MAR und MAD II – etwas Neues für Treasury und Handel?

MAR und MAD II – etwas Neues für Treasury und Handel?

Die Market Abuse Regulation (MAR) löst zusammen mit der Market Abuse Directive (MAD II) die bekannte Marktmissbrauchsrichtlinie ab.

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Zusammen mit der Marktmissbrauchsrichtlinie für Finanzmärkte (2003) soll die 2013 in Kraft getretene REMIT-Verordnung (Regulation on wholesale Energy Market Integrity and Transparency) Marktmissbrauch auf dem Finanz- und Energiegroßhandelsmarkt verhindern. Die 2014 veröffentlichte und am 3. Juli 2016 in Kraft getretene Market Abuse Regulation (MAR) soll nun zusammen mit der Market Abuse Directive (MAD II) die bekannte Marktmissbrauchsrichtlinie ablösen, wobei gleichzeitig der Geltungsbereich auf eine Vielzahl von Finanzinstrumenten und Handelsplätzen ausgedehnt und an die in Kürze zu verabschiedende erneuerte Version der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID II) angepasst wird.

Das zieht auch Auswirkungen auf die Regelungen des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) nach sich. Während die MAR bereits in Kraft getreten ist, muss die MAD II inklusive dem enthaltenen strikten Sanktionskatalog noch in nationales Recht überführt werden. MAR und MAD II verschärfen somit bereits bestehende Regelungen und Pflichten hinsichtlich Marktmissbrauch und weiten den Anwendungsbereich auf neue Geschäfte und Handelsplätze aus.

Im Fokus der MAR stehen nun alle Instrumente, die nach MiFID II als Finanzinstrumente gelten und die auf einem geregelten Markt, auf OTFs (Organized Trading Facility) oder MTFs (Multilateral Trading Facility) gehandelt werden. Darüber hinaus sind von der MAR auch Instrumente betroffen, die zwar nicht auf den oben genannten Märkten gehandelt werden, deren Kurs aber von Finanzinstrumenten abhängt, die auf den genannten Märkten gehandelt werden.

Die Konsequenz hieraus ist signifikant, dürfte es damit doch schwierig werden, in der EU gehandelte Finanzinstrumente zu finden, die weder von MAR noch von REMIT hinsichtlich der Anforderungen zur Verhinderung von Marktmissbrauch betroffen sind. Insbesondere sind nun also auch eine Vielzahl von Finanzinstrumenten, die sich in einem typischen Treasury finden, betroffen. Daneben rücken auch kleine oder mittlere Energieversorgungsunternehmen mit zusätzlichen Finanzinstrumenten in den MAR-Anwendungsbereich, da auch der Kohle-, Öl- und CO2-Handel betroffen sind.

Für die im Geltungsbereich liegenden Finanzinstrumente führt die MAR im Wesentlichen zwei Vorschriften ein:

  • das Verbot der Marktmanipulation und 
  • Pflichten zur Offenlegung von Insider-Informationen.

Das Verbot der Marktmanipulation umfasst dabei neben der Durchführung auch den Versuch oder die Anstiftung zur Marktmanipulation. Zu diesem Zweck werden die Begriffe Insider-Handel und Insider-Informationen definiert. Darüber hinaus fallen auch bestimmte Strategien, wie der algorithmische Handel oder beispielsweise das bewusste Platzieren und Zurückziehen von Limit-Orders, unter dieses Verbot. Die Offenlegungspflichten sehen sowohl die Veröffentlichung von Insiderinformationen als auch von Eigengeschäften von Führungskräften vor. Diese beiden Vorschriften müssen beachtet werden sobald Finanzinstrumente gehandelt werden, die im Geltungsbereich der MAR liegen und nicht bereits unter den Anwendungsbereich der REMIT-Verordnung fallen.

Wegen des im Vergleich zur Marktmissbrauchsrichtlinie ausgeweiteten Geltungsbereichs der kürzlich in Kraft getretenen MAR sollte zunächst kurzfristig eine Betroffenheitsanalyse durchgeführt werden, um festzustellen, ob Finanzinstrumente im Geltungsbereich und/oder Handel an betroffenen Handelsplätzen vorhanden sind. Je nach Betroffenheit sind für die jeweiligen Gruppen von Geschäften geeignete Maßnahmen umzusetzen, um die Vorgaben der MAR zu erfüllen. Meist sind hier prozessuale Anpassungen im Hinblick auf die Handelsabwicklung und das Kontrollumfeld sowie Schulungen von Mitarbeitern erforderlich.

Idealerweise sollte eine solche Analyse berücksichtigen, ob Finanzinstrumente abgeschlossen werden, die bereits von der älteren Marktmissbrauchsrichtlinie oder von der REMIT-Verordnung betroffen sind, das heißt zum Beispiel Großhandelsprodukte für Strom und Gas. Sofern Finanzinstrumente vorhanden sind, die zwar von der MAR betroffen aber nicht bereits von der REMIT-Verordnung abgedeckt sind, muss geprüft werden, welche Maßnahmen, Prozesse und Kontrollen zusätzlich umgesetzt und implementiert werden müssen. Es sollte zudem beachtet werden, dass die MAR zwar eine Abgrenzung zu REMIT vorsieht, nach jüngster Aussage der BAFin diese allerdings die REMIT-Vorschriften verschärfen und somit im Zweifelsfall überstimmen kann, was eine operative Umsetzung der MAR für Gas- und Stromhandel erschwert.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie gerne Prof. Dr. Christian Debus unter cdebus@kpmg.com

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 57, Juli 2016
Autor: Bardia Nadjmabadi, Senior Manager, Finance Advisory, bnadjmabadi@kpmg.com

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