Business Intelligence-basiertes Treasury Reporting für eine effiziente Risikosteuerung

Business Intelligence-basiertes Treasury Reporting

Black Box Treasury – dies ist in vielen Fällen immer noch eine zutreffende Beschreibung.

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Auch wenn die Bedeutung des Treasury und damit die Wahrnehmung in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, so hinkt das Berichtswesen, welches das Treasury erzeugt, dieser Bedeutung häufig hinterher: Zu geringe Aussagekraft, unvollständige Darstellung des Wertbeitrags, schwere Lesbarkeit, keine dynamischen Berichte.

Wer sein Treasury Reporting optimieren möchte, darf sich demnach Diskussionen über Inhalte, grafische Aufbereitung und persönlicher Vorlieben einzelner Adressaten nicht entziehen.

Lokales Excel-Reporting versus TMS-Erweiterung

Gängige Treasury-Management-Systeme verfügen über ein weitreichendes Standard-Reporting. Zwar ist das System in seiner Konfiguration so ausgereizt, dass seine Möglichkeiten beim Reporting ausgeschöpft werden, dennoch reicht dies insbesondere hinsichtlich der Darstellung, der Analysefunktionalitäten und auch der Datenintegration den Anwendern nicht mehr aus, da Merkmale und Dimensionen auf dem transaktionalen System nicht ohne Weiteres hinzugefügt werden können. Umfangreiche Anpassungen des Standard-Reportings gehen einher mit entsprechend höheren Aufwänden, da das zugrundeliegende Datenmodell im Transaktionalen System, also dem Treasury-Management-System, nicht flexibel anpassbar ist  – hier stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage zum ersten Mal sehr deutlich.

Zwar steht mit den modernen Office-Produkten an vielen Stellen ein zufriedenstellendes Ergebnis zur Verfügung, weil ohne IT-Knowhow Inhalte flexibel Management-tauglich dargestellt werden können. Dies geht jedoch meist mit hohen operativen Aufwänden im Zuge der Berichtserstellung einher, da Kennzahlen regelmäßig lokal und individuell errechnet, aggregiert, dargestellt und wiederum den Berichtsempfängern i.d.R. manuell per E-Mail bereitgestellt werden müssen. Weiterhin wächst die Gefahr, dass die Freiheits-grade auf dieser Plattform ausgenutzt werden, sodass Treasury-Kennzahlen, deren Berechnungen und Datenquellen nicht standardisiert sind, im schlimmsten Falle in einer Konzeptlosigkeit und Verwässerung des Treasury Reporting münden.

Die Möglichkeiten einer Business Intelligence-basierten Lösung

Die Synthese der Konzepte, einerseits das TMS-System für das Reporting zu erweitern oder in Office-Produkte auszulagern, findet sich in einem Business Intelligence-basierten Treasury Reporting (BI Reporting). Welche Vorteile bringt dieser Lösungsweg mit sich?

Der Ansatz bietet die Möglichkeit, verschiedene Datenquellen in einem vollständig konzipierten und somit robusten Datenmodell zu vereinen. Sollten beispielsweise Marktdaten noch nicht im Treasury-Management-System integriert sein, so kann dies in der BI-Lösung erfolgen. Auch verschiedene Berichtsanlässe lassen sich so in einem Dashboard vereinen und können so den Zugriff auf unterschiedliche Kennzahlen herstellen.

So kann beispielsweise veranschaulicht werden, wie sich eine Investition im Ausland mit einer einhergehenden Finanzierung in einer bestimmten Währung in einem bestimmten Zeitraum auf die Risikoposition und die Kapitalstruktur auswirkt. Sensibiliäts- und Szenarioanalysen können dann beispielsweise auch wiederum in einer Plan Cash Flow-Rechnung Einkehr finden und so das Reporting Package in einer integrierten Datenbasis abrunden.

Gerade die jüngsten Entwicklungen im BI-Markt könnten die Verbreitung von modernen Reporting- und Analyse-Tools beschleunigen. So geht der Trend weg von IT-getriebenen Reporting-Plattformen hin zu Business-User getriebenen, sog. Self-Service Analytics Tools. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich gemäß der Gartner-Studie (ref. Magic Quadrant for Business Intelligence and Analytics Platforms, 2016) Tools von QlikView, Tableau und Microsoft, welche in diesem Segment etablierten Anbietern wie SAP oder IBM den Rang ablaufen.

Dabei können sowohl mehrere Datenquellen angebunden werden (ERP- und TMS-Daten oder aber auch bspw. Marktdaten), als auch durch Office-Integration oder intuitive Führung flexible Analysen erfolgen. Bei diesen modernen Tools ist nur noch in absoluten Ausnahmefällen Programmiersprache erforderlich, sodass die Treasury-Abteilung eigene Analysen und Dash-boards generieren kann.

Die Organisation als Treiber für die richtige Reporting-Lösung

Das Treasury wird zukünftig Front Office-getrieben sein. Im Front Office wird durch die Marktnähe die Strategie entwickelt, welche die Risikoneigung optimal umsetzt. Gleichzeitig wird die Umsetzung deutlich dynamischer werden, da statische Sicherungsstrategien nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Systeme, mit denen sich Effekte der Korrelation zwischen Währungen berücksichtigen lassen und der Cash Flow at Risk kontinuierlich berechnet wird, gibt es bereits heute. Neu hinzugekommen sind Möglichkeiten, in Echtzeit komplexe Szenarien mit unterschiedlichen Abhängigkeiten zu betrachten und zwar über die verschiedenen Risikoarten hinweg.

Dies bedarf aber eines Middle Offices welches die no touch rate insbesondere im komplexen Risikoberichtswesen signifikant erhöht. No touch rate bedeutet, dass das Berichtswesen vollautomatisch erfolgt. Der Wertbeitrag des Middle Offices liegt dann im Schaffen der richtigen Berichte für den richtigen Zweck.

Welche Tools für welche Berichtsart am besten geeignet sind, stellt sich bei der Konzeption und Ausrichtung des Treasury-Reportings heraus. Hierbei gibt es unterschiedliche Philosophien: das Standard-Reporting, das Ad-hoc-Reporting und das Dashboard-Reporting. Beim Treasury kommen wegen der strengen Definition von Kennzahlen erfahrungsgemäß das statische Standard-Reporting und das Ad-hoc-Reporting in der operativen Tätigkeit zum Einsatz, während Dashboard-Reporting mehr bei vordefinierten Analysenpfaden und Management-Reportings verwendet wird. Zu den statischen Berichten gehört beispielsweise ein Tagesfinanzstatus oder Finanzierungsbericht, da diese regelmäßig nach einer festgegebenen Struktur erstellt und im Zeitverlauf miteinander verglichen werden.

Das Ad-hoc-Reporting befasst sich eher mit dynamischen Datenanalysen und deren Visualisierung. So erlaubt die BI-Technologie sogar Risiko-Kennzahlen dynamisch (run-time) zu berechnen und für selektierte Zeiträume oder Risiko-Portfolios darzustellen. Diese weiterentwickelte Art der Risikoanalyse unterstützt den Fachbereich bei der Ableitung von spezifischen Gegenmaßnahmen und einer schnellen Reaktionsfähigkeit auf Finanzrisiken, wie zum Beispiel der Kontrahierung eines FX-Derivats zur Risikominimierung.

Grundsätze beim Design beachten

Bei der Gestaltung von Berichten und Dashboards im Treasury folgt KPMG im Rahmen von Konzeptions- und Umsetzungsprojekten den Grundsätzen der intuitiven Navigation und Einfachheit. Die Prinzipien nach Hichert SUCCESS® werden mit dem jeweiligen Corporate Design vereint, um entscheidungsrelevante Informationen nach dem Motto „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ adressatenspezifisch zu transportieren, wie auch folgendes Arbeitsbeispiel verdeutlichen soll:

Bei der Entscheidung für die Darstellungsform wird darauf abgezielt, dem Adressaten im Rahmen der definierten Freiheitsgrade möglichst viel Freiraum zu geben, um Analysen durchzuführen, aber gleichzeitig eine individualisierte Berichtserstellung für Dritte zu vermeiden und damit den Berichtsprozess zu vereinfachen. 

Bei der Ausrichtung des Treasury-Reportings geht es also im Kern darum, für den jeweiligen Berichtsanlass aussagekräftige Kennzahlen mittels vollautomatisierter Datenintegration und deren Transformation in einem benutzerfreundlichen Front-End bereitzustellen, um innerhalb kürzester Zeit entscheiden zu können, ob und welche Maßnahmen durch das Treasury ergriffen werden müssen.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 58, August 2016

Autor: Börries Többens, Senior Manager, Finance, Advisory, btoebbens@kpmg.com

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