Brexit – Finanzielle Herausforderungen

Brexit – Finanzielle Herausforderungen

Der britische Entscheid, die EU zu verlassen, bringt Unternehmen unter Zugzwang, die mit dem Land Geschäftsbeziehungen pflegen. Welche finanziellen Risiken kurz- und mittelfristig bestehen und wie sie darauf reagieren sollten.

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Der Brexit betrifft Unternehmen auf vielen Ebenen. Schon mit der Verkündung des Referendumsergebnisses haben sich wesentliche Entscheidungsgrundlagen geändert. Aus finanzieller Sicht ergibt sich vor allem akuter und mittelfristiger Handlungsbedarf.  

Kurzfristig

Das Referendum hat bereits zu unmittelbaren Konsequenzen geführt, die das unternehmerische Handeln betreffen. Dazu gehören Währungskursschwankungen. Am Tag nach dem Volksentscheid fiel das britische Pfund auf ein 30-Jahres-Tief gegenüber dem US-Dollar und verlor auch gegenüber dem Euro an Wert. Dieser Negativtrend hat sich seither fortgesetzt. Unternehmen, die Geschäfte in Pfund Sterling tätigen oder Unternehmenswerte im Vereinigten Königreich besitzen, haben hier dringenden Handlungsbedarf. Da mit weiteren Schwankungen zu rechnen ist, sind Maßnahmen, die das Risiko ausgleichen, unerlässlich (Hedge Accounting).

Wenige Tage nach dem Brexit-Votum haben die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit Großbritanniens herabgestuft. Damit einhergehen üblicherweise steigende Zinsen. Als zwingend notwendig wird daher eine Etablierung bzw. eine Anpassung der Zinsrisikostrategie gesehen, die es den Unternehmen durch den verstärkten Einsatz von Zinsderivaten ermöglicht, das Zinsrisiko adäquat zu steuern und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren. 

Dabei soll eine höhere Prognosefrequenz, sowie die Durchführung von regelmäßigen Szenarien-, Gap-Analysen und Benchmarking für relevante Zinssätze und Währungskurse dazu beitragen, auf volatile Finanzmärkte zeitnah zu reagieren. Auszuschließen ist nicht, dass durch die erwartete, negative Entwicklung des Finanzmarktes in Großbritannien, die Ratingagenturen auch die Bewertung von Unternehmen mit substantiellem UK-Geschäft anpassen werden. 

Dringend erforderlich ist es, den Zugang zu Banken und zum Kapitalmarkt sicher zu stellen. Die britische Zentralbank hat zwar bereits klar gemacht, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten negative Folgen durch den Brexit zu vermeiden versucht; dennoch sollten für den Fall einer „Kreditklemme“ alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Daher wird zu einer hinreichend exakten Liquiditätsplanung geraten, um eine angemessene Liquiditätssteuerung zu gewährleisen und finanzielle „Shortfalls“ frühzeitig zu erkennen. 

Mittelfristig

Mittelfristig werden sich die Wechselkurse auf einem neuen Niveau einpendeln. Damit kann dann entschieden werden, ob es sich lohnt, die Faktuierungswährung oder die funktionale Währung umzustellen. Die aufgebauten Zins- und Währungshedges sollten fortlaufend angepasst und können gegebenenfalls abgebaut werden, sobald klar ist, wie die künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich aussehen. 

Mit den veränderten Finanzmarktbedingungen durch den Brexit kann sich auch die Intercompany-Finanzierung überholen. Mögliche Auswirkungen können dabei u.a. den Zahlungsverkehr, die Nutzung von sogenannten Payment Factories sowie die konzerninterne Verrechnung betreffen. Im Bereich der lokalen Finanzierung ist denkbar, dass interne Darlehen zunehmend durch lokale Bankdarlehen ersetzt werden. Möglicherweise werden durch veränderte rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen crossborder Cash-Pooling-Strukturen beeinflusst.

Ein möglicher konjunktureller Rückgang hätte auch Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis. Daher sollten angemessene Liquiditätsreserven, wie etwa Banklinien, verhandelt und aufgebaut werden. 

Langfristig

Offiziell können die Austrittsverhandlungen aus der EU bis zu zwei Jahre dauern – wenn denn der Antrag eingereicht wurde. Bis die separat ausgehandelten, neuen Handelsverträge von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert sind, können weitere Monate, wenn nicht gar Jahre, verstreichen. Nichtsdestotrotz sollte in den kommenden ein bis drei Jahren, der Austritt vollzogen sein und klar sein, wie die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien ausgestaltet werden. Aussagen zu den finanziellen Herausforderungen über die lange Sicht sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer zu treffen. 

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