MIFID II: Welches Unternehmen wird der aufwendigen Regulierung einer Investment Firm unterliegen?

MIFID II: Wer unterliegt der Regulierung?

Mit dieser Frage muss sich jedes Industrieunternehmen beschäftigen, das Commodity Derivate hat und in den Anwendungsbereich der MIFID II fällt.

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 48, Oktober 2015 

Mit dieser Frage muss sich jedes Industrieunternehmen beschäftigen, welches Commodity Derivate im Bestand hat und damit in den Anwendungsbereich der MIFID II fällt. Neben einem aufwendigen Lizenzierungsverfahren sind insbesondere die Kapitalanforderungen der CRDIV sowie die automatische Einstufung als clearingpflichtige Financial Counterparty nach EMIR schmerzhaft.

Der Regulierer trägt jedoch der Tatsache Rechnung, dass Industrieunternehmen Commodity Derivate zur Sicherung von Risiken der normalen Geschäftstätigkeit nutzen und sieht deshalb eine Ausnahme vor, die auf Basis diverser Nachweise bei den Behörden proaktiv jährlich angezeigt werden muss. Für die Inanspruchnahme müssen zwei Berechnungen durchgeführt und dokumentiert werden: der „Market Size Test“ und der „Main Business Test“. Die MIFID II definiert „privilegierte Transaktionen“, die nicht in die Berechnung der Position des Unternehmens einbezogen werden. Dazu zählen Derivate mit nachgewiesenem Sicherungszusammenhang, interne Derivate und Derivate, die von Finanzinstituten in der Gruppe gehalten werden.

Bei Überschreiten eines Grenzwertes des Market Size Test gilt der Status der Investment Firm. Bei Unterschreiten der Grenzwerte ist zusätzlich der Main Business Test durchzuführen. Wenn dort ein Ergebnis zwischen 10 Prozent und 50 Prozent erzielt wird, dann sinkt der Grenzwert im Market Size Test um 50 Prozent und wenn ein Ergebnis über 50 Prozent erzielt, dann sinkt der Grenzwert im Market Size Test auf 80 Prozent (zum Beispiel 0,8 Prozent erlaubter Marktanteil bei Metals für nicht-Hedging Derivate).

Die Datenbasis für die erstmalige Berechnung der Tests ist Juli 2015 bis Juni 2016. Danach wird rollierend ein Ein,- Zwei,- und dann ein Dreijahresdurchschnitt zu berechnen sein.

Eine ganz zentrale Rolle kommt erneut der Hedging Exemption zu. Analog zur Definition unter EMIR (ESMA Q&A OTC 10) werden Risiken, Systeme und Dokumentationsanforderungen definiert, die als Nachweis für den Sicherungszusammenhang anerkannt werden. Es muss prozessual und bedingt durch das Gesamtsystem aus Portfolien, Büchern, Limiten und Quoten sichergestellt sein, dass Derivate ohne direkten Zusammenhang zu einem Grundgeschäft identifiziert und als nicht-hedging Derivat behandelt werden. Hierbei kann sich das Unternehmen nicht allein auf die bereits implementierten Nachweise verlassen, denn die MIFID II hat auch Börsenderivate im Anwendungsbereich.

Die Einhaltung der Vorgaben für den Nachweis des Sicherungszusammenhanges ist gerade für Unternehmen im Commodity-Handel und bei einer Steuerung auf Portfoliobasis kompliziert umzusetzen und entsprechend nachzuweisen. Industrieunternehmen mit direkter Sicherung von erwarteten Einkäufen und Absätzen dürften es deutlich einfacher haben, die Argumentation und Dokumentation aufzubauen, sofern diese für die Zwecke der EMIR für OTC-Derivate nicht schon ausreichend sind.

Angesichts der immensen Bedeutung, welche diese Ausnahme für Unternehmen haben kann, und dem Ziel der Finanzaufsicht, den Commodity-Markt deutlich stärker zu regulieren, sollte sich das Management Gewissheit darüber verschaffen, dass die Argumentation und Dokumentation sicher und standfest ist.

Zusammengefasst kommen folgende Aufgaben auf die Unternehmen zu:

• Identifizierung der Commodity-Transaktionen, die in den Anwendungbereich der MIFID II fallen und in die Berechnungen einzubeziehen sind

• Ausdehnung der für EMIR bestehenden Hedging-Nachweise für OTC-Commodity-Derivate auf Börsenderivate

• Analyse der Prozesse, Richtlinien, Risk Management- und IT-Strukturen im Hinblick auf eine gesonderte Behandlung der Derivate ohne Sicherungszusammenhang

• Jährliche Durchführung der erforderlichen Tests und Berechnungen und anschließende Benachrichtigung der relevanten europäischen Behörden

• Sollte es sich abzeichnen, dass die Ausnahme nicht in Anspruch genommen werden kann, so sind rechtzeitig Maßnahmen zu treffen, um zu gewährleisten, dass die Pflichten, die mit dem Status einer Investment Firm verbunden sind, bis Januar 2017 umgesetzt werden können – im Durchschnitt dauert die Umsetzung des Investment Firm Status sechs Monate. 

Autor: Martin Thomas, Senior Manager, martinthomas@kpmg.com 

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