Als Arbeiter Großbritannien verlassen

Großbritannien verlassen

Wenn das Vereinigte Königreich aus der EU austritt, werden viele Deutsche vermutliche ihren Einsatz in dem Land beenden. Was sie dabei beachten sollten.

Partner, Global Mobility Services, Tax

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

Großbritannien verlassen

Die Bevölkerung des Vereinigten Königreiches hat sich für einen Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen. Ein wesentlicher Treiber war dabei der Wunsch, die Arbeitnehmerfreizügigkeit einzuschränken. Auch wenn noch unklar ist, wie genau die Beziehungen zwischen EU und UK aussehen werden, ist klar, dass es für ausländische Mitarbeiter rechtlich schwieriger wird, auf der Insel zu arbeiten. Zudem werden einige Unternehmen ihren britischen Sitz aufgeben oder zumindest die Zahl der Angestellten dort reduzieren.

Damit der Weggang aus dem Vereinigten Königreich nicht zu steuerrechtlichen Überraschungen führt, sollte eine genaue Planung und Prüfung stattfinden. Drei Themen sind dabei von besonderer Relevanz.

1. Veräußerung von in Großbritannien gelegenen Immobilien

Findet ein Umzug nach Deutschland statt, stellt sich die Frage, was mit in Großbritannien gelegenem Immobilieneigentum geschieht. Im Falle einer Veräußerung sollte bedacht werden, dass ein Umzug regelmäßig zu einer unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland führen wird. Diese umfasst auch sonstige Einkünfte, wozu auch solche aus der Veräußerung von Immobilien in Großbritannien gehören.

Die Steuerpflicht beim Immobilienverkauf entfällt aber unter gewissen Umständen. Dies gilt, wenn:

  • der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung mindestens zehn Jahre beträgt
  • die Immobilie zwischen Anschaffung / Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde
  • oder die Immobilie im Jahr der Veräußerung und den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde.

Im Falle der Steuerpflicht ist zu prüfen, ob Deutschland am Ende auch das Besteuerungsrecht für die Einkünfte hat. Dies ist im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Großbritannien (DBA UK) geregelt. Gemäß dem DBA UK hat Großbritannien das Recht, Veräußerungsgewinne aus in Großbritannien gelegenen Immobilien zu besteuern.

Das Risiko der Doppelbesteuerung kann vermieden werden durch den rechtzeitigen Abschluss der obligatorischen Verträge und Vereinnahmung des Kaufpreises vor dem Zuzug. Auch die Nutzung bis zum Verkauf sowie der Verkaufszeitpunkt sollten genau durchdacht werden.

2. Abfindungen

Wenn die Tätigkeit in Großbritannien endet, werden unter Umständen Abfindungen gezahlt. Erfolgt die Zahlung der Abfindung nach dem Umzug nach Deutschland, ist sie im Rahmen der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland zu beurteilen. Auch hier stellt sich die Frage, ob Deutschland im Verhältnis zu Großbritannien besteuern darf. Nach deutschem Einkommensteuerrecht gehören Abfindungen zu den Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit. Diese sind steuerpflichtig.

Die Besteuerung von Abfindungen haben Deutschland und Großbritannien in Ergänzung des DBA UK in einer Konsultationsvereinbarung geregelt. Gemäß der Vereinbarung hat der frühere Tätigkeitstaat das Besteuerungsrecht für Abfindungen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn diese nicht Versorgungscharakter haben, was üblicherweise bei einem Umzug von Großbritannien nach Deutschland der Fall ist.

Jedoch hat der Bundesfinanzhof festgestellt, dass die Konsultationsvereinbarung im Widerspruch zum Doppelbesteuerungsabkommen steht. Es besteht daher die Gefahr, dass Großbritannien die Konsultationsvereinbarung anwendet und die Abfindung besteuert. Sollten die deutschen Behörden die Vereinbarung nicht anwenden, kommt es zur Doppelbesteuerung.

Auch im Falle der Steuerfreiheit in Deutschland wirken sich Abfindungen steuerlich aus. Der deutsche Progressionsvorbehalt lässt den Steuersatz auf andere Einkünfte in die Höhe schnellen. Vermieden werden kann dieses Risiko, in dem die Abfindung vor dem Jahr des Umzuges gezahlt wird.

3. Nachlaufende Zahlungen

Auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses in Großbritannien kann es noch zu Zahlungen in Zusammenhang mit dem früheren Arbeitsverhältnis kommen. Häufig werden zum Beispiel Überstunden, Pensionsansprüche und Urlaubskontingente abgegolten. Gegebenenfalls werden auch noch (anteilige) Boni gezahlt oder es fließen Einnahmen aus Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen zu.

Erfolgt der Umzug nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, ist der Steuerpflichtige zum Zeitpunkt des Zuflusses in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Damit unterliegen die Einkünfte der Besteuerung in Deutschland. Die Freistellung von der deutschen Besteuerung wird gewährt, wenn das DBA UK das Besteuerungsrecht zuweist. Dies wird bei nachlaufenden Zahlungen regelmäßig der Fall sein. Allerdings muss jedoch auch eine tatsächliche Besteuerung in Großbritannien erfolgen. Erfolgt diese nicht, besteht das Risiko einer Besteuerung in Deutschland.

Der deutsche Progressionsvorbehalt im Falle der Freistellung ist auch hier zu beachten.

Wiederum kann ein entsprechendes Risiko vermieden werden, wenn ein Zufluss vor dem Jahr des Umzuges erfolgt.

Fazit

Das richtige Timing spart viel Geld. Der Zeitpunkt des Umzugs nach Deutschland sollte genau geplant werden. Fließen Einkünfte erst nach dem Umzug zu, drohen finanzielle Nachteile. So werden gegebenenfalls Einkünfte in Deutschland besteuert, für die nach britischem Recht keine Besteuerung vorgesehen ist.

Fließen Einkünfte vor dem Umzug zu, sind sie regelmäßig nur für den deutschen Steuersatz zu berücksichtigen. Dieser Nachteil kann vermieden werden, wenn der Umzug zum Jahresbeginn erfolgt, die britischen Einkünfte aber noch im alten Jahr zufließen.

Brexit - was tun

Was der EU-Austritt ändern wird.

 
Lesen Sie mehr

Global Mobility Services

Profitieren Sie von umfassender Beratung aus einer Hand und einem weltweiten Netzwerk von Spezialisten bei KPMG Global Mobility Services.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform