Inside Außenhandel

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Die USA sind in den letzten Monaten zu Deutschlands größtem Exportpartner avanciert. Klar, der schwache Euro ist die Ursache. Tatsächlich? Denn auch die Importe aus den USA sind stark gestiegen – trotz des starken Dollars. Was die neuesten Außenhandelsdaten wirklich aussagen.

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Frankreich ist nicht mehr der größte Exportpartner Deutschlands – erstmals seit 1961. Abgelöst wurde Frankreich von den USA. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Deutschland mehr Waren in die Vereinigten Staaten verkauft als in jedes andere Land. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg deren Wert um 24 Prozent auf 55,8 Milliarden Euro.

Eine in verschiedenen Zeitungen zitierte Erklärung, dass der schwache Euro deutsche Produkte billiger gemacht habe, greift zu kurz, denn zugleich stiegen die Importe deutlich. Deutschland hat aus den USA 19 Prozent mehr Waren eingeführt. Der Wert stieg auf ein neues Rekordhoch von 29,4 Milliarden Euro. In der Rangfolge als größter Handelspartner (also die Summe von Im- und Exporten), überholten die USA (85,2 Mrd. Euro) die Niederlande (83,2 Mrd. Euro) und China (79,3 Mrd. Euro) und verkürzten den Abstand auf die führende Nation Frankreich (87,4 Mrd. Euro) im vergangenen Halbjahr deutlich.

Mögliche Ursachen für gestiegene Importe

Warren Marine, USA-Spezialist und Partner KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, vermutet, die enge Vernetzung deutscher Unternehmen mit den USA könnte eine Ursache sein. Viele deutsche Exportprodukte hätten einen hohen Anteil an importierten Vorleistungen. Zunächst mal habe der gegenüber dem Dollar in diesem Jahr schwächere Euro die Nachfrage nach deutschen Produkten erhöht. Denn im Vergleich zum Vorjahr hat der Dollar gegenüber dem Euro um etwa 20 Prozent zugelegt. Mit der gleichen Menge US-Dollar konnten mehr deutsche Produkte erworben werden. Diese bestünden aber wiederum teilweise aus Vorprodukten aus den USA, deren Nachfrage damit dann auch gestiegen wäre, erklärt Marine.

Die Wertschöpfungskette würde für diesen Effekt die entscheidende Rolle spielen. Wenn Deutschland relativ weiter hinten angesiedelt ist in der Produktionskette, sorge das dafür, dass der Handel mit den USA insgesamt gestiegen ist. Den teureren Dollar müssten die Importeure akzeptieren. „Die Produktionskette wird aber nicht von heute auf morgen umgestellt, auch wenn sich der Wechselkurs ändert“, so Marine.

Besonders stark ist von Januar bis Juni der Import von Autos, Maschinen, Medikamenten und Nüssen gestiegen. Möglich sei somit auch, so Marine, dass Deutschland vor allem Produkte aus den USA importiert, deren Preis den Kunden relativ egal ist, schon allein weil es wenig Alternativen gibt. Die Nachfragemenge ändere sich offenbar nicht so stark wie deren Preis, der den Währungskursschwankungen unterliegt.

Der Zusammenhang zwischen fallendem Euro und mehr US-Importen bestätigt sich über die vergangenen Jahre. Wurde der Dollar stärker, stiegen üblicherweise die Exporte in und die Importe aus den USA – und umgekehrt.

Frankreich weniger wettbewerbsfähig

Dass Frankreich nur noch zweitwichtigster Exportpartner Deutschlands ist, hänge zum einen mit dem Dollar zusammen, aber eben auch mit der Stagnation in Frankreich selbst, sagt Elisabeth Roumegoux-Rouvelle, KPMG-Partnerin und Frankreich-Spezialistin. Die Nachfrage nach deutschen Produkten habe daher nur leicht steigen (+4 Prozent) können.

Zudem würden die französischen Produkte weniger wettbewerbsfähig, weshalb die Importe aus Frankreich gesunken (-3 Prozent) seien. Zudem sei Deutschland für französische Firmen ein schwieriger Markt. „Der deutsche Konsument legt vor allem Wert auf günstige Produkte“, sagt Roumegoux-Rouvelle von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Für Investitionen aus dem Ausland wiederum sei Frankreich unattraktiv, so Roumegoux-Rouvelle. Durch die hohen Sozialabgaben und Steuern sowie die kurzen Arbeitszeiten würden Investoren Frankreich scheuen.

Schwacher Euro begünstigt Investitionen aus den USA

Dagegen wird nach Ansicht von Warren Marine der starke Dollar zu mehr Investitionen amerikanischer Firmen in Deutschland führen. „Amerikaner müssen jetzt 30, 40 Prozent weniger auf den Tisch legen, um eine deutsche Firma zu erwerben, deshalb wird mehr Geld nach Deutschland fließen“, sagt Marine. Er erwartet, dass der Euro längerfristig relativ günstig im Vergleich zum Dollar bleiben wird. Die Chancen auf einen noch billigeren Euro seien sogar hoch. Deswegen seien vermutlich die Investitionen aus den USA noch nicht stark gestiegen. „Es kann sein, dass die Investoren schon Pläne in den Schubladen haben und nur auf einen noch niedrigen Wechselkurs warten“, vermutet Warren.

Andererseits könnte die Zurückhaltung auch im mangelnden Vertrauen in die deutsche Innovationskraft begründet liegen. So ergab eine aktuelle Umfrage der amerikanischen Handelskammer, dass für 2025 nur noch 12 Prozent der befragten Unternehmen Deutschland eine Vorreiterrolle für Innovationen zutrauen. Chinesischer Entwicklungsgeist wird hingegen deutlich an Bedeutung gewinnen. Jeweils 38 Prozent erwarten, dass künftig China bzw. die USA die führende Entwicklernationen sein werden. Aktuell sehen 62 Prozent die USA führend, 28 Prozent Deutschland und nur 4 Prozent China.

Eine ausführliche Analyse über den Investitionsstandort Deutschland im weltweiten Wettbewerb veröffentlicht KPMG im Oktober.

Redaktion: Matthias Hiller 

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