IPO Snapshot – 2. Quartal 2016

IPO Snapshot – 2. Quartal 2016

Weltweite Unwägbarkeiten Hemmnis für Börsengänge

Verwandte Inhalte

Börse

Nach einem eher schwachen Jahresauftakt war der IPO-Markt auch im 2. Quartal 2016 lediglich von geringen Aktivitäten gekennzeichnet. Im Vorfeld des Referendums zum EU-Austritt Großbritanniens sowie angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA und der dortigen anhaltenden Unsicherheiten zur Zinspolitik hielten sich die Unternehmen mit Börsengängen weitgehend zurück. Vor allem an der Wall Street, der größten Triebkraft im globalen IPO-Geschäft, fehlt es momentan an großen Marken aus dem Technologiesektor, die in der Vergangenheit für neuen Aufschwung im IPO-Markt sorgten (zum Beispiel Facebook, Twitter oder Alibaba). Dort kam es lediglich zur Erstnotiz einiger weniger Mid-cap-IPOs. Die vielversprechenden Technologienamen im Silicon Valley dagegen sind momentan von privatem Kapital so stark überschwemmt, dass sie sich mehr Zeit für einen Börsengang nehmen können.  

Eingetrübte Marktstimmung hält an

Im Vergleich zu den zwölf IPOs in New York kam es in den vergangenen drei Monaten in London lediglich zu drei Erstnotizen, Frankfurt am Main verzeichnete sogar nur zwei. China und Hongkong hingegen setzten die im 1. Quartal begonnene Aufholjagd nach dem Platzen der Börsenblase und zeitweiliger staatlicher Intervention im chinesischen IPO-Markt vom vergangenen Sommer fort.

Die sehr unterschiedliche Performance der neuen Börsengänge an der Wall Street lässt auch auf die momentane Marktstimmung schließen, bei der professionellen Fondsmanagern nicht unbedingt große „Must-haves“ angeboten werden. Unter den größten Käufern neuer IPOs haben Hedgefonds sowie konträr orientierte Investmentfonds in diesem Jahr relativ schlecht abgeschnitten, während gleichzeitig sehr viele Equity-Fonds ursprünglich eingezahlte Geldeinlagen an die Investoren zurückerstatten mussten.  

Zwei „Unicorns“ (private Technologie-Start-ups, die noch vor der IPO eine Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar erreichen) – Nutanix und Twilio – befanden sich dabei im 2. Quartal in unmittelbarer Vorbereitung auf eine IPO. Letzteres Unternehmen, das sich auf App Voice und Messaging Services spezialisiert hat, beschritt am 23. Juni 2016 zum ersten Mal das Börsenparkett und verzeichnete in der Woche der Erstnotiz bereits eine beeindruckende Performance mit über 140 Prozent Steigerung der Marktkapitalisierung. Mit einigen wenigen Ausnahmen war der Großteil der anderen Börsenneulinge weniger spektakulär, lag aber dennoch überwiegend im positiven Bereich.

Im Vergleich erfolgten auf dem europäischen Festkontinent diesmal in Amsterdam sehr viel mehr Börsengänge im 2. Quartal, wobei der von Philips lang angekündigte Verkauf der Lichtsparte zweifellos das größte Interesse unter den Investoren hervorrief. Dennoch blieb die Performance im einstelligen Bereich und lag weit unter einigen der Vergleichswerte an der Wall Street.

Schwieriger Start für Börsenneulinge auch in Deutschland

Auch das deutsche IPO-Geschäft sah letztendlich sehr trüb aus und es kam Ende Juni lediglich zu zwei neuen Börsengängen (MyBucks, Decheng Technology). Daher wurden im Rahmen dieses Snapshots die beiden im 1. Quartal 2016 neu gelisteten Unternehmen in die statistische Analyse mit aufgenommen (Brain, Senvion), wobei einzig MyBucks für diesen kurzen Zeitraum eine positive Entwicklung aufwies. Die afrikanische Ratenkreditplattform hatte die ursprünglich für Ende Mai geplante IPO schon einmal abgesagt, dennoch wurde das Listing einen Tag vor dem Brexit-Referendum durchgezogen. Demgegenüber hatte Decheng Technology, ein chinesischer Produzent von Polyurethanharzen, in jener Woche nach dem Brexit-Referendum einen weitaus schwierigeren Start entgegen der allgemeinen Markterholung.

Ausblick

Da im Juli die Konvention der republikanischen und demokratischen Parteien im Vorfeld der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen stattfindet und im August überwiegend Feriensaison für institutionelle Fondsmanager ist, steht nunmehr nur ein sehr enger Zeitraum zum Börsengang zur Verfügung, bevor es wieder zu politischer Unsicherheit im Vorfeld des Wettkampfs um das Weiße Haus Anfang November kommen dürfte. Obgleich laut Branchenkennern interessante Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Industrie, Finanzen und Technologie auf den Startschuss zum Börsengang warten, sind die Zeitfenster in diesem Jahr extrem kurz und Marktunsicherheiten dominieren das Risikoverhalten professioneller Investoren. Insofern wäre einzig wieder im September die Gelegenheit zum Börsengang, da für das 4. Quartal allgemein eine „Risk-off“-Marktstimmung erwartet wird.

Autor: Dr. Peter Kirkow, Director, KPMG - Makinson Cowell

IPO / Capital Markets

Breites Kompetenzspektrum von KPMG und Segment-Expertise helfen, exakt die individuellen Anforderungen des Klienten abzubilden.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform