Fallstricke bei der Ausgestaltung konzerninterner Sicherungen

Fallstricke bei konzerninternen Sicherungen

Wie sollen einzelne Sicherungsstrategien in den Einzelabschlüssen und sonstigen rechtlichen Rahmenbedingungen abgebildet werden?

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In den letzten Newsletter-Beiträgen haben wir bereits auf die aktuelle Bedeutung der Wechselkurs- und Rohstoffpreisentwicklungen hingewiesen. So hat die Kupfer-Quotierung ihr Allzeithoch in 2011 von über zehntausend US-Dollar/Tonne über deutliche Kurssprünge aktuell mehr als halbiert.

Vergleichbare Entwicklungen lassen sich auch bei den anderen Buntmetallen sowie vielen weiteren Rohstoffen, wie beispielsweise Öl oder Weizen, erkennen. Neben einer verlässlichen Exposure-Ermittlung und einer abgestimmten Sicherungsstrategie stellt sich immer auch die Frage, wie einzelne Sicherungsstrategien in den Einzelabschlüssen und sonstigen rechtlichen Rahmenbedingungen abgebildet werden sollen.

Einige Treasury-Abteilungen geben feste Wechselkurs- oder feste Preiszusagen für optional abrufbare Kontingente an die Konzernunternehmen aus. Die Steuerung über solche Zusagen sollte grundsätzlich auch im Hinblick auf verschiedene Fragestellungen überprüft werden, die sich nicht aus dem Konzernabschluss ergeben.

Existieren preis- und mengenmäßig fixierte Zusagen für die Zukunft, die physisch abgerufen werden müssen, handelt es sich bei Fremdwährungen in der Regel um Derivate. Dementgegen stellen Rohstoffkontingente in der Regel sowohl handelsrechtlich als auch nach IFRS Erfüllungsgeschäfte (executory contracts) dar. Diese schwebenden Geschäfte müssen in handelsrechtlichen Einzelabschlüssen auf drohende Verluste, bzw. unter IFRS auf eine provision for onerous contracts im Sinne des IAS 37.68, überprüft werden. Die genaue Bewertung solcher Zusagen unterscheidet sich zwischen beiden GAAPs.

Existieren jedoch preis- und mengenmäßig fixierte Zusagen, die auch über einen Barausgleich abgewickelt werden können, handelt es sich grundsätzlich um Derivate (IAS 39.9). Das gilt auch, wenn die abrufbare Menge bestimmt, der Abruf selbst allerdings im Ermessen einer Partei liegt (Option).

Manche Treasury-Abteilungen sagen Unternehmen des Konzernverbunds allerdings Wechselkurse oder Rohstoffpreise zu, die bis auf Widerruf gelten und mengenmäßig nicht bestimmt sind. Diese Wechselkurs- oder Preiszusagen können während ihrer Gültigkeit sowohl als Kassageschäft als auch für zukünftige Termine abgerufen werden. Das bedeutet, dass einzelne Abrufe auf diese Zusage auch dann noch gelten, wenn für neue Abrufe bereits ein anderer Konzernkurs gilt.

Sowohl handelsrechtlich als auch nach IFRS handelt es sich bei der Zusage selbst zunächst einmal um schwebend unwirksame bzw. aufschiebend bedingte Verträge, die grundsätzlich nicht bilanziert werden müssen. Sobald aber die Kurszusage für einen zukünftigen Termin preis- und mengenmäßig fixiert wird, etwa durch einen konkreten Abruf (beispielsweise +10 Millionen US-Dollar; -8 Millionen Euro am 15. Juni nächsten Jahres), entsteht formal ein internes Derivat. Darüber hinaus könnten die Abrufe auch als Kassageschäfte abgerufen werden. In diesem Fall entstehen keine internen Derivate.

Bei diesen Zusagen stellt sich nachfolgend die Frage, wie und ab wann das Treasury die für die Kurszusage benötigten externen Derivate auf die Tochterunternehmen weiterbelasten kann. Das gilt insbesondere, wenn Gesellschaften verschiedener steuerlicher Organe betroffen sind oder Hedge Accounting analog zu IFRS-Einzelabschlüssen (beispielsweise Dutch GAAP) angewendet werden soll.

Wenn die Weiterbelastung des Marktwerts bestehender externer Derivate erst zum Jahresende vertraglich begründet, entsteht formal ein nicht marktgerecht abgeschlossenes internes Derivat. Der Terminkurs dieses internen Derivats entspricht wahrscheinlich nicht dem aktuell marktgerechten Terminkurs. Die Gewährung eines solchen Derivats muss unter Umständen (in IFRS-Einzelabschlüssen) als Einlage oder Entnahme des Gesellschafters bilanziert werden. Eine vergleichbare Interpretation kann auch steuerlich geboten sein, sodass unter Umständen hier immaterielle Vermögensgegenstände ohne Anschaffungskosten zum Teilwert aktiviert werden müssen.

Dementgegen sollten die externen Derivate über die Anlage von internen Derivaten an die Tochterunternehmen weiter belastet werden, bevor die internen Derivate einen Marktwert aufweisen (das heißt zeitgleich mit den externen). Dieser Punkt ist vor allem hinsichtlich seiner Wechselwirkung mit der EMIR-Verordnung relevant. Aus dieser Regelung müssen interne Derivate innerhalb von zwei Arbeitstagen an ein Transaktionsregister gemeldet werden. Das bedeutet, dass interne Derivate nicht rückwirkend zum Monats- oder Jahresabschluss erstellt werden können, sondern einen Prozess in der täglichen Abwicklung voraussetzen.

Alternativ müssen die Ergebnisbeiträge der externen Derivate allerdings auch nicht an die entsprechenden Tochterunternehmen des Konzerns weiter belastet werden. Für Zwecke eines Einzelabschlusses fehlt es dem Unternehmen der Treasuy-Abteilung dann allerdings in der Regel an einem Grundgeschäft. Daher müssen externe Derivate in diesem Fall ohne die Nutzung von Bewertungseinheiten bzw. Hedge Accounting abgebildet werden.

Die Ausgestaltung der Sicherungsstrategie sollte in regelmäßigen Intervallen sorgfältig auf ihre Auswirkungen auf den Konzernabschluss, aber auch auf die Einzelabschlüsse, die Steuerbilanz und weitere Compliance-Themen (EMIR) analysiert werden. Nur auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass die Rahmenbedingungen eingehalten und genutzt werden können. 

 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 50, Dezember 2015

Autor: Felix Wacker-Kijewski, Manager, fwackerkijewski@kpmg.com

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