Das Währungsergebnis – eine große Unbekannte für viele Unternehmen

Das Währungsergebnis – große Unbekannte für Unternehmen

Ein erster Blick auf das Währungsergebnis löst oft Fragen aus, wie: „Warum bestehen derartige Währungsergebnisse, wir sind doch gesichert gewesen?“

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 48, Oktober 2015

Die Bewegungen an den Devisenmärkten bringen es mit sich, dass das Thema „Währungsmanagement“ immer stärker in den Fokus der Vorstandsetagen rückt.

Schon ein erster Blick auf das Währungsergebnis löst vielfältige Fragen aus, wie beispielsweise: „Warum bestehen derartige Währungsergebnisse, wir sind doch gesichert gewesen?“ oder „Der USD ist seit Jahresbeginn stark gestiegen, warum wirkt sich dies nicht entsprechend auf unser Währungsergebnis aus?“

Auch einem erfahrenen Treasurer fällt es oftmals schwer, unmittelbar Antworten auf derartige Fragen zu finden. Die Ursachen hierfür liegen jedoch häufig nicht in einem fehlerhaften Währungsmanagement oder ungeeigneten Sicherungsstrategien des Treasury, vielmehr besteht in der Treasuryabteilung häufig keine eindeutige Klarheit darüber, wo sich­ und in welcher Form­ die jeweiligen Effekte aus Grundgeschäften und den entsprechenden Sicherungsinstrumenten im Abschluss niederschlagen.

Fehler oder Ineffizienzen in der systemtechnischen Einstellung der Rechnungslegungssysteme tun ihr übriges.

Nehmen wir an, ein Unternehmen sichert zukünftige Fremdwährungsumsätze mittels derivativer Finanzinstrumente ab. Gemäß den IFRS besteht keine eindeutige Vorschrift, in welchem GuV-Posten die Effekte der Sicherungsinstrumente bei phasengleicher Erfassung mit den Effekten der Grundgeschäfte zu bilanzieren sind. Zwar sieht die herrschende Meinung eine Erfassung im gleichen Abschlussposten wie das Grundgeschäft vor, eine grundsätzliche Erfassung der Ergebnisse der Sicherungsinstrumente für Währungsrisiken im Währungsergebnis steht dem Mandanten nach IFRS jedoch grundsätzlich frei.

Die jeweilige Sicherungswirkung tritt im zweiten Fall erst unterhalb des operativen Ergebnisses ein und das reine Währungsergebnis des Unternehmens ist alles andere als ausgeglichen.

Auch finden sich die Ursachen für nicht kompensierende Währungseffekte häufig in der Verwendung unterschiedlicher Systemkurse. Wird ein Fremdwährungsdarlehen am Abschlusstag im Rechnungslegungssystem erfasst, erfolgt dies in der Regel zum Tagessystemkurs, der oftmals das EZB-Fixing des Tages widerspiegelt.

Wird das Fremdwährungsdarlehen taggleich mit einem FX-Forward gesichert, so weist das Sicherungsinstrument mit hoher Wahrscheinlichkeit eine abweichende Kassabasis bedingt durch Tageskursschwankungen auf.

Eine unvollständige Kompensation der Währungseffekte ist vorprogrammiert, obwohl diese Ineffektivität mit Leichtigkeit durch die manuelle Eingabe der gleichen Kassabasis im Grund- und Sicherungsinstrument vermeidbar ist.

Fehlerquellen können aber auch rein technischer Natur sein. Sie entstehen beispielsweise bei der Erweiterung der Kontenstrukturen oder des Kontorahmens. Erfolgt die Anlage neuer Konten, so ist es essenziell, dass die jeweiligen Konten sachgerecht in den Fremdwährungsbewertungslauf zum Stichtag einbezogen werden.

Wird ein ordnungsgemäßes Mapping des neu angelegten Kontos in den Bewertungslauf unterlassen bzw. das Konto nicht in die Exposureberechnung integriert, so können durchs Treasury die daraus entstehenden Fremdwährungsrisiken nicht in die Auswirkungsanalyse einbezogen bzw. gesichert werden. Unerwünschte oder zumindest nicht erklärbare Währungseffekte sind die Folge.

Nicht zuletzt finden sich die Ursachen unerwünschter Währungseffekte bei einem gleichzeitigen aktiven Währungsmanagement auch in der zugrunde liegenden Methodik.

Die Sicherung von Währungsrisiken erfolgt in der Regel auf Plandaten, ein Soll-Ist Vergleich im Hinblick auf die tatsächlich eingetretenen Cash Flows und ein hiermit verbundenes Backtesting der Güte der Cash Flow-Planung wird oftmals unterlassen. Die Güte der Cash Flow-Planung bestimmt aber auch die Effektivität einer jeden Sicherungsentscheidung.

Beliebt ist auch die Sicherung von Nettopositionen oder das Unterlassen von Sicherungsmaßnahmen mit Verweis auf eine „natural hedge position“, wobei nicht berücksichtigt wird, dass die tatsächlichen Bruttotransaktionen der Grundgeschäfte zu unterschiedlichen Kursen Einzug in die Bücher des Unternehmens finden können. Währungseffekte im Abschluss des Unternehmens sind die Folge.

Ein effizientes Währungsmanagement geht somit Hand in Hand mit der eindeutigen Kenntnis, in welchen Abschlussposten die jeweiligen Wertänderungen auftreten werden und welche kompensierenden Effekte nicht nur zahlungswirksam, sondern auch bilanziell eintreten.

Abgerundet wird das Bild mittels eines maßgeschneiderten FX-Reporting, das eine hinreichende Transparenz und damit leichte Verständlichkeit für die Entscheidungsebene aufbereitet.

Autor: Ralph Schilling, Senior Manager, rschilling@kpmg.com

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