Eingebettete Derivate in Kreditverträgen. Auch in Ihren?

Eingebettete Derivate in Kreditverträgen.

Negative Referenzzinsen sind in den letzten Monaten Realität geworden. Der Euribor notiert derzeit bei Laufzeiten bis zu drei Monaten unter Null.

Verwandte Inhalte

FTM Bildwelt Schiff

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 46, August 2015 

Negative Referenzzinsen sind in den letzten Monaten Realität geworden. Der Euribor notiert derzeit bei Laufzeiten bis zu drei Monaten unterhalb von Null. Die möglichen Auswirkungen, zum Beispiel auf Bewertungsfunktionalitäten und Hedge Accounting, wurden in vergangenen Newslettern bereits kurz skizziert. In diesem Artikel möchten wir den Fokus auf die Auswirkungen auf kürzlich abgeschlossene Finanzierungen legen, denn dort könnte bei manchen Unternehmen noch so manche Überraschung lauern.

Viele Finanzierungsverträge enthielten bereits in der Vergangenheit Klauseln, die auf trennungspflichtige eingebettete Derivate hin analysiert werden mussten. Dies waren unter anderem Kündigungsrechte. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sind jedoch Zinsbegrenzungen in Form der sogenannten Floor-Klausel zum Standard geworden. Auch bei negativem Referenzzins wird damit der Kreditzins für die Bank nach unten auf Null begrenzt. Banken müssen daher keinen Negativzins bezahlen bzw. diesen mit der Kreditmarge verrechnen.

Der IAS 39 AG33 (b) nimmt zu solchen Zinsbegrenzungsvereinbarungen sehr konkret Stellung. Liegt bei Abschluss eines Kreditvertrags der vereinbarte Mindestzins auf dem oder unterhalb des aktuellen Marktzinsniveaus, so wird dieser als eng verbunden mit dem Basisvertrag gesehen und ist somit nicht trennungspflichtig. Ist jedoch die Zinsoption im Geld, das heißt die Grenze wird durch das Marktniveau zum Vertragszeitpunkt bereits unterschritten, so liegt ein trennungspflichtiges eingebettetes Derivat vor.

Hinsichtlich der Frage, ob in diesem Fall die Floor-Klausel sofort trennungspflichtig ist, mag es für manche Unternehmen von Vorteil sein, dass nicht eindeutig vorgegeben ist, welcher Marktzins für diesen Vergleich herangezogen werden sollte. In Frage kommt hierfür nicht nur das aktuelle Fixing des Referenzzinssatzes, sondern auch ein marktkonformer fixer Zinssatz für die gesamte Laufzeit der Finanzierung, die sogenannte Swap Rate. Und diese liegt häufig auch im aktuellen Zinsumfeld über Null.

Führt die Überprüfung des Floors jedoch zu dem Ergebnis, dass dieser trennungspflichtig ist, so ist die weitere Vorgehensweise wie folgt: Bei Erstansatz ist der Floor zunächst wie ein eigenständiges Derivat zu bewerten. Führt dies bei einer Finanzierung von 100 Mio. EUR zu einem negativen Fair Value von 2 Mio. EUR, so wird bei erstmaliger Erfassung Bank 100 Mio. EUR an Darlehen 98 Mio. EUR und eingebetteter Floor 2 Mio. EUR gebucht. In der Folgebewertung ist der Unterschiedsbetrag beim Darlehen (inkl. der Transaktionskosten) mit der Effektivzinsmethode zu amortisieren. Der Floor wird im weiteren Verlauf wie ein eigenständiges Derivat ausgewiesen und gebucht, das heißt zu jedem Abschlussstichtag muss eine Fair Value-Änderung ermittelt und erfolgswirksam gebucht werden.

Autor: Andrea Monthofer, Manager, amonthofer@kpmg.com

 

KPMG Corporate Treasury News

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform