Finanzmarktregulierung für Derivate – neue Vorschläge der Aufsichtsbehörden mit drastischen Auswirkungen

Finanzmarktregulierung für Derivate

Auswirkungen der Vorschläge des Baseler Bankenausschusses und der ESMA zur Eigenkapitalunterlegung des Derivatehandels der Banken

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 46, August 2015

Basel III: Eigenkapitalunterlegung für das CVA-Risiko

Die im Juli und August vorgelegten Vorschläge des Baseler Bankenausschusses und der ESMA zur Eigenkapitalunterlegung des Derivatehandels der Banken sowie zur Ermittlung der Clearingpflicht unter EMIR können erhebliche Auswirkungen auch auf die Sicherungsstrategien von Corporates haben. In beiden Fällen soll die Ausnahmeregelung für Derivate, die zu Sicherungszwecken abgeschlossen wurden, entfallen. Dies kann die Kosten der Absicherung erhöhen bzw. bei einem umfangreichen Derivategeschäft zum Eintritt der Clearingpflicht führen.

Im Februar 2015 hatte die European Banking Authority (EBA) Empfehlungen an die Europäische Kommission für eine Überarbeitung der Eigenkapitalunterlegung für Risiken aus einer bonitätsinduzierten Abwertung von Derivaten (Credit Valuation Adjustment) abgegeben. Infolge wurde vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) am 1. Juli 2015 ein diesbezügliches Konsultationsdokument veröffentlicht. Die wesentlichen Aspekte der Vorschläge des BCBS umfasst neben methodischen Änderungen (Integration der Eigenkapitalunterlegung von CVA-Risiken in das Marktpreisrisiko-Framework, Angleichung des regulatorischen CVA-Risikos an das handelsrechtliche CVA) auch die Einbeziehung sämtlicher Derivate, mit der Ausnahme von Derivaten mit Central Clearing Counterparties (CCPs).

Dieser Vorschlag würde bedeuten, dass entgegen dem derzeitigen Stand der Umsetzung der Vorgaben des BCBS in der EU (der Capital Requirements Regulation ­ CRR) keine Ausnahme mehr für die von Industrie- und Handelsunternehmen eingesetzten Sicherungsgeschäfte hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung durch die Banken besteht. Banken müssten unabhängig vom Status des Geschäftspartners das Risiko ermitteln, dass während der Laufzeit der Marktwert eines Derivats aus Sicht des Unternehmens negativ, das heißt zu einer Verbindlichkeit für das Unternehmen wird und damit das Kreditrisiko des Unternehmens einen Bestandteil des Fair Values ausmacht. Dieses bonitätsinduzierte Bewertungsrisiko muss die Bank dann mit haftendem Eigenkapital unterlegen.

Soweit die hierfür anfallenden Eigenkapitalkosten durch die Bank auf den Vertragspartner überwälzt werden, verteuern sich für diesen die Kosten der Absicherung. Um die Realwirtschaft nicht zu belasten wurde in der bestehenden EU-Verordnung zur Umsetzung der Anforderungen von Basel III eine Ausnahme für diejenigen Derivate geschaffen, die von Industrie- und Handelsunternehmen nachweislich zu Sicherungszwecken eingesetzt werden. Diese Ausnahme könnte nun wieder entfallen, sollten die Vorschläge von EBA und BCBS Eingang in die EU-Regulierung finden.

EMIR: Schwellenwertberechnung für Clearingpflicht

Im Rahmen der Antworten auf das Konsultationspapier der EU-Kommission bezüglich der in Art. 85 EMIR vorgesehenen Überprüfung der Verordnung hat die ESMA am 13. August 2015 eine weitreichende Änderung der Regelung zur Clearingpflicht vorgeschlagen. Dieser zufolge sollen Derivate, die zu Sicherungszwecken abgeschlossen wurden, nicht mehr aus der Ermittlung der Schwellenwerte, die zu einer Clearingpflicht führen, herausgerechnet werden dürfen. Vielmehr sollen unterschiedslos alle Derivate einer Assetklasse (insbesondere Commodity, Währung und Zins) in Relation zu neu festzulegenden Schwellenwerten betrachtet werden. Die Schwellenwerte sollen dann bezüglich der Systemrelevanz für diese Derivateklasse bestimmt werden.

Als mögliche Konsequenz kann zum einen der Nachweis, dass ein Unternehmen als sogenannte NFC- nicht unter die Clearingpflicht fällt, einfacher erbracht werden, weil die Darlegung eines Sicherungszwecks entfällt. Zum anderen aber steht zu erwarten, dass Unternehmen mit relativ großen Derivatevolumina in einer Assetklasse clearingpflichtig werden, auch wenn sie lediglich ökonomische Sicherungen für ihr operatives Grundgeschäft durchführen.

Beide Vorschläge sind derzeit noch Diskussionsbeiträge, die noch keinen Eingang in die Gesetzgebung gefunden haben, deren Gewicht allerdings aufgrund der dahinterstehenden EU-Institutionen EBA und ESMA nicht unterschätzt werden darf. Beide Vorschläge zeigen aber auch, dass die Finanzmarktregulierung weiterhin laufenden Veränderungen unterliegt, denen sich die Unternehmen der Realwirtschaft stellen müssen. Die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung der Bewertungsmethoden für Derivate, um die Marktgerechtheit von Konditionen überprüfen und die Liquiditätskosten einer Besicherung gegen die Kosten eines unbesicherten Derivats abwägen zu können, ist eine mögliche Konsequenz. Eine andere ist das Überdenken der gesamten Sicherungsstrategie im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie eine damit einhergehende größere Flexibilisierung der Hedging-Entscheidungen und der zunehmende Einsatz von Optionsstrategien.

Autor: Prof. Dr. Christian Debus, Partner, cdebus@kpmg.com 

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