Hedge Accounting bei konzerninternen Leistungsfakturen des Kerngeschäfts

Hedge Accounting bei konzerninternen Leistungsfakturen

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 45, Juli 2015

Verwandte Inhalte

Ice

Unterschiedliche Konzerne begreifen ihre Währungs(/FX)-Risiken auf verschiedene Art, beispielsweise werden manchmal neben Transaktionsrisiken auch Translationsrisiken gesichert. Auch die Messung und Steuerung des FX-Risikos folgt unterschiedlichen Philosophien. Während beispielsweise in vielen Fällen bereits geplante Zahlungsströme gesichert werden, erfolgt die Sicherung teilweise ausschließlich auf Basis fest kontrahierter Verträge in vorgegebenen Budgetzeiträumen.

Neben diesen zu Recht im Fokus stehenden ökonomischen Überlegungen, sind auch in der Bilanzierung einige Aspekte zu beachten. Während die Hedge-Philosophie und deren Umsetzung meist im Vorfeld abgestimmt werden, um eine bestimmte ökonomische Sicherungswirkung zu erreichen, stellen sich im Rechnungswesen daraus abgeleitete Fragestellungen häufig erst, wenn die Sicherung bereits umgesetzt ist und eine Buchung zwingend erfolgen muss.

Problematisch werden Sicherungsstrategien in der Praxis dann, wenn die Sicherungsderivate eine negative Wertentwicklung aufweisen und ein entsprechender Effekt auch in der Ergebnisrechnung auftaucht. In der Regel soll im Rechnungswesen ein ökonomisch als sinnvoll erachtetes Sicherungskonzept dementsprechend auch bilanziell als Sicherung abgebildet werden (Hedge Accounting). Auch unter Anwendung von Hedge Accounting ist der Aufwand grundsätzlich zu erfassen.

Der Ansatz erfolgt allerdings erst in der Periode, in der das Grundgeschäft ergebniswirksam wird. Aus diesem Grund lässt sich der Erfolg der Sicherungsstrategie im FX Hedge Accounting in der Regel gut bilanziell zeigen. Diese Abbildung ist durch die Literatur zu dem Thema für eine Vielzahl von Standardfällen bereits gut beschrieben worden (z.B. KPMG Insights into IFRS 11th, Kapitel 7.7).

Ein in der Praxis häufig vorkommendes Themenfeld wird allerdings nur an wenigen Stellen gewürdigt und sorgt in verschiedenen Konzernen für Zündstoff. Dieses  ergibt sich immer dann, wenn in einem Konzern verschiedene Unternehmen mit voneinander abweichenden funktionalen Währungen vorhanden sind und die Produkte erst zwischen diesen Unternehmen fakturiert und nachfolgend an externe Dritte verkauft werden. Die Komplexität bei der Bilanzierung tritt dann auf, wenn die externen Derivate nicht nur auf Ebene des Konzerns, sondern auch auf der Ebene der Einzelgesellschaften in ein Hedge Accounting eingebunden werden sollen.

In der Regel werden bereits sowohl die Sicherungsstrategie als auch die Abrechnungswährung der internen Faktura feststehen. Eine durch das Rechnungswesen angestoßene Änderung der Sicherungsstrategie oder der Abrechnungswährung kommt dementgegen selten in Betracht.

Auf Ebene der Einzelabschlüsse (HGB, IFRS) lassen sich die Sicherungsbeziehungen in der Regel relativ einfach dokumentieren und bilanzieren. Das Thema bekommt allerdings durch die Zwischengewinneliminierung und die Definition des abgesicherten Risikos in der Hedge-Dokumentation eine für den Konzern erweiterte Dimension. So muss beispielsweise die Frage beantwortet werden, wann die Reklassifizierung des other comprehensive income (OCI) erfolgt und in welche P&L-Position das OCI zu reklassifizieren ist.

In den nächsten Abschnitten wird dargestellt, dass der Sicherungserfolg für den Einzelabschluss zu einem anderen Zeitpunkte erfolgt als für den Konzernabschluss. Die Definition des abgesicherten Risikos führt darüber hinaus entweder zur Reklassifizierung in den Umsatzerlös oder in die Umsatzkosten. 

  • Beispielfall: Im Zuge der Konzernsteuerung werden in deutschen Gesellschaften (funktionale Währung: Euro) Konsumgüter (Vorratsvermögen) produziert und in Euro an ausländische Vertriebsgesellschaften verkauft. Die ausländischen Vertriebsgesellschaften haben eine, vom Euro abweichende, funktionale Währung (beispielsweise US-Dollar) und verkaufen ihrerseits diese Produkte in der jeweiligen Landeswährung (US-Dollar) an konzernexterne Abnehmer. Da der Konzern durch die Produktion und den zukünftig geplanten Vertrieb einem Euro-/FX+ (im Beispiel: Euro-/US-Dollar+) Risiko ausgesetzt ist, wird dieses Risiko durch das Konzerntreasury mittels Devisentermingeschäfte (Euro+/US-Dollar-) gesichert. Der gesicherte Anteil am geplanten Risiko wird so gewählt, dass der Zahlungsmittelfluss hoch wahrscheinlich ist. Das Grundgeschäft ist nach IAS 39.80 iVm. AG99A zulässig, da ein Weiterverkauf an einen externen Dritten stattfindet.

Durch die Anwendung des Hedge Accounting kommt es im Geschäftsablauf für den effektiven Teil zur Bildung von OCI, das zu dem Zeitpunkt zu reklassifizieren ist, zu dem das gesicherte Risiko ergebniswirksam wird (IAS 39.97/98). Im IFRS- oder HGB-Einzelabschluss ist dies der Zeitpunkt der konzerninternen Faktura. Im Konzern erfasster Gewinn oder Verlust muss allerdings im Zuge der Konsolidierung eliminiert werden und kann daher nicht der Auslöser für die Reklassifizierung werden.

Die Umrechnung der Vorräte der ausländischen Tochter in den Vorratsbestand des Konzerns erfolgt zwar zum Stichtagskurs (IAS 21.39(a)) ist allerdings selbst im OCI zu erfassen (IAS 21.39 (c) i.V.m. IAS 21.41) und löst daher ebenfalls keine Reklassifizierung aus. Der Zeitpunkt der Reklassifizierung entspricht daher dem Zeitpunkt des externen Verkaufs, da im Zuge der bilanziellen Erfassung die Umsatzerlöse realisiert und die Umsatzkosten erfasst werden.

Während eine Reklassifizierung in den Konzernumsatz ein häufiges Beispiel in der Literatur zu dem Thema darstellt, führt eine solche Vorgehensweise wie im oben dargestellten Beispiel zu einer Diskrepanz. Der Sicherungserfolg (das OCI) wird auf Ebene des Einzelabschlusses in die Umsatzkosten reklassifiziert, während der Sicherungserfolg (das OCI) im Konzern, unter Anwendung des Standardfalls, im Umsatzerlös reklassifiziert wird. Der Vorteil einer Reklassifizierung in die Umsatzkosten liegt darin, dass auf Ebene der Einzelabschlüsse das konzernexterne Derivat unter Verwendung von internen Derivaten in ein gleichartiges Hedge Accounting des Tochterunternehmens mit einbezogen werden kann.

Die US-Dollar-Tochter verfügt dann über ein (konzerninternes) Derivat mit der Treasury-Mutter (Euro+/US-Dollar-) und ein (konzerninternes) Risiko aus dem Euro-preis fixierten Bezug von Waren. Die zum Zeitpunkt des externen Weiterverkaufs erfolgende Reklassifierung von OCI in die Umsatzkosten aus dem IFRS- Einzelabschluss kann direkt in den Konzern übernommen werden. Lediglich das OCI für konzerninterne Fakturen, denen kein externer Umsatz gegenübersteht, muss auf Konzernebene erneut abgegrenzt werden.

Entscheidend für den Ausweis der Reklassifizierung ist die Analyse, ob bei dem Hedge der konzerninterne Warenbezug (Euro-/US-Dollar+) oder der konzernexterne Warenverkauf (Euro-/US-Dollar+) gesichert wird. Im Fall von Warenbezug stellen die Umsatzkosten (IAS 39.98) das gesicherte Risiko dar. Die geplante Transaktion muss zu diesem Zweck auf den Zwischenerwerb von Eurovorratsvermögen in einer FX(US-Dollar)-Tochter abstellen. Im Fall des Warenverkaufs (IAS 39.97) stellen die konzernexternen Umsatzerlöse das gesicherte Risiko dar. Die Reklassifizierung kann daher sowohl im konzernexternen Umsatz als auch in den Umsatzkosten des Konzerns gezeigt werden.

Das voranstehende Beispiel hat gezeigt, dass auch in der bilanziellen Abbildung von fest vorgegebenen Geschäftsvorfällen verschiedene Aspekte zu beachten sind und zumindest implizit auch Wahlrechte bestehen. Die Erträge und Aufwendungen der Sicherungsinstrumente können auf diese Weise auch in der Konzern-P&L und der Segmentberichterstattung verursachungsgerecht zugeordnet werden. 

Autor: Felix Wacker-Kijewski, Manager, fwackerkijewski@kpmg.com

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform