ESG Due Diligence: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

ESG Due Diligence: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Mehr denn je bestimmen vermeintlich „weiche“ Faktoren wie Umweltschutz und Menschenrechte über den Erfolg eines Unternehmens. Daher sollte genau geprüft werden, welche Risiken für den Geschäftserfolg bestehen. Insbesondere beim Kauf von Unternehmen ist die ESG Due Diligence Gold wert.

Senior Manager, Sustainability Services

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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ESG Due Diligence

„Und plötzlich standen sie in der Schusslinie. Ein mediales Gewitter ging über sie nieder“, erzählt Martin G. Viehöver über ein Unternehmen aus der Textilbranche. Als bekannt wurde, dass ein Zulieferer seine Mitarbeiter unwürdig behandelte, war der Schaden messbar. Der öffentlichen Entrüstung folgte umgehend ein Umsatzrückgang.

Dabei kam der Zulieferer, der den Protest auslöste, erst vor kurzem mit dem Kauf eines Konkurrenten zum Unternehmen. Die Wucht der Kritik schmälerte dies allerdings nicht. „Der Medieneinfluss ist nicht zu unterschätzen. Wenn es fragwürdige Praktiken gibt, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit entlarvt. An Beispielen gibt es keinen Mangel“, sagt Viehöver, Senior Manager bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Deswegen sei eine fundierte und weitgefasste Prüfung notwendig, welche Risiken bestehen. Das gilt für das eigene Unternehmen genauso wie bei Zukäufen. „Die Due Diligence darf sich nicht allein auf finanzielle und rechtliche Aspekte beschränken. Entscheidend sind auch auf den ersten Blick „weiche“ Faktoren wie die Umwelt, der gesellschaftliche Anspruch und Regierungsagenden“, erklärt Viehöver. Die sogenannte ESG Due Diligence untersucht diese möglichen Risiken, englisch Environment, Social und Governmental genannt, kurz ESG.

Leichen im Keller finden

ESG Due Diligence ist das Resultat einer Jahrzehnte langen Entwicklung. Ende der 80er Jahre gewannen Umweltthemen deutlich an Relevanz. In den 90ern folgten Arbeitsbedingungen wie Sicherheit und Arbeitszeiten. Mit den sozialen Medien verstärkte sich in den vergangenen Jahren das Echo, das Missstände hervorriefen.

Für eine Unternehmensbewertung ist daher das Risiko genau zu analysieren. Gibt es Böden, die auf einem Firmengelände verseucht wurden? Werden entlang der Lieferkette Arbeiter schlecht behandelt? Gibt es Fälle von Korruption oder Bestechung? Selbst die Integrität des Managements ist ein Kriterium. Hier ist schon die Suche in verschiedenen Datenbanken nach etwaigen Verfehlungen unerlässlich.

Auch Investoren setzen auf das Thema ESG

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Investoren verstärkt auf ESG Due Diligence achten, um Gewinneinbußen auszuschließen“, so Viehöver. Denn die Stakeholder-Reaktionen, vor allem der Kunden, aber auch von Behörden, können sich nachteilig auf Kapitalkosten und Firmenwert auswirken. Zudem hat auch jedes Risiko eine Chancenseite, so können sich völlig neue Geschäftspotentiale aus der ESG-Analyse entstehen.

Allerdings unterliegen die gesellschaftlichen Ansprüche einem ständigen Wandel. Folglich sollte eine regelmäßige Bewertung durchgeführt werden, nicht nur beim Kauf eines anderen Unternehmens oder dem Verkauf des eigenen. Werden die richtigen Maßnahmen abgeleitet, kann die ESG Analyse einen klaren Vorteil gegenüber Wettbewerbern schaffen.

Nützlich ist sie auch dann noch, wenn der Schaden bereits entstanden ist. So wie bei dem Textilunternehmen, wie Viehöver zu berichten weiß: „Frühzeitiges einschalten von Experten für ESG Risiken hilft bei der Monetarisierung der Risiken und dabei Chancenpotentiale zu erkennen.“ Die Katze im Sack braucht keiner mehr zu kaufen.

Mehr zu ESG Due Diligence lesen Sie im aktuellen Assurance Magazin. 

Redaktion: Matthias Hiller 

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