Hamburg: Kein sicherer Hafen?

Hamburg: Kein sicherer Hafen?

Der Hamburger Hafen hat weniger Container umgeschlagen. Schuld sind die Krisen in China und Russland. Aber auch der niedrige Ölpreis spielt eine wichtige Rolle – zum Vorteil der Niederlande.

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Hamburger Hafen

Der Hamburger Hafen verliert gegenüber den europäischen Konkurrenten. Das gesetzte Umsatzziel wird der Hafen in diesem Jahr vermutlich verfehlen. Statt eines erwarteten Zuwachses wurden im ersten Halbjahr mit 4,5 Millionen Standardcontainern 7 Prozent weniger Container umgesetzt als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr, wie der Hafen Hamburg Marketing e.V. mitteilte. Gleichzeitig konnten die Häfen in Rotterdam und Antwerpen zulegen. KPMG-Experte Hartmut Heckert ordnet die Entwicklung ein.

„Hamburg hat vor allem aufgrund seiner traditionell starken Beziehungen zu China und Russland verloren“, sagt Hartmut Heckert von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „China und Singapur sind mit Abstand die größten Märkte für Hamburg, aber gerade dort hat sich der Handel schwach entwickelt.“ Hinzu komme die Wirtschaftskrise in Russland. Damit ist Hamburg nach Rotterdam und Antwerpen aktuell nur noch der drittgrößte Hafen Europas.

Der große Vorteil, die Nähe zur Ostsee, verliere angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung an Bedeutung, so Heckert. Mit Russland brach der Containerverkehr um 36 Prozent ein. Zugleich leide der Hamburger Wettbewerbsvorteil, wenn die Ölpreise sinken. „Mit den niedrigen Treibstoffpreisen lohnt es sich, längere Strecken mit kleineren Schiffen zu fahren“, sagt Heckert. Die Ostseehäfen könnten nur sogenannte Feeder ansteuern – Schiffe, die deutlich kleiner sind als die Überseefrachter. Gerade die Zahl der Feedertransporte sei im Hamburger Hafen stark zurückgegangen. Einige der kleineren Schiffe würden jetzt schon von Antwerpen und Rotterdam aus die Ostsee bedienen.

Ein strukturelles Problem kann der KPMG-Experte aber nicht erkennen. Der Rückgang verdeutliche aber, wie hoch in Teilbereichen der deutschen Wirtschaft die Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung in China und Russland sei.

Mehr Kohle

Gestiegen ist hingegen der Umschlag von Massengütern. Prinzipiell könnte dies ein Indikator für eine anziehende Weltkonjunktur sein, da mehr Massengüter für eine stärkere Nachfrage der verarbeitenden Industrie sprächen. Laut Heckert handelt es sich in diesem Fall aber um einen regionalen Sondereffekt. „Im März hat das neue Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg den Betrieb aufgenommen. Meine Interpretation ist, dass der Anstieg zum guten Teil darauf zurückzuführen ist“, vermutet Heckert. Insbesondere der Transport von Kohle sei stark gestiegen.

Allerdings konnte dies den Rückgang im Containerumsatz nicht ausgleichen. Insgesamt verringerte sich der Seegüterumschlag um 2,5 Prozent auf 585 Millionen Euro.

Unrentabel ist der Hafen trotzdem nicht. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) als eines der bedeutendsten Umschlagunternehmen konnte den Gewinn vor Steuern sogar steigern. Ursache sei die verlängerte Lieferkette ins Hinterland mit dem Ausbau des intermodalen Transports. Die HHLA-Bahngesellschaften bewegten mehr Güter von und zur Adria und den polnischen Seehäfen.

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