IFRS 9 für Corporates – so relevant wie für Banken?

IFRS 9 für Corporates – so relevant wie für Banken?

Zum 01. Januar 2018 ersetzt der neue Standard IFRS 9 „Financial Instruments“ den bestehenden Standard zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten IAS 39.

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Mit Wirkung zum 01. Januar 2018 wird der bestehende Standard zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten IAS 39 durch den neuen Standard IFRS 9 „Financial Instruments“ ersetzt. Das Endorsement der EU ist für das zweite Halbjahr 2016 erwartet und die Anwendung der neuen Bilanzierungsvorgaben hat weitestgehend retrospektiv zu erfolgen.

Doch wird der IFRS 9 überhaupt eine vergleichbare Relevanz für Corporate Clients entwickeln, wie es gegenwärtig für Mandanten des Finanzsektors oder der Versicherungsbranche der Fall ist?

Basierend auf den Erkenntnissen der ersten Auswirkungsanalysen und Implementierungsprojekten bei Corporates hat sich gezeigt, dass die Auswirkungen des IFRS 9 auf die Abschlüsse des Mandanten sowie die notwendigen Prozesse zur Datenverfügbarkeit und Abschlusserstellung lediglich anderweitig aber nicht minder umfangreich ausfallen.

Oftmals wird auf Seite der Unternehmen davon ausgegangen, dass der IFRS 9 im Wesentlichen nur Auswirkungen für Unternehmen mit Derivatetransaktionen und mit Hedge Accounting-Beziehungen entfaltet. Doch diese Vermutung ist grundsätzlich falsch.

Werfen wir einen Blick auf die Aktivseite der Bilanz eines typischen Corporate, so springen die von IFRS 9 betroffenen Bilanzposten unmittelbar ins Auge. IFRS 9 umfasst alle Finanzinstrumente und damit auch unter anderem Cash und Cash Equivalents, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Ausleihungen sowie sonstige finanzielle Vermögenswerte. Nimmt man den Scope der IFRS 9 Impairmentvorgaben hinzu, dann umfasst dieser beispielsweise auch Contract Assets, Leasingforderungen, Loan Commitments und Financial Guarantees. Werden daneben lokale IFRS-Abschlüsse erstellt, so unterliegen auch Intercompany Transaktionen den Vorgaben des IFRS 9.

Doch mit welchem zeitlichen Umsetzungsaufwand ist im Rahmen eines IFRS 9 Projektes überhaupt zu rechnen? Stellt man den Ressourceneinsatz grafisch über die einzelnen Projektphasen der IFRS 9 Umsetzung dar, so resultiert folgender beispielhafter Verlauf:

Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, 2016

Der zeitliche Umsetzungshorizont von über einem Jahr ergibt sich aus einer zwingend notwendigen Zusammenarbeit der Abteilungen Group Accounting, Group Treasury, Executive Management, Customer Credit Risk Management, Tax und vor allem IT. Besonders im Hinblick auf die vorzunehmenden Anpassungen der IT-Systeme ist eine rechtzeitige Anmeldung von benötigten IT-Ressourcen dringend zu raten. Nicht nur die Treasury Management-Systeme müssen deutlich komplexere Berechnungen und neue Reklassifizierungsroutinen erlernen, auch müssen die ERP-Systeme durch neue Konten, Kontenpläne und Buchungsroutinen unmittelbaren Anpassungen unterzogen werden. 

Eine besonders große Herausforderung stellen jedoch die Datenanforderungen der neuen Impairmentvorgaben dar. Ohne umfangreiche Daten zu historischen Forderungsausfällen sowie ergänzenden zukunftsorientierten Daten wird eine sachgerechte Umsetzung der Bilanzierung von erwarteten Kreditausfällen unter dem neuen Expected Credit Loss-Modell kaum möglich werden.

Es ist somit anzuraten möglichst zeitnah sicherzustellen, dass entsprechende Datenhistorien vorhanden sind bzw. zeitnah erstellt werden, um ab dem 01. Januar 2018 eine IFRS 9 Compliance erreichen zu können.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 57, Juli 2016
Autor: Ralph Schilling, Senior Manager, Finance Advisory, rschilling@kpmg.com

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