IFRS 9 Kategorisierung und Bewertung - Herausforderungen für Industrieunternehmen bei der praktischen Umsetzung

IFRS 9 Kategorisierung und Bewertung

Bsp. Darstellung der Auswirkungen aus der Umstellung von IAS 39 auf IFRS 9 auf die Bilanzierung finanzieller Vermögenswerte bei Industrieunternehmen.

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 47, September 2015

Basierend auf dem am 24. September 2014 erschienenen Newsletter-Beitrag „IFRS 9 Kategorisierung und Bewertung ­ Ein Paradigmenwechsel?“ werden an dieser Stelle die sich aus der Umstellung von IAS 39 auf IFRS 9 ergebenden praktischen Auswirkungen auf die Bilanzierung finanzieller Vermögenswerte bei Industrieunternehmen beispielhaft dargestellt.

Der IFRS 9 sieht eine prinzipienbasierte Kategorisierung von Finanzinstrumenten vor. So sind in Abhängigkeit der beiden wesentlichen Klassifizierungsbedingungen ­ dem Geschäftsmodell und dem so genannten SPPI-Kriterium (solely payments of principal and interest) ­ die finanziellen Vermögenswerte in eine der folgenden Bewertungskategorien des IFRS 9 einzuordnen: 

Im Mittelpunkt steht dabei das SPPI-Kriterium, bei dem die vertraglichen Zahlungsströme aus einem finanziellen Vermögenswert ausschließlich aus der Rückzahlung (principal) sowie einer Verzinsung des ausstehenden Nominalbetrags (interest) bestehen dürfen. Der Zins kann dabei neben einer Vergütung für den Zeitwert des Geldes und das Ausfallrisiko folgende Bestandteile enthalten:

  • Prämie für das Liquiditätsrisiko
  • Verwaltungskosten
  • Eigenkapitalkosten
  • Gewinnmarge

Sämtliche vertragliche Vereinbarungen, die nicht mit dieser Definition in Einklang stehen bzw. kein grundsätzlicher Bestandteil einer gewöhnlichen Kreditvereinbarung (basic lending agreement) sind, führen zu einer erfolgswirksamen Bewertung zum Fair Value. Resultierend aus dieser strengen Auslegung von Zins und Tilgung kommt dieser Klassifizierungsbedingung eine zentrale Bedeutung bei der Kategorisierung finanzieller Vermögenswerte nach IFRS 9 zu. Zudem hat die Prüfung des SPPI-Kriteriums ­ im Gegensatz zur Bestimmung des Geschäftsmodells ­ auf Einzelvertragsebene zu erfolgen.

Eine Herausforderung dieser Vertragsanalysen stellt beispielsweise der modifizierte Zeitwert des Geldes dar. Ein derartiger Sachverhalt liegt bei einer Abweichung zwischen Tenor und Fixingperiode des zugrunde liegenden Zinses eines Finanzinstruments vor. Es gilt zu prüfen, ob die Verzinsung trotz der Modifikation des Tenors in Einklang mit dem SPPI-Kriterium steht. Hierzu müssen die undiskontierten Zahlungsströme des finanziellen Vermögenswerts mit denen eines Vergleichsinstrumentes, welches keiner Modifikation unterliegt, verglichen und hinsichtlich ihrer Wesentlichkeit untersucht werden.

Weitere Ausnahmen bestehen für Kündigungsrechte und Stundungsvereinbarungen. Diese entsprechen einer grundsätzlichen Kreditvereinbarung, wenn der Rückzahlungsbetrag im Wesentlichen die Tilgung des ausstehenden Kapitalbetrags sowie die Zinsen auf den ausstehenden Kapitalbetrag umfasst. Für Kündigungsrechte bei Finanzinstrumenten, die mit einem Auf- oder Abschlag gegenüber dem vertraglichen Kapitalbetrag zugegangen sind, sieht das IASB einen zusätzlichen Prüfschritt zur Erfüllung des SPPI-Kriteriums vor. Nach IFRS 9 muss der beizulegende Zeitwert der vorzeitigen Rückzahlungsmöglichkeit im Zugangszeitpunkt insignifikant sein.

Weicht wiederum die Vereinbarung einer Klausel vom Grundgedanken einer einfachen Kreditvereinbarung ab, bedeutet dies nicht zwingend, dass der finanzielle Vermögenswert der FVTPL-Kategorie zugeordnet werden muss. Letztlich bestimmt die Substanz der Vereinbarung, welcher Kategorie der finanzielle Vermögenswert zuzuordnen ist. So haben Vereinbarungen keine schädliche Auswirkung auf das SPPI-Kriterium, wenn sie lediglich einen äußerst geringfügigen Einfluss auf die Zahlungsströme ausüben („de minimis“) oder der Eintritt als unwahrscheinlich gilt („not genuine“).

Die geänderten Anforderungen der Klassifizierung nach IFRS 9 bergen, insbesondere bei einem heterogenen Bestand an Finanzinstrumenten, einen nicht zu unterschätzenden Analyseaufwand. Das SPPI-Kriterium ist dabei nicht nur einmalig im Rahmen der Erstanwendung des IFRS 9 anzuwenden, sondern auch in den fortlaufenden Kategorisierungsprozess zu implementieren. Aufgrund des hohen Detaillierungsgrads an Prozessen sowie die im Standard nicht genauer definierten Wesentlichkeiten wird Unternehmen empfohlen, sich frühzeitig mit der Implementierung auseinanderzusetzen.

Autor: Dr. Christoph Lippert, Manager, christophlippert@kpmg.com

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