Sicherungsstrategien bei aktienbasierten Vergütungsmodellen

Sicherung bei aktienbasierten Vergütungsmodellen

Aktienbasierte Vergütungsmodelle finden eine breite Verwendung zur Steuerung und Incentivierung des Top-Managements.

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Aktienbasierte Vergütungsmodelle (Stock Option Plans „SOPs“) finden eine breite Verwendung zur Steuerung und Incentivierung des Top-Managements. Aus diesem Grund haben wir das Thema in aktuellen Artikeln auf unterschiedliche Weise beleuchtet (vgl. auch: „Challenges handling share based payments“).

Durch die öffentliche Wahrnehmung und die weitgehenden Publizitätspflichten in den IFRS Note-Disclosures genießt auch die bilanzielle und ergebnis-wirksame Darstellung einen hohen Stellenwert. Dieses Thema wird in den nachfolgenden Abschnitten genauer dargestellt.

Einige Unternehmen gehen zur Steuerung des Personalaufwands aus SOPs dazu über, die wahrscheinliche Anzahl der den SOP-Berechtigten zustehenden Anteile über Aktienforwards gegen Aktienkursschwankungen zu sichern.

Die Auswirkung der Aktienforwards auf die GuV lässt sich allerdings in der Regel nur durch die Anwendung von Hedge Accounting mit dem Ergebnis aus dem SOP synchronisieren. Ohne Hedge Accounting muss die Marktbewertung von Sicherungsinstrumenten, welche die Ansprüche aus zukünftigen Perioden sichern, vollständig im Ergebnis gezeigt werden. Darüber hinaus erfolgt ohne die Anwendung von Hedge Accounting keine Saldierung der Ergebnisbeiträge zwischen den Aktienforwards und der Bewertung der aktienbasierten Vergütung in der IFRS-GuV.

Die Kombination aus ökonomischer Sicherung und Hedge Accounting ermöglicht dementgegen ein kontinuierliches Ansparen der SOP-Verbindlichkeit über den Personalaufwand. Die Incentivierungswirkung bleibt von dieser Maßnahme des Risikomanagements und der Ergeb-nisgestaltung unberührt.

Nachfolgend werden die Kernelemente, die für die Designation eines Aktienforwards als Sicherungsinstrument und einer aktienbasierten Vergütung als Grundgeschäft in einem Cashflow Hedge relevant werden, kurz dargestellt. Unabhängig von der Darstellung der nachfolgenden Abschnitte gelten die weiteren Anforderungen und Voraussetzung an die Designation eines Hedge Accountings (beispielsweise IAS 39.88).

Hedge Accounting ist nur möglich, wenn die aktienbasierte Vergütung nicht in eigenen Aktien (equity settled plan), sondern in Zahlungsmitteln oder deren Äquivalenten (cash settled plan) abgerechnet wird. Diese Anforderung kommt aus den Regeln für Hedge Accounting: bei einer Vergütung in eigenen Anteilen wäre das Grundgeschäft nicht ergebniswirksam, dies ist jedoch eine der Voraussetzungen für einen Cash Flow Hedge. Auch als Sicherungsinstrument scheiden verschiedene Instrumente aus.

Das Halten eigener Anteile wird die Aktienvolatilität aus dem Anspruch des SOPs ökonomisch sichern, stellt allerdings kein zulässiges Sicherungsinstrument für ein Hedge Accounting dar. In der Praxis werden daher häufig liquide Aktienforwards mit Nettoabrechnung als Sicherungsinstrumente verwendet.

Das Grundgeschäft in einem Cashflow Hedge ist der erwartete Zahlungsstrom aus der jeweiligen Zusage. Dieser Zahlungsstrom hängt sowohl von dem jeweiligen Aktienkurs, als auch von der Erdienung der Zusage ab. Die Erdienung der Zusage selbst hängt beispielsweise von der Erreichung verschiedener Ergebnisziele ab, oder sieht einen Verfall des Anspruchs bei Ausscheiden aus dem Unternehmen vor. Bei Plänen, bei denen die Erdienung der Zusage von weiteren Faktoren abhängt, muss daher nachgewiesen werden, dass der Anspruch, das heißt der Eintritt des Aktienkursrisikos, hoch wahrscheinlich ist.In der Literatur wird darunter eine Eintrittswahrscheinlichkeit von über 90 Prozent verstanden.

Der entsprechende Nachweis kann in der Regel über eine empirische Messung der weiteren Faktoren in der Vergangenheit und die Berechnung eines Konfidenzintervalls (90 Prozent Perzentil) erbracht werden. Unter Umständen, das heißt bei einer hohen Sicherungsquote, können nicht alle Aktienforwards in eine effektive Sicherungsbeziehung designiert werden, da nicht für jeden Aktienforward ein hoch wahrscheinlicher Anspruch zur Verfügung steht, der dem Aktienkursrisiko ausgesetzt ist. Die hohe Eintrittswahrscheinlichkeit muss im Lebenszyklus des Hedges immer wieder überprüft werden.

Um den Personalaufwand aus der Neuberechnung des SOP-Anspruchs (nach IFSR2) möglichst unabhängig von der Aktienkursentwicklung zu bewerten, bietet es sich an, formal die erste Erdienung von Zahlungsströmen zu sichern (layer approach).

Das abgesicherte Risiko umfasst die geänderten Zahlungsströme aus der Aktienkursentwicklung für die im Rahmen des SOP gewährten Aktien. Das Grundgeschäft wird also durch die Regelungen des IFRS 2 zum Teil ergebniswirksam (über die Anpassung der erdienten Anteile der Zusage auf den aktuellen Aktien-kurs) und zum Teil noch nicht ergebniswirksam (über die noch nicht erdienten Anteile der Zusage). In Höhe der ergebniswirksam erfassten Anteile aus dem SOP werden entsprechend auch die Sicherungsinstrumente ergebniswirksam. Technisch bilden dazu zum einen diejenigen Aktienforwards einen Teil des OCI, die die zum Stichtag erdienten Anteile sichern. Mit der Neubewertung der Verbindlichkeit des SOPs wird das OCI in den Personalaufwand reklassifiziert. Zum anderen bilden diejenigen Aktienforwards das OCI, die den noch nicht erdienten Anteil der noch kommenden Perioden sichern. Dieser Anteil wird (noch) nicht reklassifiziert. Insgesamt entsteht so ein Personalaufwand, der nicht von den weiteren Kursentwicklungen abhängt.

IAS 1.104 verlangt bei Darstellung von Aufwendungen nach Funktion (Umsatzkostenverfahren) die Angabe weiterer Informationen zur Natur bestimmter Aufwendungen wie der Personalaufwendungen. Würde der Mandant statt des Umsatzkostenverfahrens das Gesamtkostenverfahren anwenden, würde die GuV auch nur die mit dem Sicherungsergebnis saldierten Personalaufwendungen enthalten und eine weitere Angabepflicht nach IAS 1.104 entfallen. IFRS 2.50f. verlangen allerdings die Angabe von mindestens der Gesamtaufwendungen aus aktienbasierten Vergütungstransaktionen, bei denen die erhaltenen Güter oder Services nicht ansatzfähig sind und daher sofort als Aufwand erfasst wurden. Diese Angabe erfordert unseres Erachtens nach die Darstellung des Aufwands vor Saldierung mit dem Sicherungsergebnis.

IFRS 7.22 verlangt Angaben wie die Beschreibung eines jeden Hedgetyps sowie der abgesicherten Risiken. Für den diskutierten Sachverhalt sollte im Anhang offengelegt werden, dass die erwarteten Zahlungen aus den aktienbasierten Vergütungsprogrammen bezogen auf Schwankungen des Aktienkurses abgesichert werden. IFRS 7.23 verlangt für Cash Flow Hedges u.a. die Angabe der Beträge, die während der Periode im Other Comprehensive Income erfasst, sowie die Beträge, die in die einzelnen und zu benennenden Zeilen der GuV umgegliedert wurden.

Lassen Sie uns darüber sprechen, wie diese sensible Sicherung bei Ihnen dargestellt werden kann. Bei jedem dieser Themen gibt es einen sicheren Pfad durch die Bilanzierungsanforderungen. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 55, Mai 2016
Autor: Felix Wacker-Kijewski, Manager, fwackerkijewski@kpmg.com

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