Positionspapier Treasury-Organisation 4.0

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Auszug: KPMG-Positionspapier Treasury-Organisation 4.0

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 46, August 2015

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem KPMG-Positionspapier Treasury 4.0.

Als Maßstab zur Beurteilung der Angemessenheit und Ordnungsmäßigkeit des Risikomanagements und Risikocontrollings in Industrie- und Handelsunternehmen gelten aktuell die Veröffentlichungen des Verband Deutscher Treasurer e.V. (Governance in der Unternehmens-Treasury) sowie des Arbeitskreises „Finanzierungsrechnung“ der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. (Risikomanagement und Risikocontrolling in Industrie- und Handelsunternehmen).

In Ermangelung verbindlicher rechtlicher Vorgaben für Industrie- und Handelsunternehmen bilden die sinngemäße Anwendung der durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) erlassenen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) in deutschen Kreditinstituten bzw. deren Vorläuferregelung die Grundlage nicht nur für den Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Beurteilung des internen Kontrollsystems, sondern auch für die Interne Revision. Nicht zu vergessen ist in diesem Kontext die Grundlage als Beurteilungsmaßstab für Good Market Practice. Die Veröffentlichung der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft datiert aus dem Jahr 2000, die des Verband Deutscher Treasurer aus dem Jahr 2008.

Betrachtet man sowohl die globalen volkswirtschaftlichen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Finanzrisiken als auch die technologischen Entwicklungen im Bereich der Treasury-Software, so führt dies zum Schluss, dass Maßstäbe, welche 7 bzw. 15 Jahre alt sind, nicht mehr angemessen sein können. Doch was ist der heutige angemessene Maßstab und welche Konsequenzen ergeben sich hieraus?

In einem aktuellen KPMG-Positionspapier haben wir 4 Thesen formuliert, welche die Konsequenzen wirtschaftli-cher Veränderungen sowie technischer Entwicklungen für das Treasury aufgreifen und stellen diese zur Diskussion.

Der Begriff „Industrie 4.0“ ist in aller Munde: Die „Informatisierung der Fertigungstechnik“ mit dem Ziel der Schaffung einer „intelligenten Fabrik“ (Smart Factory), welche sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz, ergonomische Gestaltung sowie die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse auszeichnet.

Wenn also die IT zu einem bestimmenden Faktor wird (und in vielen Bereichen bereits ist), dann muss das Konzept der „Industrie 4.0“ auch unmittelbare Auswirkungen auf das Treasury haben. Schon heute ist dies an drei Entwicklungen erkennbar:

  1. Erstens an den Möglichkeiten komplexer Steuerungsmöglichkeiten mittels sogenannter High-End Treasury-Systeme und dem damit einhergehenden Konzept des „Management by Exception“, welches den höchsten Grad der Automatisierung im Treasury darstellt. 
  2. Zweitens durch die teilweise extrem kostengünstige Abbildung der Kern-Treasuryfunktionen mittels SaaS-Lösungen und drittens die Schaffung heterogener Best-of-Breed-Systemplattformen durch Anbindung einzelner Dritt-Applikationen zur Optimierung der Systemunterstützung.

Was bedeutet dies nun konkret für das Treasury, unabhängig von Größe und Komplexität?

Es bedeutet, dass die IT zu einem bestimmenden, wenn nicht gar dem bestimmenden Maßstab für Good Market Practice wird. Gemeint ist hier der IT Standard, das heißt Applikationen, welche heute verfügbar und bei Unternehmen bereits im Einsatz sind und somit den Nachweis der Funktionsfähigkeit erbracht haben.

Aktuell verfügbare Systeme und die daraus konfigurierbaren Systemlandschaften bieten einen sehr hohen Automatisierungsgrad in den Treasury-Prozessen („echtes Straight-Through-Processing“). Dies führt zu einer wesentlichen Reduzierung von manuellen Tätigkeiten und somit zu signifikanten Effizienzgewinnen. Insbesondere Abwicklungs- und Kontrolltätigkeiten im gesamten Cash- und Risikomanagement-Prozess können weitestgehend systemseitig abgedeckt und automatisiert werden.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus der Treasury-Aktivitäten (weiter) durch sich verändernde Geschäftsmodelle, Risikostrukturen sowie neue regulatorische und veränderte buchhalterische Anforderungen weg von abwickelnden Tätigkeiten hin zu analytischen Tätigkeiten eines Center of Knowledge and Excellence (CoKE).

Dies kann unserer Einschätzung nach nicht ohne Auswirkung auf die interne Organisation bleiben: Die in vielen Industrie- und Handelsunternehmen etablierte Aufbauorganisation – die Separierung in Front Office, Middle Office, Back Office wie sie in den oben beschriebenen zwei Maßstäben beschrieben wird – ist bei konsequenter Nutzung der technologischen Möglichkeiten sowie der Best-Practice-Strategien im Risiko- und Cash Management, vor dem Hintergrund von Ressourceneinsatz, Prozess-Schnittstellen und Fokussierung der Mitarbeiter, nicht mehr effizient und auch unter Compliance-Aspekten nur noch hinsichtlich einer Trennung von Handel und Marktfolge erforderlich.

Dennoch bleibt das Treasury ein neuralgischer Punkt, unter anderem mit dem Abschluss von derivativen Finanzinstrumenten sowie der Durchführung von Zahlungsverkehr und Cash Management: Im Falle von Missmanagement kann es das gesamte Unternehmen in Schieflage bringen, sodass die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems ein elementarer Punkt bleiben muss.

Daher stellen wir 4 Thesen auf, welche die Eckpunkte einer angemessenen Treasury-Organisation neu definieren:

1. Der Einsatz von professioneller Treasury-IT wird zur Pflicht

2. In Kernbereichen ist eine zentrale Treasury-Organisation alternativlos

3. Der klassische Händler gehört aufgrund technischer Entwicklungen der Vergangenheit an

4. Das Back Office hat als eigenständige Organisationseinheit ausgedient

Mehr zu den Thesen und ihrer Herleitung finden Sie im vollständigen Positionspapier, welches zum Download bereitsteht [siehe unten].

Autor: Carsten Jäkel, Partner, cjaekel@kpmg.com

 

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