Wirtschaftsprüfer und die Wahrnehmung Dritter

Wirtschaftsprüfer und die Wahrnehmung Dritter

„Der Wirtschaftsprüfer sollte ein Sparringspartner für den Mandanten sein – bestens informiert, jedoch stets skeptisch.“ Christian Sailer, Bereichsvorstand Audit, im Interview.

Ansprechpartner

Bereichsvorstand Audit

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

Zwar steht für die Wirtschaftsprüfung die Verbesserung der Wahrnehmung der Kunden und Investoren deutlich im Fokus, dennoch herrscht im Berufsstand ein Einvernehmen darüber, dass die Wirtschaftsprüfung einen Beitrag zu einer transparenteren Prüfung für die breite Öffentlichkeit leisten sollte. 

Dürfen Prüfer die wirklich unbequemen Fragen stellen? Oder sind sie dem Management gegenüber zu sehr verpflichtet? 

Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir unbequeme Fragen stellen dürfen. Gerade als Prüfer musst du dazu Mut haben! Eine wirklich unabhängige Prüfung beruht auf kritischen Fragen. Letzten Endes ergeben sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht aus den Accounting-Bereichen mit dem größten Diskussionsbedarf normalerweise auch die komplexesten Fragestellungen. Glücklicherweise sind es häufig gerade diese Bereiche, die für den Mandanten und die Prüfungsausschüsse von größtem Interesse sind. In unserem Berufsstand sollte eine Diskussionskultur gefördert werden. Der Wirtschaftsprüfer sollte ein Sparringspartner für den Mandanten sein – bestens informiert, jedoch stets skeptisch.

Wird den Wirtschaftsprüfern zurecht vorgeworfen, die Finanzkrise nicht vorhergesehen zu haben?

Nein, das sehe ich nicht so. Per Gesetz und gemäß der Berufsgrundsätze, ist es die Aufgabe eines Prüfers, historische Daten zu betrachten und sicherzustellen, dass diese zutreffend im Jahresabschluss dargestellt werden. Aber ich denke, wir verstehen alle, warum die Öffentlichkeit dies als Schwachpunkt ansieht. Der gesamte Berufsstand der Wirtschaftsprüfer muss sich dieses Problems annehmen. Wir müssen uns selbst und unser Umfeld fragen, ob die Abschlussprüfungen heutzutage den Investoren und anderen Stakeholdern die Informationen liefern, die für sie von hoher Relevanz sind. 

Würden wir Abschlussprüfungen auch dann durchführen lassen, wenn sie nicht verpflichtend wären? Bieten sie einen wirklichen Mehrwert?

Ein Sprichwort besagt: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Selbstverständlich ist Vertrauen der Schlüssel für eine erfolgreiche Beziehung zwischen den Unternehmen und ihren Investoren. Eine Prüfung hält Unternehmen zum sorgfältigen und disziplinierten Vorgehen an und steigert somit die Verlässlichkeit von Informationen über das Unternehmen. Selbst wenn Prüfungen für börsennotierte Gesellschaften gesetzlich nicht vorgeschrieben wären, bin ich davon überzeugt, dass die Investoren sie einfordern würden. 

Wie kann der Berufsstand in diesem Fall den Mehrwert der Abschlussprüfung steigern?

Hier glaube ich, müssen wir zwei Dinge beachten. Erstens müssen wir deutlich besser kommunizieren, worin der Sinn und Zweck einer Abschlussprüfung besteht, um die entstandene Erwartungslücke zu schließen. Und Zweitens müssen wir in Zukunft sicherstellen, dass wir den Adressaten der Prüfung Informationen mit echtem Mehrwert zur Verfügung stellen. 

Inwieweit geht es dabei letztendlich um die Wahrnehmung der Investoren und die Anforderungen der Kapitalmärkte?

Aus meiner Sicht sind bei der Bereitstellung von Informationen mit hohem Mehrwert zwei Aspekte zu beachten. Zum einen müssen wir die Investoren und Kapitalmärkte berücksichtigen. Diese Adressatengruppen wünschen sich mehr als nur einen Bestätigungsvermerk. Wir müssen darüber nachdenken, den Umfang unserer Berichte auszuweiten, um Einschätzungen zu den Geschäftsmodellen, Risiken und Aussichten von Unternehmen zu treffen.

Der zweite Aspekt hat nicht direkt etwas mit den Investoren zu tun. Als Prüfer sehen wir Unmengen an Daten ein. Ich glaube, wir versäumen derzeit die Chance, unseren Mandanten tiefergehende Einblicke zu liefern, beispielsweise durch Benchmarkdaten. Sollten wir es schaffen, diese Art von Benchmarking anbieten zu können, ohne dabei die Bestimmungen zur Vertraulichkeit zu verletzen, wäre dies ein gewaltiger Schritt nach vorne. Genau aus diesem Grund investieren wir massiv in den Bereich Data & Analytics. Aber natürlich lassen sich diese Dinge nicht einfach von heute auf morgen umsetzen.

Wie steht es um die Wahrnehmung der Öffentlichkeit und die Bedürfnisse der breiteren Öffentlichkeit?

Ich glaube, dass nicht nur die Investoren ein Interesse an weitergehenden Informationen hätten. Dadurch würde sich auch das Verständnis der Öffentlichkeit für die Unternehmen verbessern – genau wie die öffentliche Wahrnehmung unserer Branche.

Wir verhält es sich mit dem Bestätigungsvermerk und den veröffentlichten Berichten? Sollten diese über das bestehende Format "erteilt"/"eingeschränkt" hinausgehen? 

Ja, unbedingt. In der aktuellen Form sind die Bestätigungsvermerke für Außenstehende unverständlich und liefern trotz all der Expertise und des Know-hows, die dahinterstecken, keine weiterführenden Erkenntnisse. Daher ist es zu begrüßen, dass sich die IAASB, die Europäische Union und eine Reihe von Ländern mit dieser Problematik befassen. Hier in Deutschland planen wir, ausgewählten Mandanten testweise einen umfangreicheren Bestätigungsvermerk zur Verfügung zu stellen. Auf die Frage, ob Interesse an einem transparenteren Bericht besteht, haben wir bereits einige positive Rückmeldungen erhalten. Darin sehen wir für die Zukunft weiteres Entwicklungspotenzial.

Haben Sie noch abschließende Überlegungen? 

Meiner Meinung nach sind zwei Prioritäten zu setzen. Wir müssen die öffentliche Wahrnehmung unseres Unternehmens und unseres Berufsstandes verbessern. Und wir müssen aus den Erkenntnissen unserer Arbeit Mehrwert generieren – sowohl auf vertraulicher Basis für unsere Mandanten als auch öffentlich für die Investoren. Wenn wir den Erfolg unseres Berufsstands auch in Zukunft sichern wollen, müssen wir deutlich machen, wieviel Mehrwert wir schaffen.

Weitere Informationen

Lesen Sie darüber hinaus die Interviews mit Mitgliedern des globalen KPMG Audit Leadership Teams, die zum Teil überraschende Standpunkte über den Wert einer Prüfung teilen – über die Stärken und Schwächen einer Prüfung sowie über die Veränderungen, die stattfinden müssen, um den Anforderungen der Kapitalmärkte gerecht zu werden.

Value of Audit

Der Wert der Wirtschaftsprüfung: die Zukunft der Unternehmensberichterstattung gestalten.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform