5-Euro-Münze: Ein Versprechen an die Freiheit?

5-Euro-Münze: Ein Versprechen an die Freiheit?

Die Bundesregierung hat beschlossen, eine 5-Euro-Münze prägen zu lassen, die neben Metall auch einen Polymer-Ring enthält. Zwischen metallenem Kern und äußerem Ring befindet sich ein dünner Plaste-Ring, der teilweise lichtdurchlässig ist und blau schimmert. Das Bundesministerium der Finanzen preist dies als Weltneuheit. Erscheinen soll sie voraussichtlich 2016.

Ansprechpartner

Partner, Financial Services

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

5 Euro Münze

Die 5-Euro-Münze ist laut dem Ministerium für Sammler gedacht. Entwickelt wurden sie von einer deutschen Expertengruppe unter Beteiligung der Prägestätten München und Stuttgart, Vertretern der Deutschen Bundesbank, der Automatenindustrie, den Rondenherstellern und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Sie gelten nur in der Bundesrepublik Deutschland als Zahlungsmittel, werden aber aufgrund der geringen Auflage kaum in Umlauf geraten.

Finanzexperte Sven Korschinowski von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sieht die Entwicklung aber in einem größeren Rahmen: „Damit bestätigt das Bundesfinanzministerium ihr Bekenntnis zum Bargeld.“ Die Münzen weiterzuentwickeln, sichere deren Zukunft. Korschinowski verweist auf Dänemark, wo die Regierung Händlern gestattet, Bargeld prinzipiell abzulehnen, weil dies unsicherer sei als das bargeldlose Zahlen.

Münzen mit GPS?

Es gebe eine tiefgreifende Debatte unter Ökonomen, ob nicht die bargeldlose Gesellschaft erstrebenswert sei. Der frühere US-Finanzminister Larry Summers etwa argumentiert, vorteilhaft sei, dass ohne Bargeld Negativzinsen eingeführt werden könnten. Für Großhändler ist Bargeld unnötig teuer. Es muss gezählt, gelagert, gesichert und transportiert werden. Das elektronische Lastschriftverfahren kostet nur ein Bruchteil dessen. Politiker wiederum schätzen am digitalen Bezahlen die bessere Überwachungsmöglichkeit.

„Ich halte es da mit dem alten Satz von Dostojewski: ‚Geld ist geprägte Freiheit‘. ‚Ungeprägt‘, sprich bargeldlos, ist meine Freiheit eingeschränkt, weil ich Spuren hinterlasse“, erklärt Korschinowski, weshalb er die Wahlfreiheit zwischen Bargeld, Karten und Mobilem Bezahlen befürwortet. Das sei ein nettes Gefühl, ohne Böses im Schilde führen zu wollen. Allerdings bestünde auch die Gefahr, dass diese Freiheit ebenfalls bald verloren geht – gerade wegen der neuen Münzen. Ähnlich wie bei Autos, die einst Freiheit versprachen, nun aber mit GPS ausgestattet orts- und zeitgenau verfolgt werden können, könnten Münzen in Zukunft mit Sendern ausgestattet werden, mutmaßt Korschinowski.

Das Bundesministerium der Finanzen sieht diese Gefahr nicht. Zweck sei vielmehr Menschen, vor allem jüngere, für das Münzsammeln zu begeistern. Das, so schätzt Korschinowski, könne funktionieren. „Das ist ein schönes Gimmick und sieht ja auch klasse aus.“

 

Redaktion: Matthias Hiller

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform