Analyse: IPO Snapshot - Erstes Quartal 2016

IPO Snapshot - 1. Quartal 2016

Langfristiges Investment durch professionelle Fondsmanager? Zum Börsenauftakt im ersten Quartal dieses Jahres war das nahezu unmöglich.

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Der Jahresstart war durch extrem hohe Volatilität in internationalen Kapitalmärkten charakterisiert – was, unter anderem, am fortlaufenden Fall des Ölpreises, der chinesischen Wechselkurspolitik und an militärischen Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten lag. In diesem Umfeld wurden geplante IPOs weltweit daher auch mehrheitlich abgesagt.  Auf dem New Yorker Parkett kam es seit langer Zeit zu keiner Börsennotiz, die Nasdaq verkündete lediglich neun IPOs. Demgegenüber wurden in den USA allein 21 IPOs abgesagt bzw. verschoben, die aggregiert eine Bewertung von drei Milliarden US-Dollar anstrebten - verglichen mit den 1,2 Milliarden US-Dollar, die durch die neun Erstnotizen insgesamt an Kapital aufnahmen. Gleichzeitig war dies in den USA seit dem ersten Quartal 2009 auch das erste Mal, das lediglich vier Unternehmen die Schwelle von 100 Millionen US-Dollar an neuem IPO-Kapital überschritten (die Biotechunternehmen Editas
Medicine, BeiGene und AveXis sowie das Energieakquisitionsvehikel Silver Run Acquisition Corp).

Chinesische Regionalbanken notierten

Das vergleichsweise hohe Volumen in Hongkong ist dagegen auf fortlaufende Erstnotizen chinesischer Regionalbanken zurückzuführen - allen voran der 1,7 Milliarden US-Dollar schwere Börsengang der Zheshang Bank sowie der 948 Millionen US-Dollar schwere IPO der Bank of Tianjin Ende März.  Zuvor hatten schon im Dezember 2015 drei chinesische Regionalbanken insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar aufgenommen, um das Problem wachsender fauler Kredite unter Kontrolle zu bekommen. Dabei waren die zwei jüngsten Platzierungen am unteren Ende der Preisspanne. Mehr als die Hälfte der Zuteilungen ging an sogenannte Cornerstones, also an Investoren die eine sechsmonatige Sperrvereinbarung für den Kauf größerer Anteile eingehen. Das waren oftmals staatlich kontrollierte chinesische Unternehmen, die den IPO mit dem Friends-and-Family-Orderbuch unterstützen sollten: Für jene Anleger wurden bestimmte Kontingente vorgehalten.

Ruhiges erstes Quartal in Deutschland

In Deutschland dagegen kam es zu lediglich zwei Erstnotizen (Brain AG, Senvion SA) mit verhaltenem Auftakt. Sie verbesserten sich im Anfangshandel zwar positiv, aber nur um geringe Margen. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres ist das nicht ungewöhnlich. Konzerne sind zumeist prinzipiell noch mit dem Jahresabschluss beschäftigt und auch institutionelle Investoren legen das Hauptaugenmerk auf die Jahresendberichterstattung. Das hessische Biotechunternehmen Brain AG wurde Anfang Februar erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt und verbesserte den Aktienkurs zum 31. März um 1,8 Prozent. Das Windenergieunternehmen Senvion notierte am 22. März erstmals, legte in den acht Handelstagen bis Ende des ersten Quartals aber nur 0,2 Prozent zu – was aufgrund der Marktturbulenzen und der relativ kurzen Handelsperiode noch keine Schlussfolgerung zulässt.

Doch wie schnitten jene Unternehmen ab, die im vergangenen Quartal in Frankfurt erstmals das Parkett betraten? Covestro hatte jüngst, vor allem nach sehr guten Jahresendergebnissen, eine ausgezeichnete Performance hingelegt. Auch Schaeffler liegt signifikant über dem Eröffnungskurs. Beide Unternehmen hatten nach mehrfacher Verschiebung der Börsengänge und Anpassung der Preisspanne Anfang Oktober erstmals notiert und waren in eine kurze DAX-Rallye gekommen.  Dagegen liegen alle anderen vier Emittenten des letzten Quartals 2015 – Curetis, Hapag Lloyd, Chorus Clean Energy und Steilmann – unter ihrem Eröffnungskurs, wobei der deutsche Modehersteller Steilmann ganze 90 Prozent eingebüßt hat.

Prinzipiell hat sich das IPO-Umfeld im März verbessert, nachdem der S&P 500 Index um 12 Prozent seit dem Markttiefstand am 11. Februar zugelegt hat. Auch der Hang Seng China Enterprises Index - ein bedeutender Index chinesischer Unternehmen, die in Hongkong notiert sind – stieg in diesem Zeitraum um 16 Prozent. Besser als erwartete Wirtschaftsdaten aus den
USA und China, ein höherer Ölpreis, sowie die Waffenruhe im Bürgerkriegsland
Syrien beeinflussten das marktpsychologische Umfeld positiv. Damit werden im zweiten Quartal dieses Jahres weltweit auch mehr IPOs erwartet.

Autor: Dr. Peter Kirkow, Direktor, KPMG Österreich 

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