Währungsschwankungen im Periodenergebnis trotz Hedge Accounting?

Währungsschwankungen trotz Hedge Accounting?

Oftmals verbleiben Währungsschwankungen im Periodenergebnis oder der Bruttomarge.

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Dieser Artikel schließt sich an den Beitrag „Das Währungsergebnis – eine große Unbekannte für viele Unternehmen“ vom Oktober 2015 an.

Viele Unternehmen sichern die Cash Flows aus dem geplanten Bezug von Waren aus Übersee gegen Währungsrisiken ab und wenden hierfür Cash Flow Hedge Accounting an. Ungeachtet dessen verbleiben oftmals Währungsschwankungen im Periodenergebnis oder der Bruttomarge. Werden die Hedges jedoch im Einklang mit der Wertschöpfungskette aufgesetzt, können solch unerwünschte Schwankungen vermieden werden. Hierbei bietet IFRS 9 einen konkreten Aufhänger, bestehende Strukturen in der Absicherung von Fremdwährungseinkäufen zu überprüfen und die Vorgehensweise zwischen Treasury, Einkauf und Accounting abzustimmen.

Währungsschwankungen im Periodenergebnis können viele Gründe haben, wie wir bereits in unserem Artikel im Oktober 2015 aufgezeigt haben. Initial ist eine Betrachtung der gesamten Prozesskette insbesondere auch der Grundgeschäfte hilfreich, um die Herkunft der unerwünschten Effekte zu ermitteln. Im Falle von Fremdwährungseinkäufen, das heißt nicht-finanzieller Grundgeschäfte, entstehen Währungsergebnisse grundsätzlich erst bei Verbrauch oder Abschreibung von zum Beispiel Vorräten oder Vorprodukten und zeigen sich somit vor allem in den Cost of Goods Sold bzw. dem Material- oder Abschreibungsaufwand. Sie beeinflussen damit direkt die Bruttomarge, die bei vielen Unternehmen eine wichtige Steuerungsgröße im Controlling darstellt.

Der gängige Absicherungsprozess von Fremdwährungskäufen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Auf Grundlage der Budget- oder Liquiditätsplanung erfolgt die Absicherung der geplanten Einkäufe in Fremdwährung, wobei die Hedging-Entscheidung des Treasury zunächst auf den Zeitpunkt des Fremdwährungscashflows abzielt. Durch die Anwendung von Cash Flow Hedge Accounting werden in der Folge die effektiven Wertänderungen der Sicherungsgeschäfte während der Laufzeit nicht im Periodenergebnis, sondern im sonstigen Ergebnis (OCI) ausgewiesen und GuV-Schwankungen vermieden. Die kumulierten Währungseffekte verbleiben dann – theoretisch – im OCI bis die Grundgeschäfte das Periodenergebnis berühren.

Aus Sicht des Treasury ist mit Fälligkeit der Derivate und Begleichung der Lieferantenzahlungen die Sicherungsbeziehung prozessual beendet. Unter der Annahme eines Gleichlaufs mit den Grundgeschäften erfolgt in vielen Unternehmen zu diesem Zeitpunkt die Vorgabe an das Accounting, das OCI in die GuV aufzulösen, was oftmals durch das Ausbuchen der Derivate auch „automatisch“ geschieht. Genau diese Vorgehensweise führt jedoch zu unerwünschten Währungseffekten, weil die Grundgeschäfte in vielen Fällen zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht die GuV berührt haben. Diesen Zeitpunkt gilt es also zu identifizieren und in den Hedging-Prozess zu integrieren.

Initial lohnt hierzu der Blick in die operative Wertschöpfungskette: Die gelieferten Vorräte oder Vorprodukte und die entsprechende Lieferantenverbindlichkeit werden zunächst zum Tageskurs eingebucht. Zwischen der Anlieferung der bestellten Waren im Lager und dem gesicherten Bezahlvorgang liegen meist nur wenige Tage bis Wochen, je nach vereinbartem Zahlungsziel. Fällt zwischen diese Zeitpunkte ein Abschlussstichtag, so hat eine Bewertung der Lieferantenverbindlichkeit zum Stichtagskurs zu erfolgen, während die nicht-finanziellen Vermögenswerte zum historischen Kurs in der Bilanz verbleiben. Je nach vereinbartem Zahlungsziel sind die Zeiträume hierbei jedoch oftmals eher kurzfristiger Natur.

Spannend wird es, wenn man nun die Lagerdauer der bezogenen Vorräte und Produkte betrachtet. Diese ist ausschlaggebend für den Zeitpunkt, an dem Währungseffekte ergebniswirksam werden, da sich diese (bei Vorräten zum Beispiel) erst bei Verbrauch über die Cost of Goods Sold bzw. den Materialaufwand materialisieren. Je nach Unternehmen und Produktart können die Vermögenswerte noch für einen längeren Zeitraum auf Lager liegen, bevor sie für die Weiterverarbeitung in einer anderen Konzerngesellschaft oder den externen Verkauf entnommen werden. Eine Lagerdauer von mehreren Monaten oder Quartalen ist nicht selten. Bei längeren Zeiträumen kommt somit auch der Abschreibung der Vermögensgegenstände eine größere Bedeutung zu, da hierbei die initialen Währungseffekte erst im Zeitablauf ergebniswirksam werden.

Möchten Unternehmen diese Erkenntnisse nun in ihre bestehenden Buchungslogiken einbinden, kommt erschwerend hinzu, dass der neue Standard IFRS 9 die zulässigen Möglichkeiten für die Umsetzung einschränkt und eine bislang in der Praxis beliebte Variante ab 2018 für unzulässig erklärt. Wo unter IAS 39 ein Wahlrecht bestand, das OCI entweder direkt in die GuV aufzulösen – was von vielen Unternehmen angewandt wird – oder aber eine Buchwertanpassung des Grundgeschäfts vorzunehmen, ist unter IFRS 9 nur noch das sogenannte Basis Adjustment zulässig. Unternehmen stehen also vor zwei Herausforderungen: zum einen ist die bisherige „vereinfachte“ Buchungslogik anzupassen und zum anderen muss Kenntnis erlangt werden, wie und wann die Grundgeschäfte ergebniswirksam werden.

Das Basis Adjustment im Vorratsposten führt theoretisch dazu, dass bei Ausbuchung der Geschäfte die dort „geparkten“ Währungseffekte automatisch mit in die GuV umgebucht werden. Dies ist bei Mikrohedges, zum Beispiel im Anlagenbau oder Projektgeschäft, denkbar. Bei Portfolio- oder Makrohedges ohne direkten Bezug zu einem einzelnen Grundgeschäft kann systemseitig jedoch meist keine direkte Zuordnung auf die einzelnen Geschäfte erfolgen, eine automatische Ausbuchung der Basis Adjustments ist somit kaum umsetzbar. So besteht die Problematik darin, eine praktikable Möglichkeit zu finden, um das Basis Adjustment zum richtigen Zeitpunkt und in korrekter Höhe aufzulösen. Je nach konkreter Situation können zum Beispiel pauschale Annahmen zum Vorratsverbrauch oder der Abschreibung getroffen und das Basis Adjustment dann über eine gewisse Periode oder zu einem späteren Zeitpunkt anteilig aufgelöst werden.

Der Wegfall des Wahlrechts zur direkten Auflösung des OCI bietet für Unternehmen neben den beschriebenen Herausforderungen aber auch die Chance, bestehende Annahmen im Hedging-Prozess auf den Prüfstand zu stellen und die Einkaufsabteilung oder das Controlling stärker in den Prozess zu integrieren.

Eine saubere Umsetzung des Währungsmanagements über die gesamte Wertschöpfungskette ist somit ein wichtiger Schritt, um Währungsschwankungen im Periodenergebnis und der Marge zu reduzieren. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 57, Juli 2016
Autor: Christian Pfeiffer, Manager, Finance Advisory, christianpfeiffer@kpmg.com

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