SEPA Instant Payments – Gelingt die (R)Evolution im Zahlungsverkehr?

SEPA Instant Payments –(R)Evolution im Zahlungsverkehr?

Instant Payments, zu Deutsch Echtzeitzahlungen, sind Zahlungen die innerhalb weniger Sekunden auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben werden.

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Was sind Instant Payments?

Instant Payments, zu Deutsch Echtzeitzahlungen, sind Zahlungen, die – im Gegensatz zu einer klassischen Überweisung – bereits innerhalb weniger Sekunden ausgeführt und auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben werden. Jederzeit ­ 24/7 an 365 Tagen im Jahr, nachts, an Feiertagen und am Wochenende innerhalb von nur wenigen Sekunden.

Auch die EZB bzw. das Euro Retail Payments Board (ERPB), als Nachfolger des SEPA Councils, hat erkannt, dass im Zeitalter der Digitalisierung das Clearing und Settlement zeitnah erfolgen sollte. Im November dieses Jahres wird durch das European Payment Council (EPC) ein Standard-Schema für SEPA Instant Payments veröffentlicht, welches im November 2017 live gehen soll. In zwei bis drei Jahren könnten Echtzeitzahlungen im SEPA-Raum also keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Normalität sein.

Zusammengefasst sind die folgenden Eigenschaften Kernbestandteil der SEPA Instant Payment-Lösung:

  • 24/7-Betrieb an 365 Tagen im Jahr
  • Real-time bzw. fast real-time Clearing der Zahlungen, inklusive der Bestätigung der Zahlung an den Zahlungsempfänger (innerhalb von 10 Sekunden)
  • Ausführung von Beträgen bis zu 15.000 EUR (höhere Beträge können zwischen den Payment Service Providern (PSP’s) vereinbart werden)
  • Unwiderruflichkeit der Zahlung, das heißt die Sender-Bank muss ein Settlement gemäß des Schemas garantieren
  • SEPA Instant Payments ist ein optionales Schema, das heißt PSP’s wird es freigestellt das Schema ihren Kunden anzubieten (im Gegensatz zu SEPA Credit Transfer und SEPA Direct Debit)
  • Multikanalfähigkeit (Nutzung für Person-to-Person Payments, Point of Sale und Online)

 

Evolution oder Revolution?

Real-time Zahlungen sind für Verbraucher auch in Deutschland nicht neu. PayPal und Co. offerieren, ähnlich wie Bitcoin Service-Anbieter, ein ähnliches Wertversprechen wie Instant Payments – so zum Beispiel die sofortige Benachrichtigung nach Zahlungseingang innerhalb weniger Sekunden nach Zahlungsausführung, Unwiderruflichkeit der Zahlung, Wahrung der Privatsphäre.

Laut einer globalen Umfrage des Markforschungsunternehmens Aite-Group unter Bankenvertretern erwarten 95% aller Befragten, dass Instant Payments Banken helfen können, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies betrifft laut der Aite-Umfrage insbesondere den Bereich der Peer-to-Peer-Zahlungen und den Bereich C2B-Zahlungen (Online- und Mobile Payments), also genau die Bereiche, in denen PayPal und weitere FinTechs momentan die innovativsten Lösungen bereitstellen und Banken ernsthaft bedrohen.

Das SEPA Instant Payment-Schema ist jedoch nicht nur aufgrund der Angebote von FinTechs keine Revolution, sondern eher eine Evolution. Ein Real-time Payment System gibt es zum Beispiel in der Schweiz bereits seit 1987 (Swiss Interbank Clearing), welches die Zahlung in Echtzeit ermöglicht. Auch andere Länder bieten bereits seit mehreren Jahren ähnliche nationale Lösungen an. Im SEPA-Raum sind dies unter anderem Länder wie Dänemark, Finnland, Norwegen, Polen oder die Niederlande.

Diese Beispiele zeigen, dass eine europäische Lösung dringend notwendig ist, um die bisherigen Errungenschaften eines einheitlichen Zahlungsverkehrs im SEPA-Raum nicht nach kürzester Zeit wieder zunichte zu machen. EZB, ERPB und EPC sind entsprechend gezwungen zu handeln.

Laut einer Studie der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit ING DiBa und Van den Berg Payment Services genügt 71% von 184 befragten Organisationen jedoch die Geschwindigkeit jetziger Standard-Verfahren wie beispielsweise SEPA-Überweisungen, Lastschriften oder Kartenzahlungen. Wenn eine Zahlung sofort durchgeführt werden muss, stehen Unternehmen und Verbrauchern gängige Verfahren wie PayPal zur Verfügung.

SEPA Instant Payments haben nur dann die Chance den Zahlungsverkehr nachhaltig zu verändern, wenn sie neben der Schnelligkeit der Ausführung weiteren Mehrwert für Endverbraucher und Unternehmen generieren. Hierfür sind insbesondere Banken in der Rolle der PSP’s gefordert einen Mehrwert bereitzustellen. 

Banken sind gefordert, einen Mehrwert zu schaffen

Wie kann es dem neuen Schema gelingen, sich gegen andere Zahlungsverfahren am Point of Sale (PoS) durchsetzen und von Verbrauchern bevorzugt werden? Hierzu müssen die Gründe zur Nutzung der bisherigen Zahlungsverfahren genau analysiert werden. Bargeld ist insbesondere im stationären Handel immer noch das meistgenutzte Zahlungsverfahren in Deutschland.

Die Ausführung von SEPA Instant Payments sollte deshalb genauso einfach werden wie die Zahlung mit Bargeld. Hierzu gehört unter anderem, dass Rechnungsdaten –  wie der Betrag und die Identifikation des Empfängers – direkt vom Zahlungsempfänger an den Zahlenden übertragen werden sollten. Dies ist jedoch genau wie weitere Zusatzservices momentan nicht Teil des SEPA Instant Payments-Schemas.

Es besteht also die Gefahr, dass es hier vielfältige unterschiedliche Lösungen geben wird, wobei langfristig eine Art Monopolstellung eines einzelnen Anbieters zu erwarten ist. Hierauf weist auch der Bitkom-Verband hin und fordert, dass das Instant Payment-Schema auch Standards für diese Schnittstelle definieren sollte.

Zu diskutieren ist auch, ob eine Instant Payment-Lösung ohne die Angabe einer Kontonummer möglich sein sollte. Laut EU-Kommission hatten in 2014 insgesamt 58 Millionen EU-Bürger keinen Zugriff auf ein eigenes Konto. Abhilfe schafft hier sicherlich die Payment Accounts Directive (PAD), welche Banken verpflichtet, Verbrauchern ein Basiskonto innerhalb der EU anzubieten. Nichtdestotrotz scheint es durchaus sinnvoll Alternativen zur Kontonummer zu ermöglichen, um ähnlich wie beim Bargeld die Anonymität des Zahlenden zu gewährleisten.

Auch die Incentivierung mittels Coupons oder die Möglichkeit zur Teilnahme an Kundenbindungsprogrammen, analog zu den bisherigen Mobile Payment-Lösungen, sollte von den PSP's für SEPA Instant Payments evaluiert werden. Außerdem würde es den Händlern ermöglichen, auf eine vergleichbare Art an die begehrten PoS-Daten des Verbrauchers zu gelangen.

Dies ist jedoch sicher nicht der einzige Vorteil, den Unternehmen mit dem neuen SEPA-Schema realisieren können. Instant Payments sind per Definition unwiderruflich, was gerade im Zeitalter der Digitalisierung in vielen Fällen bei C2B-Zahlungen von Unternehmen erwünscht ist. Davon unberührt sollte natürlich das Recht der Händler bleiben, freiwillig Rückerstattungen einräumen zu können.

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen kann durch ein real-time Reporting der PSP’s über die Zahlungen erzielt werden. Unternehmen könnten dann zu jeder Zeit den Kontostand nachvollziehen, was Planungsvorteile für die Tagesdisposition bietet. Die automatisierte Übertragung der Rechnungsdaten durch den Zahlungsempfänger an den Verbraucher kann darüber hinaus den Automatisierungsgrad bei der Buchung und Abstimmung von Kontoauszügen erheblich steigern.

Sicherlich gibt es hier auch Möglichkeiten für die PSP’s sich gegenüber den bisherig etablierten Anbietern wie PayPal zu positionieren, um einen Mehrwert zu generieren. Finanz-und Treasury-Abteilungen beklagen häufiger, dass neuartige Zahlverfahren wie PayPal und Co. nicht in die bestehende IT- und Prozesslandschaft passen. PSP’s sind bereits seit Jahren in die IT-und Prozesslandschaft integriert und verfügen über das notwendige Know-How um die Bankenintegration weiter zu verbessern. 

Der Startschuss fällt November 2017

Auch wenn SEPA Instant Payments selbst nicht revolutionär sind, besteht für Banken das Potenzial ihre verlorene Wettbewerbsfähigkeit gegenüber PayPal und Co. zurückzugewinnen, wenn es ihnen gelingt, rund um das SEPA Instant Payment-Schema Mehrwert für Verbraucher und Unternehmen zu schaffen. Vor den Banken liegt jedoch einige Arbeit, um hierfür die Akzeptanz am Markt zu erreichen. Nicht zuletzt müssen Risiken von Echtzeitzahlungen mitigiert werden, die durch die sofortige und unwiderrufliche Ausführung entstehen. Weitere Investitionen in Anti Fraud und Risk Management-Systeme auf Banken- und Unternehmensseite sind notwendig, unter anderem zur Stärkung der bisherigen Authentifizierungsverfahren. 

Viel Zeit bis zum Startschuss des Echtzeitzahlungsschemas im November 2017 haben die Banken nicht. 

Autor: Thomas Mehlkopf, Manager, Finance Advisory, tmehlkopf@kpmg.com
Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 59, September 2016

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