Das Wirtschaftswachstum der Welt ist in Ostasien zu finden

Wirtschaftsmacht Ostasien

Asien ist ein imminent wichtiger Handelspartner für deutsche Firmen. Welche Bedeutung etwa China mittlerweile erlangt hat, wurde deutlich, als im vergangenen Jahr Befürchtungen laut wurden, die dortige Wirtschaft könne weniger schnell wachsen als angenommen. Die KPMG-Experten Jörg Grünenberger und Andreas Feege diskutieren den Reiz des Kontinents und worauf deutsche Unternehmen achten müssen, die ihre Präsenz dort auf- oder ausbauen wollen.

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Ostasien

Asien ist ein wirtschaftlich sehr diverser Kontinent. Japan ist in der postindustriellen Phase angelangt, die Asian Tigers bekam ihren Namen in den Neunzigern, China hat eine beeindruckende Entwicklung über die letzten 30 Jahr hingelegt. Wie sehen sie die Entwicklung der einzelnen Regionen in den nächsten Jahren?

Andreas Feege: China wird eine enorme Bedeutung erlangen. Auch wenn es im vergangenen Jahr zwischendurch gemischte Nachrichten gab, ist die mittelfristige Perspektive intakt und weiterhin sehr vielversprechend. Das gilt für Ost- und Südostasien insgesamt. Das Wirtschaftswachstum der Welt ist im Osten zu finden. Dort gibt es junge Märkte, eine junge Bevölkerung. Schauen Sie zum Beispiel nach Myanmar, ein Land mit 55 Millionen Einwohnern, wo die Investoren nur darauf warten, dass die demokratisch-gewählte Regierung die Fesseln der jahrzehntelangen Diktatur löst.

Jörg Grünenberger: In den sogenannten Tiger-Staaten gibt es noch erhebliches Entwicklungspotenzial und auch eine große Dynamik. Das ist in Japan anders, wo der Markt sehr entwickelt und hoch kompetitiv ist. Entsprechend schwierig ist es für deutsche Firmen sich im japanischen Markt zu etablieren. Da braucht es schon ein sehr interessantes Produkt. Zu beachten ist auch, dass der japanische Konsumentenmarkt aufgrund der demographischen Entwicklung schrumpft. Dennoch zählt Japan zu den Wachstumstreibern, insbesondere in Asien. Die Investitionen japanischer Unternehmen im Ausland – insbesondere auch Unternehmenskäufe unter anderem in Deutschland – nehmen wieder deutlich zu.

Auch der deutsch-japanische Handel ist besser als es die Zahlen suggerieren, denn vieles findet nicht im Rahmen der direkten Handelsbeziehungen sondern im Rahmen der Zusammenarbeit in den globalen Supply-Chains statt. So gibt es eine Vielzahl von Leistungs- und Handelsbeziehungen zwischen deutschen und japanischen Unternehmen in China und Osteuropa. Mit dem deutsch-japanischen Doppelbesteuerungsabkommen und dem avisierten Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan wird es zusätzliche Impulse geben.

Welche Trends gibt es, die für deutsche Unternehmen interessant sind?

Jörg Grünenberger: Entscheidende Innovationstreiber sind die Digitalisierung und die Automatisierung. Dabei gelten deutsche Firmen in Asien mit Blick auf die Industrie 4.0 als Vorbild. Ähnliches gilt für die erneuerbaren Energien, vor allem vor dem Hintergrund der Ereignisse in Fukushima, auch wenn die japanische Politik noch auf Atomkraft setzt. Die Erfahrungen, die deutsche Unternehmen durch die Energiewende gemacht haben, sind in Asien viel wert.

Wie können deutsche Firmen an der Entwicklung in Asien teilhaben?

Andreas Feege: Wer in die asiatischen Märkte expandieren möchte, braucht eine klare Strategie. Entscheidend ist, ob man dort produzieren, einkaufen oder verkaufen will. Der Vorteil bei den Produktionskosten nimmt zusehends ab. Arbeit wird teurer, weshalb das reine Sourcing zurückgehen wird. Dienstleistungen hingegen bleiben vermutlich attraktiv, sodass etwa künftig Europäer verstärkt Gesundheitsleistungen in Asien beziehen.

Andererseits ist Ostasien ein hervorragender Markt, um neue Produkte zu testen. Die Kunden sind sehr technikaffin und aufgeschlossen gegenüber Neuerungen. Viel weiter sind sie zum Beispiel beim Bezahlen mit dem Handy. Ohnehin muss man das Geschäftsfeld an den Markt anpassen. Das Konsumverhalten ist ein anderes. Da deutsche Marken einen enormen Ruf besitzen, bietet es sich an, unter deutschem Namen zu agieren und lokale Partner in die Vertriebswege einzubinden. Aber auch wenn sich ein Unternehmen gegen die Expansion entscheidet, muss das das Ergebnis einer wohlüberlegten Strategie sein. Wer nicht ins Ausland geht, wird früher oder später in Deutschland von chinesischen Produkten überrascht und möglicherweise verdrängt. Also sollte man den Wettbewerb annehmen, aber aufpassen, das eigene Know-how nicht preiszugeben.

Was uns zu den Risiken führt. Wo liegen die Fallstricke?

Andreas Feege: Wie schon angedeutet, ist der Patentschutz ein Thema. Wir sehen hier allerdings leichte Verbesserungen, da auch die heimischen Unternehmen daran interessiert sind, ihr Wissen nicht mit der Konkurrenz zu teilen. Schwerer wiegt das Personalthema. Aufgrund der kulturellen Unterschiede und der Luftverschmutzung, wollen eher wenige deutsche Mitarbeiter länger in Ostasien arbeiten. Lokales Personal hingegen ist gefragt, daher nicht mehr ganz billig und wechselt vergleichsweise häufig den Arbeitgeber. Insgesamt sind kulturelle Unterschiede nicht zu unterschätzen. Das umfasst auch das direkte Geschäftsgebahren. Damit muss man sich natürlich eingehend auseinandersetzen.

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