Handlungsalternativen im Währungsmanagement durch Szenarioanalysen identifizieren

Handlungsalternativen im Währungsmanagement

Das Thema „Währungsmanagement“ steht für Unternehmensentscheider und Corporate Treasury weiterhin im Fokus laufender Aktivitäten und Projekte.

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Dieser Artikel schließt sich an „Das Währungsergebnis – eine große Unbekannte für viele Unternehmen“ vom Oktober 2015 an.

Das Thema Währungsmanagement steht für die Unternehmensentscheider und damit auch für das Corporate Treasury weiterhin oftmals im Fokus laufender Aktivitäten und Projekte. Im Vergleich zum Herbst 2015 hat sich die Bedeutung sogar vielfach noch erhöht bzw. eine weitere Dimension hinzugewonnen. So ist nicht zuletzt infolge der Diskussionen zu möglichen Folgen eines Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union die Frage in den Mittelpunkt gerückt, welche Effekte sich durch unterschiedliche Wechselkursszenarien und Sicherungsstrategien ergeben können.

Neben der Erklärung des Währungsergebnisses ex-post steht somit zunehmend auch die Analyse möglicher alternativer Umweltzustände im Fokus eines ganzheitlichen Währungsmanagements. Durch entsprechende Szenarioanalysen können dabei verschiedene Handlungsalternativen des Unternehmens im Vorfeld simuliert und eine passende Risikomanagementstrategie abgeleitet werden.

Insbesondere baut eine solche Analyse auf unterschiedlichen Kursszenarien auf. Dabei wird üblicherweise unter Berücksichtigung historischer Volatilitäten zunächst ein Basisszenario für die künftigen Währungsergebnisse dargestellt, bevor in einem weiteren Schritt alternative Szenarien, wie etwa ein Best Case- und ein Worst Case-Szenario entsprechend der unternehmensindividuellen Markteinschätzung, berechnet werden. Durch diesen Vergleich unterschiedlicher Umweltzustände können potenzielle Währungsergebnisse sichtbar gemacht werden. Die Darstellung unterschiedlicher Hedgingansätze für diese Risiken sowie deren Einbeziehung in bilanzielle Sicherungsbeziehungen runden eine Szenarioanalyse des Währungsergebnisses ab. Für das Unternehmen bieten sich somit umfangreiche Möglichkeiten die Sicherungswirkung verschiedener Hedgingstrategien auf Plandatenbasis zu vergleichen sowie mit den erwarteten Sicherungskosten und der Risikotragfähigkeit des Unternehmens in Einklang zu bringen.

Damit eine solche Szenarioanalyse des Währungsergebnisses erfolgreich durchgeführt werden kann, sind jedoch einige Voraussetzungen zu erfüllen.

  • Datenbasis: Ausgangspunkt für eine aussagekräftige Analyse sind die im Unternehmen verfügbaren Informationen zur Planung von Fremdwährungszahlungsströmen und den zugrundeliegenden erwarteten sowie gebuchten Transaktionen in fremder Währung. Hierzu ist eine entsprechende Exposureplanung im gesamten Konzernverbund erforderlich, um sämtliche Risiken vollständig zu erfassen. Sofern die Planung von unterschiedlichen Exposuretypen, beispielsweise der Fremdwährungsliquidität und geplanten Transaktionen, in verschiedenen Systemen erfolgt, ist als Grundlage für die Szenarioanalyse eine konsolidierte Datenbasis ohne Lücken oder Redundanzen zu schaffen.
  • Prämissen: Da eine Szenarioanalyse stets mit Annahmen und Vereinfachungen arbeiten muss, sind vom Unternehmen entsprechende Prämissen festzulegen. So sind beispielsweise durchschnittliche erwartete Zahlungsziele für Forderungen und Verbindlichkeiten in Fremdwährung zu definieren, um die Periode möglicher bilanzieller Währungseffekte zu bestimmen. Weiter Prämissen können beispielsweise die Festlegung zu Erfassungsterminen sowie zum Intervall für Kursaktualisierungen sein.
  • Hedgingstrategie: Entsprechend der allgemeinen Hedgingstrategie des Unternehmens sind Vorgaben zum Umfang und Horizont der aktuellen Sicherung sowie möglicher alternativer Strategien zu hinterlegen, um unterschiedliche Sicherungsergebnisse zu ermitteln. Dabei kann insbesondere die Unterscheidung zwischen zentralem und dezentralem Hedging sowie einer Sicherung auf Brutto- oder Nettobasis zu wesentlichen Veränderungen im Währungsergebnis führen.
  • Management-Reporting: Um die Akzeptanz und Nutzbarkeit der mittels einer Szenarioanalyse ermittelten Effekte im Unternehmen zu erhöhen, sollte ein an das bestehende Fremdwährungsreporting angelegtes Format zur Darstellung der alternativen Währungsergebnisse gewählt werden. Dabei sollte jedoch auch die Abbildung in der externen Rechnungslegung – insbesondere hinsichtlich der Anwendung von Hedge Accounting – Eingang in die Ergebnisdarstellung finden.

Werden diese Voraussetzungen bei der Implementierung einer Szenarioanalyse für das Währungsergebnis hinreichend berücksichtigt und liegen entsprechende Planungsdaten in ausreichender Qualität vor, stellen entsprechende Analysen ein wirksames Werkzeug zur fortlaufenden Kontrolle und Optimierung des Währungsmanagements im Unternehmen dar. Mithin werden möglicherweise bereits bestehende Plan-Ist-Vergleiche zum Währungsergebnis um eine weitere – tiefergehende – Untersuchung der Effekte und Ursachen ergänzt. Somit kann eine Betrachtung von unterschiedlichen Szenarien letztlich auch einen entscheidenden Beitrag zur Erklärung von bereits eingetretenen Währungsergebnissen liefern, sodass der Funktionsumfang nicht auf eine reine Beleuchtung der Zukunft beschränkt werden muss.

Abschließend kann festgehalten werden, dass entsprechende Szenarioanalysen – welche mit geeigneten Reportinglösungen passgenau erstellt werden können – den Kanon der Prozesse zur Identifikation, Erklärung sowie Steuerung von Fremdwährungsrisiken im Unternehmen sinnvoll erweitern. Neben einer korrekten Planung sowie einem geeigneten ex-post Reporting können somit auch planerische Aspekte bis hin zur Festlegung einer passenden Hedgestrategie vom Treasurer berücksichtigt werden. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 56, Juni 2016
Autor: Robert Abendroth, Senior Manager, rabendroth@kpmg.com

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