uhren stiegen im Juli hingegen um 16,6 Prozent, da ausländische Touristen die in Folge des schwachen Pfunds niedrigen Preise ausnutzen. Naturgemäß robust reagierten auch Produkte des täglichen Bedarfs auf den Brexit.

Wechselkursentwicklung kurz- und mittelfristig mit großen Konsequenzen

Besondere Bedeutung für die Branche hat sowohl kurz- als auch mittelfristig die Entwicklung des britischen Pfunds. Zunächst führt der Wertverlust des Pfunds zu steigenden Importpreisen und damit zu einem Anstieg der Inflationsrate. Sollte der Preisanstieg nicht gleichzeitig durch steigende Einkommen ausgeglichen werden, verlieren Britische Konsumenten an Kaufkraft.

Für ausländische Unternehmen, z.B. deutsche Konsumgüterhersteller, hat der Fall des Pfundes einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit zur Folge, da sich ihre Waren zunächst verteuern. Britische Konsumenten werden daher, wenn möglich, auf günstigere, einheimische Waren umschwenken, sollten die ausländischen Anbieter nicht mit Preisnachlässen reagieren. Da der britische Konsumgütermarkt stark umkämpft ist, sind solche Preissenkungen voraussichtlich das wichtigste Mittel, um Marktanteile zu sichern – auch wenn dieser Schritt sinkende Margen mit sich trägt. Wettbewerbsvorteile könnten hier für in niedrigen Preissegmenten aktive Unternehmen entstehen, etwa für deutsche Lebensmitteldiscounter.

Doch Branchen, deren Wertschöpfungskette einen hohen Internationalisierungsgrad aufweist, müssen mit steigenden Kosten für Waren aus dem Ausland rechnen. Das gilt zum Beispiel für die Textilindustrie. Auch hier werden britische Unternehmen voraussichtlich nur einen Teil der wachsenden Kosten an die Verbraucher weiterreichen können und müssen somit ebenfalls mit sinkenden Margen rechnen.

Internationale Wertschöpfungsketten langfristig auf dem Prüfstand

Da die Verhandlungen über den EU-Austritt nach wie vor nicht begonnen haben, bleibt weiterhin unklar, wie sich die Situation langfristig entwickeln wird. Fest steht aber, dass die Konsumgüterbranche unmittelbar betroffen sein wird, da ihre Wertschöpfung ein hohes Maß an Internationalität aufweist und enge Handelsbeziehungen zwischen britischen und europäischen Unternehmen bestehen.

Handelseinschränkungen sowohl durch tarifäre als auch nicht-tarifäre Hemmnisse werden die Branche vor Herausforderungen stellen. Dabei wird es aber auch Unterschiede nach Warengruppen geben, sodass nicht alle Unternehmen im selben Maß betroffen sein werden. Insbesondere gilt das bei Zöllen, die international zum Beispiel auf Textilien sowie Lebens- und Genussmittel hoch sind, für Elektroartikel aber deutlich geringer ausfallen. Gleiches gilt für die Prozesse bei Produktzulassungen: Auch hier gibt es branchenspezifische Unterschiede bei den Richtlinien. Auch etwaige Veränderungen in steuerlichen Fragen sind noch ungeklärt.

Global Mobility vor neuen Herausforderungen

Wichtig für britische Unternehmen und die Töchter ausländischer Firmen wird außerdem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Eine starke Einschränkung der Migration nach Großbritannien in könnte zu einem Arbeitskräfte- bzw. Fachkräftemangel führen.

Die Unsicherheit über die genaue Entwicklung bleibt zunächst das größte Problem – so schwankt etwa der Pfund seit der Abstimmung stark. Dies führt zu Planungsunsicherheit und volatilen Geschäftsverläufen.Die Unternehmen der Konsumgüterbranche müssen sich daher auf Unwägbarkeiten und Eventualitäten einstellen. Dafür benötigen sie eine agile, nachfragegesteuerte Wertschöpfungskette, die flexibel reagieren kann.  Nur so ist auch im Falle eines harten Brexits eine Reaktion möglich, die die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU möglichst gering hält.

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