Währungsbasis-Spreads und Bewertung von FX-Derivaten

Währungsbasis-Spreads und Bewertung von FX-Derivaten

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 45, Juli 2015

Verwandte Inhalte

Ice

Ähnlich wie Tenorbasis-Spreads in Zinsmärkten einer einzelnen Währung, wuchsen nach der Finanzkrise auch Basis-Spreads zwischen Zahlungsströmen in unterschiedlichen Währungen. Dies hat zur Folge, dass die klassische Zinsparität nicht mehr gilt. Damit ergeben sich nicht mehr die gleichen Eurobeträge, je nachdem ob man heute ein US-Dollar in Euro umtauscht und in den Drei Monate Euribor investiert oder im Vergleich dazu heute ein US-Dollar in den Drei Monate Libor investiert und den resultierenden US-Dollarbetrag mit Hilfe eines heute fair abgeschlossenen Forwards in Euro umtauscht. Die Eurobeträge, die aus diesen beiden Anlagenstrategien resultieren, sind nicht mehr identisch!

Die Differenz ist auf die Währungsbasis zurückzuführen, die seit der Finanzkrise in fairen Forwards eingepreist, jedoch nicht in Euribor- und Libor-Raten enthalten ist. Sie würde eine klare Arbitragemöglichkeit darstellen, die von Marktteilnehmern ausgenutzt werden würde und somit schnell wieder verschwinden sollte. Dies ist auf geänderte Liquiditätspräferenzen der Marktteilnehmer in Bezug auf Währungen und das unterschiedliche Liquiditätsangebot in den verschiedenen Währungsräumen zurückzuführen. Letzteres wird maßgeblich von der unterschiedlichen Geldpolitik der verschiedenen Notenbanken beeinflusst.

Folglich muss die Modellwelt so angepasst werden, dass die oben genannten Effekte berücksichtigt werden und verhindert wird, dass Arbitragemöglichkeiten impliziert werden, die in Realität nicht existieren. Dies bedeutet, dass letztendlich der aus den beiden Anlagestrategien resultierende Eurobetrag wieder identisch sein muss. Um dies zu erreichen und folglich theoretische Arbitragemöglichkeiten zu verhindern, muss entweder auf der Libor- oder Euribor-Seite ein entsprechender positiver oder negativer Zinsaufschlag (Spread) berücksichtigt werden. Dies ist der sogenannte Währungsbasis-Spread. Er kann aus am Markt gehandelten Instrumenten wie zum Beispiel FX-Forwards oder Cross-Currency-Basisswaps berechnet werden.

Daher ist es wichtig, die in solch einem Währungsbasis-Spread enthaltene Information bei jeder Bewertung von Fremdwährungsderivaten (FX-Forwards, Cross-Currency-Swaps, etc.) zu berücksichtigen. Andernfalls würde die Bewertung die aktuelle Marktsituation und die übliche Praxis bei Bewertung und Preisstellung solcher Derivate nicht widerspiegeln. Als Konsequenz entsprechen Bewertungen, die diese Effekte nicht berücksichtigen nicht den Anforderungen des IFRS 13 hinsichtlich der Bestimmung des Zeitwertes. Zur Veranschaulichung: Jemand der Währungsbasis-Spreads nicht in seiner Bewertung berücksichtigt, sollte im Abschlusszeitpunkt signifikant von Null abweichende Markwerte für eigentlich faire abgeschlossene FX-Forwards erhalten, wenn er sie innerhalb seiner eigenen Bewertungsinfrastruktur (z.B. einem Treasury-Management-System) berechnet.

Unglücklicherweise haben dadurch Cross-Currency-Derivate unterschiedliche Werte, je nachdem ob sie beispielsweise aus der Sicht eines US-Investors (der auf Libor-Basis diskontiert), oder eines Eurozonen-Investors (der auf Euribor-Basis diskontiert) gepreist werden. Der Unterschied in der Bewertung spiegelt die Änderung der Währungsbasis zwischen Abschluss- und Bewertungszeitpunkt wider. 

Unsere Experten des Finanz- und Treasury-Management-Teams stehen jederzeit gerne für die Beantwortung von Fragen bezüglich der Bewertung von Finanzinstrumenten zur Verfügung. Zusätzlich bieten wir eine Vielzahl von Leistungen im Zusammenhang mit der Implementierung und Optimierung von Treasury-Systemen an. 

Autor: Ralph Schilling, Manager, rschilling@kpmg.com 

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform