Bier und Bratwurst für die Stadtkasse

Bier und Bratwurst für die Stadtkasse

Der Fußball in Deutschland boomt seit Jahren. Hunderttausende Zuschauer strömen Wochenende für Wochenende in die Bundesligastadien – in der vergangenen Saison lag die durchschnittliche Auslastung nach ARD Sportschau-Zahlen insgesamt bei 93,37 Prozent – die Arenen von Bayern München, Borussia Dortmund, des SC Freiburg, des SC Paderborn und des 1. FC Köln waren mit mehr als 99 Prozent Auslastung sogar bei allen 17 Heimspielen ausverkauft. Davon profitieren natürlich die Vereine – in besonderem Maße aber auch die jeweiligen Städte und Gemeinden.

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Mehr als 40.000 Zuschauer besuchten laut dem Sportmagazin Kicker in der vergangenen Saison durchschnittlich jedes der insgesamt 306 Bundesligaspiele. Das sind bei 17 Heimspielen rund 238.000 potenzielle Kunden pro Verein, die in den 18 Städten und Gemeinden Getränke, Bratwurst und Co. konsumieren. Viele davon übernachten zudem vor Ort – örtliche Gastronomie und Hotels profitieren also direkt vom Fußball und die Gemeinde indirekt auch. „Fußballspiele, vor allem in der Bundesliga, sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und führen in den Kassen der Städte und Gemeinden direkt zu einem Plus bei den Gewerbesteuereinnahmen“, sagt Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand Public Sector bei KPMG. Doch damit nicht genug. Die Fußballvereine haben zudem einen erheblichen Einfluss auf das Image einer Stadt oder Region. „Das Potenzial eines Bundesligastandorts kann durch Werbekampagnen gar nicht ausgeglichen werden. Der Standort Bayern hat nicht zuletzt so einen guten Ruf, weil der FC Bayern als Aushängeschild fungiert“, erklärt Oberndörfer. 

Fan-Ansturm birgt Herausforderungen 

Dabei darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Fan-Ansturm auch Herausforderungen mit sich bringt: Verkehrskonzepte müssen entwickelt, Infrastruktur bereitgestellt und die Sicherheit gewährleistet werden. In Darmstadt, dessen SV Darmstadt 98 in der kommenden Saison erstmals seit 1982/83 wieder in der höchsten deutschen Spielklasse antritt, wurde laut Frankfurter Rundschau unter anderem das ÖPNV-Konzept an die Bundesliga-Bedingungen angepasst. Silke Rautenberg, Pressesprecherin der Darmstädter Verkehrsbetriebe HEAG MOBILO, sagt: „Vor allem zu Spielende sind die Anforderungen in puncto Sicherheit und Logistik  groß: Innerhalb kurzer Zeit müssen wir Tausende Stadionbesucher schnell und einfach an ihr jeweiliges Ziel bringen. Dafür haben wir unser bisheriges Konzept in Zusammenarbeit mit der Polizei angepasst und während der Sommerpause bei mehreren Testspielen erprobt. Jetzt freuen wir uns jetzt auf den ersten Einsatz zum Bundesliga-Auftakt gegen Hannover 96 am kommenden Samstag.“ Ähnlich sieht es auch beim zweiten Aufsteiger in Ingolstadt aus. Ingrid Schmutzler, Pressesprecherin der Stadt, erläutert: „Neben dem ÖPNV steht auch die Anreise mit dem Auto im Fokus. Wir haben die Parkplatzsituation rund um das Stadion analysiert und neue Flächen für die Besucher ausgewiesen. Außerdem werden Straßen ertüchtigt und die Beschilderung angepasst, so dass die Fans direkt von der Autobahn zum Stadion geleitet werden.“  

Positive Effekte nutzen 

Der Aufwand lohnt sich. Das wissen auch die Verantwortlichen innerhalb der Kommunen. Anja Herdel, Geschäftsführerin Darmstadt Marketing GmbH, blickt voraus: „Durch die positive Effekte des Aufstiegs ist Darmstadt noch bekannter geworden. Für das laufende Jahr erwarten wir einen weiteren Anstieg der Übernachtungen, die bisher bei rund 600.000 liegen, und eine Steigerung des Umsatzes durch den Fußball-Tourismus. Bereits in der vergangenen Zweitligasaison waren die Fußballspiele z.B. für die Gastronomie und Festveranstalter eine Erfolgsstory. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in der Bundesliga fortsetzen wird.“ 

Indirekte Wirtschaftsförderung 

Mathias Oberndörfer rät Städten und Gemeinden daher dazu, Bundesliga-Fußball positiv zu begleiten, wenn sie davon profitieren wollen. „Die größere Aufmerksamkeit nutzt den jeweiligen Städten auch in deren Marketing oder beim Werben von Unternehmen für den jeweiligen Standort. Das ist indirekte Wirtschaftsförderung“, sagt er. Der KPMG-Experte geht außerdem davon aus, dass Beispiele wie in Bremen, wo der Senat eine Rechnung für die Polizeiarbeit an die DFL geschickt hat, keine Schule machen werden. Oberndörfer betont: „Um erfolgreich zu sein, müssen Politik, Sport und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Die öffentliche Hand schaut daher ganz genau, an wen sie welche Kosten weiterreichen.“ 

Aufwand vergrößert sich mit der Liga 

Denn: Die jeweiligen Bundesligavereine haben mit einem Aufstieg in die erste Liga bereits mit einigen Herausforderungen und Kosten zu kämpfen. Von der Kapazität bis zu Sicherheitskonzepten im und am Stadion sind etliche Bereiche auf den größeren Ansturm von Zuschauern vorzubereiten. Außerdem steigt der mediale Druck enorm an – über jedes Gerücht oder Interview wird berichtet.  „In der ersten Liga ist allgemein alles viel größer und umfangreicher, die Vereine stehen noch mehr im Fokus als in der zweiten oder dritten Liga. Daher ist es absolut von Nöten, dass der Professionalisierungsgrad steigt und die Abläufe auf Bundesliga-Niveau definiert werden“, bestätigt KPMG-Partnerin Prof. Dr. Vera-Carina Elter, die unter anderem mehrere Fußballvereine berät. „Das fängt bei den Medienverantwortlichen und dem Ticketing an und hört bei Catering, Logen und Sanitäranlagen auf. Es macht schon einen Unterschied, ob sie 5.000 oder 15.000 Dauerkarten verkaufen, 30.000 statt 15.000 Bratwürste brauchen. Und es spielt natürlich eine große Rolle, ob das Stadion an ein oder zwei Spieltagen ausverkauft ist – oder eben jede zweite Woche. Darauf muss sich der Verein – entweder mit vorhandenen Mitteln oder Partnern – einstellen.“ Hinzu kommen größere Medienpräsenz, mehr Rummel und gestiegene Begehrlichkeiten. „Die Aufsteiger werden lernen müssen, damit umzugehen und positiv für sich selber zu nutzen. Eine gestiegene Reichweite ist zum Beispiel ein wichtiges Kriterium in Verhandlungen mit möglichen Sponsoren“, sagt Vera Elter und Mathias Oberndörfer ergänzt: „Oder bei Gesprächen mit der Stadt, die ihren Bekanntheitsgrad so auch weiter ausbauen kann.“ 

 

Redaktion: Sven Mertinkat

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