Auswirkungen des Brexits auf den Transport- & Logistiksektor

Brexit-Folgen für den Transport- & Logistiksektor

Noch gilt Großbritannien als internationaler Hub für Schiffsfinanzierung und eines der wichtigsten Luftdrehkreuze. Das könnte sich ändern.

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Brexitfolgen für den Transport- und Logistiksektor

Der angekündigte Austritt Großbritanniens aus der EU sorgte nicht nur innerhalb der EU, sondern weltweit für Furore. Sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Großkonzerne in nahezu allen Branchen sind von den wirtschaftlichen Konsequenzen des Votums betroffen – hierzu zählen insbesondere auch Unternehmen aus dem Transport- und Logistiksektor. Im kurz- und mittelfristigen Horizont wirken sich hauptsächlich ökonomische Unsicherheiten auf die Branche aus, während langfristig vor allem regulatorische Themen von Relevanz sein werden.

In erster Linie werden sich die Konsequenzen des Brexits auf den Transportsektor durch die abnehmenden wirtschaftlichen Aktivitäten zwischen Großbritannien und der EU bemerkbar machen. Regulatorische Hürden hinsichtlich der Marktzugänge sowie mögliche Tarife und Zölle schränken den Handel ein. Der prognostizierte Konjunkturabschwung einhergehend mit der Volatilität der Finanzmärkte und der daraus resultierenden Unsicherheiten wird zu rückläufigen Handelsvolumina und Passagierzahlen führen, von denen die Transportunternehmen abhängig sind.

Kurz- und mittelfristig

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits auf den europäischen Transportsektor werden voraussichtlich kurzfristig zu einem Rückgang der Transportvolumina von Passagieren und Fracht führen. Im mittelfristigen Horizont ist hingegen mit einem bedeutenden Einbruch der Passagierzierzahlen und Frachtvolumen zu rechnen, denn mit Rückgang des Handels zwischen der EU und Großbritannien senkt sich neben den rückläufigen Warensendungen auch in erheblichen Maße die Zahl der Geschäftsreisenden.

Diese Entwicklungen sind den vielfältigen makroökonomischen Entwicklungen geschuldet: Die fallenden Wechselkurse und die damit verbundene signifikante Abwertung des britischen Pfund gegenüber dem Euro, der wiederum gegenüber dem Dollar unter Druck geraten ist, verschlechtern die Lage für europäische Exporteure nach Großbritannien. Auch die steigenden Inflationsraten und die bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich des noch auszuhandelnden Austrittszenarios Großbritanniens führen zu einem eher verhaltenen Wachstum der Bruttoinlandsprodukte nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den übrigen EU-Staaten.

Hiervon sind besonders die europäische Luft- und Schifffahrtsbranche sowie die Logistiker und Speditionen betroffen. Die Abwertung des britischen Pfund mindert die Prognosen für den Ausreiseverkehr im britischen Tourismussektor und führt zudem zu höheren Flugpreisen für britische Passagiere, was auf steigende Kerosinpreise, die hohe Inflation sowie Kapazitätsrestriktionen zurückzuführen ist. Es ist kurz-und mittelfristig somit ein Rückgang von Geschäfts- und Privatkunden im Reiseverkehr zu erwarten, was sich wiederum negativ auf Fluggesellschaften sowie auf Reiseziele innerhalb Europas auswirkt. So senkte der Airlines-Verband IATA seine ursprünglichen Prognosen für den britischen Passagierluftverkehr bis 2020 um drei bis fünf Prozent, was dem zu erwartenden starken Rückgang des britischen Ausreiseverkehrs geschuldet ist.

Langfristig

Die langfristigen Folgen des Brexits lassen sich angesichts der global vernetzten Wirtschaft derzeit noch nicht exakt abschätzen. Sie werden jedoch noch gravierender sein als die kurz- und mittelfristigen Folgen, da in zeitintensiven Verhandlungen zahlreiche regulatorische Angelegenheiten neu gestaltet werden müssen. Die bestehenden Unsicherheiten haben zudem einen negativen Einfluss auf den Handel zwischen der EU und Großbritannien sowie auf den europäischen Arbeits- und Finanzmarkt. Alle Subsektoren der Transportbranche sind dadurch erheblich von den langfristigen Konsequenzen des Brexits betroffen, insbesondere wird dies jedoch im europäischen Luftverkehr zu spüren sein.

Da nun kein einheitlicher Markt mehr besteht, müssen regulatorische Aspekte wie beispielsweise Sicherheitsbestimmungen, Passagierrechte, Marktzugänge sowie Start- und Landerechte neu verhandelt werden. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für Großbritannien nicht mehr gelten und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssen. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der Open-Skies-Vertrag mit den USA.

Aber unabhängig davon, ob Transporte via Luft, See, Schiene oder Straße abgewickelt werden: Speditionen mit Sitz in der EU profitieren von einem uneingeschränkten EU-Binnenmarkt, der auf den vier Grundfreiheiten basiert – dem freien Verkehr von Personen, Waren, Kapital und Dienstleistungen. Sollte der freie Warenverkehr mit Unternehmen in Großbritannien wegfallen, müssen internationale Speditionen mit höheren Kosten rechnen. Die Wiedereinführung von Zöllen geht sowohl mit direkten Kostensteigerungen im Bereich Logistik einher, als auch mit indirekten Kostensteigerungen wie beispielsweise langen Wartezeiten bei der Zollabfertigung und administrativen Zusatzaufgaben. Aber auch unterschiedliche Normen und Standards, technische Handelseinschränkungen sowie ein Auseinanderdriften im Umwelt- und Verbraucherschutz könnten sich als Herausforderungen für internationale Speditionen herausstellen.

In der Schifffahrt werden sich neben den sinkenden Handelsvolumina auch langfristig negative Auswirkungen durch den Brexit bemerkbar machen. So geriet London als internationaler Hub für Schiffsfinanzierung sowie das Brokerage- und Versicherungsgeschäft durch die Unsicherheiten der Brexits und regulatorische Risiken zunehmend unter Druck. Es bleibt zudem abzuwarten, ob es für ausländische Schiffsbesitzer zukünftig möglich sein wird, Schiffe im britischen Schiffsregister zu registrieren und ob britische Reedereien mit dem europäischen Seerecht konform sein werden, insbesondere im Hinblick auf Sicherheit und Umweltschutz.

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