Produktionsstandort Deutschland vor Renaissance

Produktionsstandort Deutschland vor Renaissance

Deutsche Firmenlenker wollen in den kommenden drei Jahren kräftig wachsen – mitunter auch durch Zukäufe. Die Aussichten für die Renaissance des Produktionsstandortes Deutschland stehen günstig.

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Made in Germany – das galt lange als echtes Qualitätssiegel, mit dem beim Kunden mit Erfolg um Vertrauen geworben wurde. Im Zuge der Globalisierung wurde China zur Werkbank der Welt. Doch die Zeit der großen Abwanderungswelle scheint vorerst vorbei zu sein. Das sogenannte „Reshoring“, also die Rückverlagerung von Produktionsstätten, wird für viele deutsche Unternehmen immer interessanter. Im Januar 2014 wurde in der KPMG-Untersuchung Consumer Currents Issue 16 berichtet, dass viele europäische Firmen, unter ihnen auch viele deutsche, ihre Produktion wieder nach Hause holen. 

Der Trend ist nicht neu – aber hält an

Wie Zahlen des Fraunhofer Institutes von 2009 bereits belegen, sind die Zahlen der Produktionsverlagerung rückläufig und liegen derzeit bei unter 10 Prozent. Zum Vergleich: 1999 lag die Zahl der Auslandsverlagerung der Unternehmen, die zum deutschen verarbeitenden Gewerbe zählen, bei mehr als 27 Prozent. Die Gründe sind vielschichtig und besonders gut am Beispiel China festzumachen. In verschiedenen Medien wurde darüber diskutiert, ob die Wachstumszahlen des einstigen Industriegiganten womöglich geschönt sind. Zwar steigen die Verlagerungen in dieses Land weiter, jedoch nehmen auch die Rückverlagerungen dazu. 

Laut Wirtschaftswoche hatte eine Reihe von deutschen Unternehmen 2010 bereits den Weg zurück nach Deutschland angetreten. Kettensägen-Hersteller Stihl produziert nun wieder zum Großteil im schwäbischen Waiblingen, ebenso wie Stofftier-Riese Steiff. Das Unternehmen aus Giengen an der Brenz hatte im Zuge des Hypes um das Berliner Eisbär-Baby Knut Plüschtiere in China zusammennähen lassen und war mit der Qualität nicht zufrieden.

Die Modelleisenbahn-Bauer von Märklin investierten 2014 ebenfalls kräftig in die Rückverlagerung aus China: Insgesamt gab das Unternehmen im Zuge dieser Entscheidung mehr als 10 Millionen Euro aus, auch für das Stammwerk in baden-württembergischen Göppingen. 

Kopien gehören zu den Hauptgründen

Dazu fürchten die Unternehmen, dass der gute Ruf ihrer Produkte durch Kopien verletzt werden könnte. Auf den Internet-Seiten von Bosch wird immer wieder heftig darüber diskutiert, wie Kopien erkannt werden und was das Unternehmen selbst dagegen unternimmt. 

Nicht nur deutsche Unternehmen sind von Markenverletzungen betroffen: Für besonderes Aufsehen sorgt derzeit der „Landwind X7“. Das chinesische Fabrikat gibt es zum Neupreis für 20.000 Euro. Wer mit dem britischen Original, dem Landrover Evoque auf die Straße möchte, muss mindestens 60.000 Euro ausgeben. Wie es aus der Jahresbilanz 2014 des deutschen Zolls heißt, verhinderten die Zöllner allein im abgelaufenen Jahr die Einfuhr von mehr als 5,9 Millionen gefälschten Waren im Wert von 138 Millionen Euro.

Für Karl Braun, Mitglied des Vorstands von KPMG in Deutschland, sind die neuesten Entwicklungen nicht verwunderlich. CEOs müssen ihre Marke schützen, um neue Märkte zu erschließen, denn „weil der Wettbewerb härter und die Märkte volatiler werden, wird die Bedeutung einer Diversifizierung der Absatzmärkte, z.B. in wachstumsstarke Länder Südostasiens, Lateinamerikas, aber auch Afrikas zunehmen.“

Qualitätsprobleme für eine volle Lohntüte

Tatsächlich lässt sich seit 2009 erkennen, dass die Rechnung für CEOs immer weniger aufgeht. Die Hauptgründe dafür sind laut der Fraunhofer-Studie schnell ausgemacht. Das Lohnniveau der Fachkräfte in China zieht merklich an, die Probleme in Sachen Qualität sind hingegen bestehen geblieben. 

Wie das Online-Portal ingenieur.de berichtet, beläuft sich der Lohnkostenanteil des Bruttofertigungspreises auf 20 Prozent. Zwei Drittel seien allerdings Projektmanagement- und Koordinierungskosten, die bei einer Verlagerung nicht sinken würden. Ziehen dann die Löhne wie in China in den vergangenen Jahren mitunter  bis zu 15 Prozent an, ist der Standortvorteil schnell nichtig. 

CEOs fürchten die Konkurrenz

Ein Blick in die Umfrage CEO Outlook 2015 gibt womöglich ein entscheidendes Indiz dafür, warum Unternehmen lieber vor der eigenen Haustür produzieren. Mehr als 60 Prozent der befragten CEOs fürchten, dass der Konkurrenzdruck durch neue Marktteilnehmer in den kommenden Jahren stark steigen wird. Wollen bekannte Marken Kunden an ihr Unternehmen binden, müssen sie konstant hochwertig liefern – und sich stets neu erfinden. 

Für die künftige Rolle der CEOs heißt das laut Karl Braun: „Der CEO der Zukunft ist nicht mehr nur der Agent der Veränderung, sondern ihr Anführer. Er transformiert sein Unternehmen und richtet es vollständig auf Innovation aus. Gleichzeitig behält er den Fokus auf operationelle Exzellenz, um auch in Phasen großen Wachstums und intensivem Umbaus hohe Profitabilität zu sichern. Dabei bedient er sich in größtem Umfang der Möglichkeiten der Digitalisierung.“ 

Redaktion: Moritz Ballerstädt 

Der deutsche CEO Outlook 2015

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Was in den kommenden drei Jahren auf der Agenda der deutschen Unternehmenslenker steht, zeigt die Umfrage CEO Outlook 2015.

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