"Die Interne Revision hilft, Risiken beherrschbar zu machen"

Interview: "Risiken beherrschbar machen"

Seit 2009 sind Aufsichtsräte und Vorstände verantwortlich für die Einrichtung und den Betrieb von wirksamer Corporate Governance-Systeme. Dazu gehören auch Interne Revisionssysteme. Thematisch sind diese nicht auf Finanzinformationen begrenzt, sondern umfassen alle für das Unternehmen wesentlichen Risiken. Wie sich die Interne Revision aktuell aufstellen sollte, welches Unternehmen überhaupt eine solche Abteilung braucht und welche Rolle Data Analytics (D&A) spielen, erklärt Volker Zieske, Partner und Head of Internal Audit Services, im Interview.

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Welche zentrale Anforderung wird an die Interne Revision von heute gestellt?

Volker Zieske: Die zentrale Anforderung ist, das unternehmenseigene Risikoportfolio zu kennen und zu managen. Dazu müssen sich Unternehmen vier Fragen stellen: Kenne ich alle Risiken? Sind diese richtig bewertet? Werden diese überwacht und gesteuert? Und wie schnell erkenne ich Veränderungen in meinem Risikoportfolio?

Wie sieht eine gut aufgestellte Interne Revision in ihrer Struktur und Größe aus?

Zieske: Ich werde vielfach nach der richtigen Größe einer Internen Revision gefragt. Für mich ist das aber eigentlich die falsche Diskussion. Die wesentliche Frage muss heißen: Wie ist das bestehende Risikoportfolio der Gesellschaft durch die Interne Revision abgedeckt? Hat sie die hinreichende Kompetenz für Revisionen in allen Unternehmensbereichen, dabei reicht die Spannbreite von Finanzprozessen, über die Wertschöpfungskette bis hin zu Compliance. Ein Unternehmen auf Expansionskurs  muß z.B auch den M&A Prozess revisorisch abdecken. Zu groß oder zu klein gibt es also eigentlich nicht, sondern vielmehr überwachte und nicht-überwachte Risiken.

Kann das nicht auch das Controlling leisten?

Zieske: Die Controllingfunktion ist als Teil des Finanzsystem im Prozess eingebunden und arbeitet periodisch. So werden Auftragskalkulationen oder Liquiditätsströme überwacht. Das passiert primär nach einem festgelegten Raster. Die Interne Revision ist prozessungebunden. Sie hat z.B. im Rahmen Ihrer Audits den gesamten Auftragsannahme- und Abwicklungsprozess im Fokus. Controlling und Revision sind komplementär. Sie sollten koordiniert zusammenarbeiten. Einen Ersatz der Revisionsfunktion durch das Controlling kann es per se nicht geben.

Brauchen nur große Unternehmen eine Interne Revision?

Zieske: Die Interne Revision hilft, Unsicherheiten bzw. Risiken beherrschbar zu machen. Deshalb braucht eigentlich jedes Unternehmen eine solche Institution. Sie muss aktiv werden, wenn es Risikopotentiale gibt. Außerdem trägt sie zum Aufklären von Sachverhalten und damit zur Transparenz bei. Interne Revision ist Teil der Unternehmenskultur und entfaltet zudem eine präventive Wirkung. Deswegen ist das keine Frage der Unternehmensgröße. Die Frage ist vielmehr: Richtet man eine eigene Revisionsabteilung ein oder greift man auf Dienstleister zurück, weil sich das Unternehmen schlank aufstellen möchte. Aber den unabhängigen Blick auf die Risiken braucht jede Organisation.

Wie steht es um die aktuelle Risikoorientierung der Internen Revision?

Zieske: Wenn ich mir die Auswertung der KPMG-Studie betrachte, wird schon im ersten Punkt klar: Nur 22 Prozent der befragten Unternehmen erhalten von der Internen Revision aktuelle Risikobewertungen - erwarten tun dies aber 57 Prozent. Das bedeutet, dass die klare Herausforderung für die moderne Interne Revision ist, Risiken früh zu identifizieren auch in Bereichen die außerhalb traditioneller Revisionsfelder liegen.

Wann ist es sinnvoll, die Interne Revision auszugliedern?

Zieske: Es macht in jedem Fall immer Sinn, über ein Co-Sourcing nachzudenken – einen Zukauf von Revisionsleistungen – wenn man feststellt, dass man mit den eigenen Ressourcen das bestehende Risikoportfolio nicht abdecken kann. Es gibt jedoch inzwischen immer mehr Firmen, die unsere Dienstleistung als Komplettpaket in Anspruch nehmen. Daneben  gibt es aber noch einen guten Grundsockel an Unternehmen, die eine kompakte Interne Revision im Hause vorhalten möchten. Das hat viele Gründe. Unter anderem die Tatsache, dass die Interne Revision in vielen Unternehmen eine Ausbildungsfunktion ist und als solche eine Kaderschmiede sein kann. In diesem Fall macht es Sinn, das dann auch so beizubehalten.

Welche Rolle werden Data&Analytics (D&A) spielen?

Zieske: Meiner Erfahrung nach spielen sie schon heute eine sehr große Rolle, durch Data Analytics kann der gesamte revisorische Analyseprozess erheblich fokussiert und verkürzt werden. Große Datenmengen werden darüber überhaupt erst analytisch auswertbar. Auch kleine Unternehmen setzen inzwischen D&A ein - doch ist das auch ein Ausbildungs- und Generationenthema. Nicht alle Revisoren sind dazu bislang in der Lage. Insgesamt muss man akzeptieren, dass D&A immer mehr bedeutender werden. Das ersetzt natürlich nicht den prüferischen Sachverstand, ergänzt ihn aber.

 

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