Währungsmanagement – Steuerung der bilanziellen Fremdwährungsrisikoposition

Steuerung der bilanziellen Fremdwährungsrisikoposition

Nicht erklärbare Wechselkurseffekte trotz Währungssicherung sind ein häufiger Anlass für kritische Nachfragen des Managements. Neben der unvollständigen Erfassung der Risikoposition sind deren im Zeitverlauf unterschiedliche und nicht hinreichend berücksichtigte Eigenschaften die wichtigsten Gründe hierfür.

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 49, November 2015

Exposure-Lebenszyklus und Sichtbarkeit von Wechselkurseffekten

Risiken aus Fremdwährungspositionen folgen einem Lebenszyklus, dessen Beachtung wesentliche Bedeutung für die Gestaltung der Risikosicherungsstrategie hat. Der Lebenszyklus ergibt sich dabei aus der Zuordnung einer Risikoposition zu verschiedenen, zeitlich zu differenzierenden, Prozessschritten: Budgetierung, Auftragserteilung, bilanzielle Erfassung der Transaktion (in der Regel bei Lieferung oder Rechnungsstellung) und Zahlung. Ausgehend von diesen Schritten spricht man auch von geplanten, kontrahierten und bilanzierten bzw. gebuchten Risikopositionen.

Während sich der ökonomische Effekt von Wechselkursänderungen auf das Grundgeschäft über den gesamten Lebenszyklus erstreckt, ist in der Buchhaltung nur ein Teil dieses Effektes sichtbar. Denn solange die zugrunde liegende Transaktion nicht in der Bilanz erfasst wurde, verursacht sie auch keine Effekte in der Bilanz beziehungsweise GuV. Sinkt also zum Beispiel bei einem Exportgeschäft zwischen Auftragskalkulation und der Einbuchung der Forderung der Wechselkurs, ist buchhalterisch noch kein Verlust realisiert. Vielmehr wird zunächst lediglich eine gegenüber der Planung betragsmäßig niedrigere Forderung als Umsatz erfasst. Diese Effekte aus Wechselkursveränderungen sind daher nicht aus dem Buchungsmaterial, sondern ausschließlich im Rahmen einer Nachkalkulation auf Basis der Kursentwicklung zu erkennen. Daher lässt sich das Wechselkursrisiko im Lebenszyklus bis zur bilanziellen Erfassung der Transaktion auch als kalkulatorisches Risiko bezeichnen, welches mit Fälligkeit der Risikoposition zahlungswirksam wird.

Wird die Transaktion, zum Beispiel bei Rechnungstellung, bilanziell erfasst, kann sie ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der Fremdwährungsfolgebewertung Ergebniseffekte verursachen, die sich dann buchhalterisch im Währungsergebnis niederschlagen (zum Thema Währungsergebnis siehe Newsletter 48 aus Oktober 2015). Sinkt beispielsweise der Kurs nach Einbuchung der Forderung weiter, kommt es am nächsten Bewertungsstichtag zu Währungsverlusten, die in der GuV zu erfassen sind. Es besteht also ein buchhalterisches Bewertungsrisiko bis zu dem Zeitpunkt der Zahlung, zu dem die Kurseffekte vollständig realisiert werden.  Doch wie kann die bilanzielle Risikoposition gesteuert werden und welche unterschiedlichen Anforderungen bestehen gegenüber der Sicherung geplanter oder kontrahierter Transaktionen?

Sicherungskonzept für bilanzielle Risikopositionen

In der Regel unterscheiden sich die Risikopositionen in den unterschiedlichen Lebenszyklusphasen in der Höhe ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit. Während in der Budget- und Planungsphase ein höheres Maß an Unsicherheit besteht, treten bilanzierte Transaktionen mit sehr hoher Sicherheit ein. Diesem Umstand wird zum Beispiel durch unterschiedliche Sicherungsquoten oder -bandbreiten Rechnung getragen. Während längerfristig geplante Transaktionen mit einer geringeren Quote, je nach Eintrittswahrscheinlichkeit zum Beispiel zu 25 oder 50 %, gesichert werden, um der Unsicherheit Rechnung zu tragen, können bilanzierte Risikopositionen mit sehr hohen Sicherungsquoten von bis zu 100% gesichert werden. Grundlage dafür muss demnach eine entsprechende Strukturierung der Risikopositionen im Treasury System anhand des Lebenszyklusmodells sein, um bilanzielle Risikopositionen von anderen Risikopositionen abgrenzen zu können. Zudem sollte die Sicherungsstrategie entsprechend eine Anpassung der Sicherungsquote bei Bilanzwirksamkeit berücksichtigen.

Neben der Eintrittswahrscheinlichkeit nimmt bei bilanzierten Transaktionen in vielen Fällen auch die zeitliche Bestimmbarkeit der Fälligkeit der Transaktion zu, da diese zum Beispiel durch die Rechnungsstellung hinreichend präzisiert wurde. Daher ist gegebenenfalls neben einer notwendigen Erhöhung der Sicherungsquote auch die Anpassung der Fälligkeit des Sicherungsgeschäfts vorzunehmen. Durch nicht ausreichende Nachjustierung der Sicherungsgeschäfte in Bezug auf die konkreten Fälligkeitstermine der Risikopositionen entstehen Inkongruenzen, die eine häufige Ursache für unerwartete Effekte im Währungsergebnis darstellen.

Rollierender Ansatz im Sinne einer „Währungsbilanz“

Da insbesondere letztgenannte Anforderung zur Nachjustierung der Sicherungsposition einen entsprechenden Ressourceneinsatz im Front Office erforderlich macht, wird in der Praxis auch ein weiterer Steuerungsansatz für das bilanzielle Währungsrisiko diskutiert: die Steuerung im Sinne einer Währungsbilanz.

Dabei werden im Sinne einer Bilanzaufstellung zu einem Stichtag die gebuchten aktivischen und passivischen Währungsrisikopositionen pro Währungspaar saldiert. Das daraus resultierende Nettoexposure bildet die Grundlage für einen kurzfristigen rollierenden Sicherungsansatz, mit einem Sicherungshorizont von beispielsweise 1-2 Monaten – unabhängig von den konkreten Fälligkeiten der einzelnen, gebuchten Risikopositionen. Im Rahmen einer regelmäßigen Neuberechnung der Währungsbilanz zum nächsten Betrachtungsstichtag erfolgt ­– unter Berücksichtigung der bestehenden Sicherungen – eine rollierende Anpassung der Sicherungspositionen. Dadurch kann sich der oben beschriebene Anpassungsaufwand der Einzeltransaktionen aufgrund von Ungenauigkeiten der Fälligkeiten reduzieren, da nur noch der Saldo der Währungsbilanz gesichert wird. Im Gegenzug lässt sich üblicherweise eine Reduzierung der Sicherungswirkung des Währungsmanagements in Bezug auf den gesicherten Kurs feststellen, da keine laufzeit-adäquate Kurssicherung erfolgt, sondern der Fokus auf einem Ausgleich der Effekte der bilanziellen Stichtagsbewertung liegt.

Fazit

Es bleibt festzuhalten, dass eine ausschließlich initiale Sicherung geplanter Transaktionen im Regelfall aufgrund des im Rahmen des Exposure-Lebenszyklus zunehmenden Informationsgehalts einer Risikoposition nicht ausreichend ist. Ebenfalls würde eine reine Sicherung der bilanziellen Risikopositionen das mögliche Währungsrisiko eines Grundgeschäfts nicht vollständig erfassen. Das Exposure muss über seinen gesamten Lebenszyklus analysiert und gesteuert werden. Der richtige Umgang mit dem bilanziellen Währungsrisiko stellt dabei einen elementaren Bestandteil bei der Reduzierung unerwünschter Währungsergebnisse dar.

Autor: Stephan Plein, Senior Manager, splein@kpmg.com 

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