Die Schuldfrage – Fake President und die Folgen

Die Schuldfrage – Fake President und die Folgen

Wer einmal vor Opfern eines Fake-President-Betrugs gestanden hat, sieht, welche persönlichen Folgen diese Betrugsmasche haben kann.

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Am Ende trifft es die häufig den Schwächsten – den Sachbearbeiter der die Zahlung fälschlicherweise freigegeben hat. Wer einmal vor Mitarbeitern eines Unternehmens gestanden hat, das Opfer eines Fake-President-Betrugs geworden ist, sieht, welche persönlichen Folgen diese Betrugsmasche haben kann. Dabei sind Angst und Verunsicherung in den Gesichtern nur die zwei sichtbaren Teile der Realität, denn der unsichtbare ist schon nicht mehr dabei. Gekündigt. Fristlos. Die persönliche Existenz in Gefahr.

Warum? Ja, warum eigentlich? Weil er Zahlungen freigegeben hat wie immer? Weil es schnell gehen musste wie immer? Weil er die Vertretung für den abwesenden Kollegen übernommen hat? Weil der dezentrale Zahlungsverkehr mit individuellen Electronic Banking Systemen systemimmanente Risiken beinhaltet? Weil bereits die vorgelagerten Prozesse nicht über die technisch und prozessual möglichen Sicherheitselemente verfügen? Weil Vorgesetzte bis hin zum Aufsichtsrat das Problem seit langem ignorieren und sich wider besseres Wissen mit Antworten „das kann bei uns nicht passieren“ abspeisen lassen?

Unternehmen haben eine Verantwortung, CFOs haben eine Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber: Sie nicht der Gefahr einer Situation auszusetzen, wo sie im guten Glauben einen fatalen Fehler begehen.

Wer jedoch die Risiken im Zahlungsverkehr ignoriert, wer Investitionen blockiert, welche die Risiken zwar nicht vollständig vermeiden, so jedoch signifikant reduzieren können, der handelt fahrlässig. Ob grob fahrlässig, das müssen Juristen beurteilen.

Das Finance Magazin hat das Thema kürzlich aufgegriffen und die versicherungstechnischen Konsequenzen im Bereich der Vertrauensschadenversicherung und der D&O-Versicherungen beleuchtet. Gerade bei der D&O-Versicherung sollten CFOs hellhörig werden, denn auch wenn es in der Regel schwieriger ist, dem Vorstand eine Pflichtverletzung nachzuweisen, so ist sie meiner persönlichen Meinung nach gegeben, denn die Risiken im Zahlungsverkehr sind allgemein bekannt und sie sind nicht auf Fake President beschränkt.

Allgemein bekannt sind auch die better practice-Lösungen, welche gleichzeitig andere Risikobereiche wie Korruption, Geldwäsche, Embargo- & Anti-Terror-Listen adressieren. Ihr Kernelement ist die zentrale Zahlungsverkehrsplattform, denn nur sie ermöglicht die notwendigen ex ante- und ex post-Kontrollen oder erweiterte forensische Methoden.

Wer hier untätig bleibt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen – auch nicht mit einer Versicherung.

Ein verstohlener Blick über den grossen Teich zur List of Shame der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) zum Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) zeigt, was zum Beispiel an Strafen fällig wurde und wofür. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil des Strafmaßes auch dadurch bestimmt wird, inwieweit das Unternehmen die heute möglichen technischen Maßnahmen ergriffen hat, um solche Fälle zu verhindern bzw. frühzeitig selbst zu entdecken. Im Internet finden sich noch eine Reihe ähnlicher Listen anderer US-Behörden.

Das Thema Sicherheit im Zahlungsverkehr hat jedoch auch eine andere Seite, eine die den Unternehmen viel mehr Freude bereiten dürfte: Die des positiven Business Cases! Die Zentralisierung und Automatisierung des internen und externen Zahlungsverkehrs einschließlich der damit verbundenen Anpassungen vor- und nachgelagerter Prozesse ist eine Investition, die sich in den meisten Unternehmen in kurzer Zeit (in der Regel 6-18 Monate) amortisiert.

Nach all den Risiken und möglichen negativen Konsequenzen ist dies doch ein versöhnlicher Abschluss, nicht wahr? 

Autor: Carsten Jäkel, Partner, Finance Advisory, cjaekel@kpmg.com
Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 59, September 2016 

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