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Über Nacht zum Star

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Keyfacts über Nokia

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Durch die Akquisition von Alcatel will Nokia die Vorteile von Größe und Know-Hor nutzen • Nokia wandelt seine Strategie damit von B2C zu B2B • Zunächst darf Nokia keine Mobiltelefone mehr verkaufen

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Nokia schaltet mit der Übernahme von Alcatel-Lucent auf Angriff. Der harte Wettbewerb zwingt den Mammutkonzern dazu, seine Strategie radikal neu zu denken. Ein Beweis dafür, wie schnell und fundamental sich Transformation im digitalen Zeitalter vollzieht.

Was war das für ein Abstieg: Einst der größte Handy-Hersteller mit weit reichender Markenbekanntheit. Dann: Den Trend zum Smartphone verschlafen, überrollt von der Dynamik des technologischen Wandels, ausgebootet von der Innovationskraft der Konkurrenten wie Apple und Samsung.

Und jetzt?

Angriff im Bereich Netztechnik. Radikaler Strategiewechsel: Neuorientierung, Restrukturierung, Verschlankung. Mit der Akquisition von Alcatel steigt das finnische Unternehmen über Nacht zum größten Netzausrüster auf.

Ab sofort ist der Konzern in 140 Ländern präsent, beschäftigt mehr als 110.000 Mitarbeiter und verschafft sich mit einem Umsatz von mehr als 25 Milliarden Euro einen Platz an der Weltspitze. Die meisten Telekom-Konzerne werden die Technik für ihre Netze in Zukunft wohl bei den Finnen einkaufen. Ein Gigant erwacht neu.

Die heutige Nokia ist das Resultat zweier großer Transformationsprozesse.

Der harte Wettbewerb im Infrastrukturgeschäft zwingt dazu, ihre Strategie komplett neu zu denken. Vom Papier zum Kabel, von Gummistiefeln zu Fernsehgeräten, schließlich von Handys zum Bau von schnellen Mobilfunknetzen: Nokia erlebte in den vergangenen Jahren eine fundamentale Transformation.

So erwarb das Unternehmen im Vorfeld der Akquisition von Alcatel-Lucent die Anteile am ehemaligen Joint Venture Nokia Siemens Networks. Zuvor verkauften die Finnen nahezu das gesamte Mobiltelefongeschäft Devices & Services an Microsoft im Jahr 2014.

Die Akquisition von Alcatel ist jetzt ein nächster, großer Versuch, durch Größe und Technologie-Know-how erfolgreich zu sein. Fast alle Bereiche, deren sich der Konzern einst entledigt hat, kauft er nun wieder zurück. Es ist der fundamentale Wandel eines Unternehmens von B2C zu B2B.

250 Mio. Mal wurde das Nokia 1100 verkauft und ist damit das meistverkaufte Handy der Welt.

Die Konzentration bei den Netzausrüstern schreitet voran.

In der Branche herrscht ein harter Wettbewerb: NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent mit den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Mit der Übernahme überholen die Finnen den schwedischen Rivalen Ericsson. Doch der Preiskampf wird weiter anhalten.

Nokia hat sich gegenüber Microsoft verpflichtet, vorerst keine Mobiltelefone zu verkaufen. Nach Ablauf einer Frist wäre das allerdings durchaus erlaubt. Konkrete Pläne sind nicht bekannt, aber eine Rückkehr in das Geschäft mit Elektronik ist nicht ausgeschlossen.

Die Fusion stärkt die Position Europas im globalen Infrastrukturgeschäft.

Mit den beiden großen Spielern Nokia und Ericsson ist die Hoffnung verbunden, dass Europa seine Führungsrolle in der Technik für Telekommunikationsnetze verteidigen kann. Teilen sich die Amerikaner und die Asiaten das Feld der Betriebssysteme und Endgeräte überwiegend auf, so soll wenigstens dieses Marktsegment in Europa bleiben.

Die Fusion von Nokia und Alcatel scheint die ideale Kombination, um den Siegeszug der beiden chinesischen Netzausrüster Huawei und ZTE zu bremsen.

Es kommt allerdings darauf an, ob Nokia beim Bau von 5G-Netzen zusätzliche Kunden und Marktanteile gewinnen kann. Schon heute arbeiten bei Nokia am Europa-Sitz in München mehrere Hundert Forscher an der Entwicklung der neuen 5G-Technik sowie Lösungen für autonomes Fahren. Auch in Ulm entstand ein Technology Center für 4G- und 5G-Techniken mit insgesamt 720 Mitarbeitern.

Wie gut die digitale Transformation am Ende klappen wird, hängt sehr stark davon ab, wie schnell die beiden Firmenkulturen zusammenwachsen. Denn: Letztlich ist jeder Veränderungsprozess an den Menschen gebunden. Egal, wie groß der Gigant sein mag.