Chinas Wirtschaftskrise: Was deutsche Unternehmen erwartet

Chinas Krise: Was deutsche Unternehmen erwartet

Die Wirtschaftslage in China verunsichert deutsche Unternehmen. Allerdings lohnt es sich, die markanten Zahlen und Indikatoren näher zu betrachten.

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Die Wirtschaftslage in China verunsichert deutsche Unternehmen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres sanken die Importe um 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum; die Exporte gingen um 1,6 Prozent zurück, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mit Bezug auf die Allgemeine Zollverwaltung meldete. Gerade für die exportorientierte deutsche Industrie, für die China ein bedeutender Markt geworden ist, wirken sich sinkende Importzahlen nachteilig auf die Umsätze aus. So sanken die Exporte der Maschinenbauer nach China von Januar bis Juni um 4,9 Prozent, wie der Branchenverband VDMA meldete.

Die Exporte Südkoreas nach China schrumpften im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,7 Prozent. Da Südkorea als Zulieferer für Chinas Industrie gilt, deutet dies laut dem Economist auf eine geringere Nachfrage und damit eine fallende Industrieproduktion hin.

Indizien für einen Abschwung

Dass die Importe in China stärker gefallen sind als die Exporte, ist umso bemerkenswerter, da der Yuan stark gegenüber vielen Währungen wie dem Euro und den südkoreanischen Won gestiegen ist. Von Juli 2014 bis Juli 2015 verteuerte sich die chinesische Währung gegenüber dem Euro um etwa 20 Prozent, da sie weitgehend an den Dollar gekoppelt ist. Unter gleichen Umständen hätte damit der Handelsüberschuss sinken müssen, stattdessen ist er deutlich gestiegen. Dies ist ein klares Indiz, dass die Nachfrage in China real sinkt.

Auch andere Indikatoren weisen auf einen nachlassenden Aufschwung hin. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau fiel die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 26,4 Prozent. Mit den zahlreichen Casinos hängt Macau stark vom Reichtum der Festlandschinesen ab. Die scheinen momentan weniger risikobereit, weil sie entweder Geld verloren haben, unsicher ob ihres künftigen Einkommens sind oder aufgrund der Anti-Korruptionskampagne vorsichtiger mit dem Ausgeben von Geldern zweifelhafter Herkunft geworden sind.

Der Caixin/Markit Einkaufsmanagerindex der Industrie fiel im August auf den Wert von 47,3 und liegt damit bereits den sechsten Monat in Folge unter der Marke von 50. Erst ein Wert von mehr als 50 Punkten signalisiert Wachstum.

Was hinter den Zahlen steckt

Allerdings lohnt es sich, die markanten Zahlen und Indikatoren näher zu betrachten. So ist der Caixin/Markit-Indikator, der von einer Firma herausgegeben werden, die zum Teil in chinesischem Besitz ist, nicht unumstritten. „Über die chinesischen Statistiken gibt es viele Spekulationen. In China werden Zahlen und deren Interpretation eher positiv kommuniziert, während man generell im Westen Statistiken eher kritisch und pessimistisch interpretiert“, sagt Andreas Feege, Partner von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Leiter des China Practice.

Transformationswehen

„China hat eine nicht ganz einfache Zeit vor sich“, erklärt Feege. „Man versucht, das Geschäftsmodell umzustellen von der Produktion günstiger Massengüter zur Fertigung hochwertiger Güter designed in China. Die Inlandsnachfrage soll gesteigert und der Dienstleistungssektor gestärkt werden, um sich vom Export unabhängiger zu machen.“ Das alles sei aber nicht mit den herkömmlichen Strukturen überleitbar.

Daher habe sich die Regierung zu „mehr Markt“ bekannt. Erst vor wenigen Tagen bekräftigte die Regierung auf mehr Markteinfluss zu setzen. Gemeinsam veröffentlichten das Zentralkomitee und der Staatsrat Richtlinien, die langfristig eine Teilprivatisierung der Staatsunternehmen vorsehen. „Allerdings sind noch keine wesentlichen Reformen in der Realwirtschaft umgesetzt worden, etwa die Reform der Staatsbetriebe. Die Änderungen in der Finanzpolitik scheinen ebenfalls eher kurz- als langfristige Wirkungen zu zeigen“, sagt Feege.

Noch sei die chinesische Wirtschaft sehr stark von Infrastrukturinvestitionen abhängig und werde über die nächsten Jahre einem Anpassungsprozess unterliegen, so Feege. Dies resultiere in schwächerem Wachstum als geplant.

Wachsam sein

Aktuell könne es zudem sein, dass die chinesischen Haushalte verunsichert seien durch die Börsenkapriolen und die Anti-Korruptionskampagne, sagt Feege. Es gebe auch Hinweise, dass sich die Nachfragestruktur der chinesischen Haushalte geändert habe. Daher gelte es für deutsche Firmen wachsam zu sein und den Markt genau zu beobachten, denn die chinesischen Verbraucher seien kritischer geworden.

6 Prozent von 10,4 Billionen Dollar

Aber selbst ein Wachstum von 6-7 Prozent wäre eine stolze Größe angesichts des absoluten Wertes des chinesischen Bruttosozialprodukts von 10,4 Billionen US-Dollar. Zumal die Gesellschaft altert und die Zahl der Arbeitskräfte sinkt. Sollte etwa Indien die lange gehegten Erwartungen erfüllen und ähnliche Wachstumsraten schaffen, wie China in den vergangenen Jahrzehnten von um die zehn Prozent, wäre der Effekt für die Weltwirtschaft deutlich kleiner als Chinas nun etwas reduziertes Wachstum.

Und so machen die Sorgen um die chinesische Krise vor allem eins klar: Wie wichtig das offiziell kommunistische China mittlerweile für die Weltwirtschaft geworden ist.

 

Redaktion: Matthias Hiller

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