Jung, weiblich − und keine Lust auf Neuwagen

Jung, weiblich − und keine Lust auf Neuwagen

Junge Frauen kaufen immer weniger Neuwagen. Einer Studie des CAR-Centers Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen zufolge werden nur noch 32,2 Prozent aller Privatautos von Frauen bestellt. Und: Weniger als 30 Prozent der Frauen, die sich 2015 bisher einen Neuwagen kauften, waren jünger als 45 Jahre.

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Die Tendenz ist abnehmend. Vor einem Jahr waren noch 34 Prozent der Neuwagenkäufer Frauen. 2009 wurden 40 Prozent der Neuwagen-Kaufverträge von Frauen unterzeichnet. Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Direktor des CAR-Centers, bestätigt: „Der Methusalem-Effekt bei den Neuwagenkäufern ist bei den Frauen besonders sichtbar.“ In der Verantwortung sieht er die Autobauer selbst. Die bemühen sich seiner Ansicht nach zu wenig um ihre Kundinnen: „Die Männerwelt Auto hat es kaum geschafft, sich der wichtigen weiblichen Zielgruppe emotional und spannend darzustellen, angefangen vom Produkt, über die Rabattstruktur und den Vertrieb bis zur Werbung.“

So fortschrittlich die verbaute Technik auch ist, welche Vorteile sie auch bringen mag – Frauen fühlen sich von der komplexen Elektrizität weniger angesprochen. Sie sind nicht bereit dazu, für diese zu zahlen. Hersteller preisen Pferdestärken und Zylinderanzahl besonders an. Aber hat Dudenhöffer mit seiner Aussage Recht? Konzentrieren sich die Autobauer zu sehr auf die männlichen Käufer?

Autobauer müssen beide Geschlechter im Blick haben

Nein, meint Brigitte Romani, Autoexpertin und Partner bei KPMG: „So einfach ist das nicht.“ Vielmehr müsse man die Situation differenziert betrachten. Natürlich gebe es Autobauer, die tatsächlich in erster Linie für das männliche Geschlecht produzieren. Einige Firmen hingegen haben sehr wohl Frauen und Männer gleichermaßen im Blick. „Paradebeispiel ist Volkswagens Werbekampagne für den Tiguan vor einigen Jahren.“ Zur Erinnerung: Model Heidi Klum und Sänger Seal − zum damaligen Zeitpunkt noch verheiratet − fahren als Markenbotschafter durch Los Angeles. Jeder in seinem eigenen Tiguan. Am Ende treffen sie vor ihrem Haus aufeinander. Message: Beide haben großen Spaß. Das perfekte Auto. Sowohl für ihn, als auch für sie. „Kommunikation ist das A und O.“ Romani empfiehlt den Herstellern, ihre Produkte außerdem zielgruppenorientiert zu platzieren.

Romani erkennt eine andere Problematik: „Frauen denken in vielen Fällen ökonomischer.“ Car-Sharing-Dienste sind zumindest in Deutschlands größeren Städten angekommen. Zu diesem Ergebnis kommt KPMG im Zuge der globalen Studie „Me, my car, my life“. Die Konsumenten, und eben vorzugsweise die verhältnismäßig sparsamen Frauen, schrecken in Anbetracht dieser Trendwende davor zurück, mehrere Tausend Euro für einen Neuwagen auszugeben.

Frauen wollen Farben

Frauen legen beim Autokauf neben der Funktionalität vor allem Wert auf Ästhetik. „Eine große serienmäßige Farbvielfalt, die von der Schwarz-Weiß-Grau-Auswahl abweicht, trifft den Nerv der weiblichen Käufer“, sagt Romani. „Zusätzlich sind mir Nachhaltigkeit und eine qualitative Verarbeitung wichtig.“ Auch moderne technische Standards sollten eingehalten sein.

Off-Roader als Familienkutsche

Ferdinand Dudenhöffer gibt zu Bedenken, dass die Autoindustrie entweder „Rennmaschinen wie Ferrari und Lamborghini, Maserati oder Luxuslimousinen wie Bentleys oder eben dicke SUV“ baut. Sein Fazit: „Alles drei ist nicht Frauensache.“ Mit dieser Aussage geht Brigitte Romani nicht konform. Ganz im Gegenteil. Sie findet: „Der Range Rover Evoque zum Beispiel hat das Potenzial, ein klasse Frauenauto zu sein.“ Tatsächlich würde sie Herstellern empfehlen, mit einem Geländewagen gezielt und aktiv auch die weibliche Zielgruppe anzusprechen. Gerade für Fahrten mit der ganzen Familie mit Blick auf die gefühlte Sicherheit, oder auch nur um die Kinder womöglich mitsamt Sportausrüstung von A nach B zu befördern, eignen sich große Autos.

 

Redaktion: Rike Fabia Lohmann 

Automobilindustrie

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