Prize-Indemnity-Versicherungen: Dem Spiel das Risiko nehmen

Dem Spiel das Risiko nehmen

Im Profi-Fußball geht es um viel Geld. So viel Geld, dass sportlicher Misserfolg zu hohen Einbußen führt. Doch dagegen können sich Vereine versichern. Angeblich boomt die Nachfrage seit dem Fall Dortmund sogar.

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Gegen Ende der vergangenen Saison machte die Nachrichtenseite Bloomberg öffentlich, dass Borussia Dortmund sich gegen verpasste Champions-League-Einnahmen versichert hat. Dabei ist das nicht der erste Fall dieser Art. Bereits 2003 wurde aufgedeckt, dass Bayer Leverkusen damals im Abstiegsfall sieben Millionen Euro von der Hannover Rück kassiert hätte. Medienberichten zufolge habe die Prämie, die Bayer dafür zahlen musste, bei 500.000 Euro gelegen.

Ein Sportversicherungsmakler sagte diesem Portal, die Nachfrage sei zuletzt durch den Fall Dortmund gestiegen. Welche Vereine aktuell zu seinen Kunden zählen, wollte der Sportversicherungsmakler nicht sagen. Es handele sich aber um Erst- und Zweitligisten.

Das Angebot an Versicherungen ist vielfältig. „Versicherbar ist im Prinzip alles“, sagt Dr. Peter Ott, Aktuar, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Vereine gewinnen Planungssicherheit

Insidern zufolge sind Versicherungen, die im Falle eines Abstiegs in die zweite oder dritte Liga greifen, am verbreitetsten. Vereine würden aber auch Bonusversicherungen abschließen, die etwa beim Aufstieg oder Titelgewinn fällig werden. Damit bezahlen die Vereine dann unter anderem die Prämien, die sie ihren Spielern im Erfolgsfall versprochen haben. Da die mit dem Aufstieg oder Titel verbundenen Mehreinnahmen erst mit Verzögerung dem Verein zukommen, wahrt der Verein mit der Versicherung seine Liquidität.

Die Versicherung verschafft dem Verein Planungssicherheit. Im Falle des Misserfolgs werden geschmälerte Werbe-, TV-und Ticketeinnahmen durch die Versicherungssumme aufgefangen. Das ergibt einen deutlichen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern und erhöht die Chance, in der kommenden Saison wieder erfolgreicher zu sein. Die versicherten Einnahmen können im Lizenzierungsverfahren angerechnet werden und als Sicherheit für Bankdarlehen verwendet werden.

Mit den Prämien verringere ein Verein auch seinen Gewinn und somit seine Steuerschuld, sagt Dr. Peter Ott von KPMG.

Hohe Prämien für schlechte Mannschaften

Allerdings sind für viele Vereine die Versicherungen zu teuer. Letztlich spiegeln die zu zahlenden Prämien die Wahrscheinlichkeit wider, dass der Versicherungsfall eintritt. Ein Verein, der als Abstiegskandidat gilt, wird eine Prämie zahlen müssen, die nahe an der Versicherungssumme liegt. Wer hingegen lange sportlich erfolgreich ist, muss eine deutlich geringere Prämie zahlen. So wie Bayer Leverkusen in der Saison 2002/03. Die Erfolge in den Jahren zuvor ließen den Preis für die Abstiegsversicherung sinken.

Beim Abschluss der Versicherung nutzte Leverkusen seinen Informationsvorteil. „Uns war klar, dass wir in der Saison nicht wieder in der Meisterschaft oben würden mitspielen können“, erklärte Wolfgang Holzhäuser, langjähriger Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, gegenüber diesem Portal die damalige Entscheidung, die Versicherung abzuschließen. Und tatsächlich spielte der Verein in der Saison, für die sie versichert waren, gegen den Abstieg, wurde am Ende Fünfzehnter.

Platzierungen sichern

Mögliche Fehlanreize oder Interessenkonflikte sehen Versicherungsmakler nicht. Die Zahlungen der Versicherungen würden nie ganz die entgangenen Einnahmen ausgleichen. Absichtlich zu verlieren, lohne sich nicht. Dies bestätigt auch Holzhäuser.

Ein kritischer Punkt ist aber nur schwer auszuräumen: Versicherungen gegen sportlichen Misserfolg sichern den Status Quo und werden langfristig zu weniger Wettbewerb führen. Wer sportlich erfolgreich ist, sichert sich die finanziellen Möglichkeiten, diesen Erfolg zu erhalten.

Letztlich werden damit aber die finanziellen Unterschiede zwischen den Vereine zementiert – und damit in großem Maße die sportlichen Platzierungen vorausbestimmt. Sollte sich der FC Bayern München etwa gegen eine verpasste Champions-League-Saison versichern, wird sein finanzieller Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten nicht kleiner, womit der Verein die besten Chancen hat, danach wieder die einträgliche Champions League zu erreichen.

Bundesliga-Versicherungen interessant für Unternehmen

Versicherungen gegen Misserfolge sind eben der Versuch, dem Spiel ein Stück weit das Risiko zu nehmen. „Deshalb nutzen auch Unternehmen Prize-Indemnity-Versicherungen“, sagt KPMG-Experte Dr. Ott.Investoren können damit bei sportlichem Misserfolg den Wertverlust ihrer Einlagen begrenzen. Sponsoren wiederum, die ihr finanzielles Engagement mit dem sportlichen Erfolg des Vereins verknüpfen, können sich gegen die dann fälligen Mehrausgaben absichern. „Dies gilt auch für Unternehmen, die Marketing-Maßnahmen wie Sonderrabatte vom Ausgang einer Meisterschaft abhängig machen“, erläutert Dr. Ott. 

Redaktion: Matthias Hiller

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