Zinsrisikomanagement – Ruhe vor dem Sturm?

Zinsrisikomanagement – Ruhe vor dem Sturm?

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 44, Juni 2015 / Die vergangenen Wochen an den Geld- und Anleihenmärkten waren höchst interessant: Zunächst die Unsicherheit über die Auswirkungen der Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank. Dann die Voraussagen der Geschäftsbanken über zukünftige Liquiditätsengpässe in den Anleihenmärkten, welche Schatten auf den Emissions- und Sekundärmarkt werfen können. Letztlich steigen die Zehnjahressätze basierend auf Inflationserwartungen, obwohl zu Beginn des Jahres noch fest mit der weiteren Absenkung des langen Endes der Zinskurve gerechnet wurde.

Verwandte Inhalte

Bergsteiger

Welche Auswirkungen hat dies nun für Unternehmen und die Treasury-Abteilungen? Ein steigendes Zinsniveau hat unabhängig von dessen absoluter Höhe immer noch bedeutende Auswirkungen auf die Gesamtprofitabilität des Unternehmens. Typischerweise ist der Refinanzierungsbedarf einfach identifizierbar – die Auswirkungen eines Zinsanstiegs und eine damit einhergehende Belastung des zukünftigen Zinsergebnisses sind jedoch weniger transparent. Der Einsatz von Finanzinstrumenten zur Steuerung der Zinsrisikoposition fokussiert sich zudem oft retrospektiv auf die bereits abgeschlossenen Finanzierungen, weniger auf geplante zukünftige Finanzierungen und beispielsweise den Auswirkungen des zukünftigen Zinsergebnisses auf Finanzkennzahlen (unter anderem Ratings, Financial Covenants).

Warum ist es also nötig, das Thema auf die Agenda zu nehmen? Weil es immens wichtig ist, mit einer klar definierten Zinsmanagementstrategie und einem festgelegten Set an Handlungsmaßnahmen in ein Marktszenario mit steigenden Zinsen zu gehen. Nichts ist für den Treasurer fataler, als auf dem falschen Fuß erwischt zu werden und dem Marktgeschehen hinterherzulaufen. Die wesentlichen Voraussetzungen für ein robustes Zinsrisikomanagement sind demnach klar zu benennen:

  1. Der strategische Steuerungsansatz ist eindeutig festzulegen und zu formulieren. Fallweise kann ein Ansatz zur Mikro-Steuerung beispielsweise aus Finanzierungsgeschäften und zugeordneten Finanzderivaten sinnvoll sein. Für komplexe Wertschöpfungsketten ist zu überlegen, übergreifende Steuerungsansätze im Sinne eines Asset-Liability-Management zu verfolgen, also eine übergreifenden Steuerung der aktiven und passiven Zinsrisikopositionen.
  2. Eine Risikoanalyse der Zinsrisikoposition lässt sich mit einer einfachen Fair Value-Betrachtung in Angriff nehmen. Mittels Bewertung bestehender Finanzierungen auf Basis des aktuellen Marktumfelds können erste Aussagen getroffen werden. Ebenfalls ermöglicht die Analyse der einzelnen Stützstellen der Zinskurve, Veränderungen im Marktumfeld frühzeitig zu erkennen und Auswirkungen in eine Planung zu überführen. 
  3. Szenarioanalysen bezüglich. der Zinssensitivität der Risikopositionen und die Bewertung möglicher Handlungsalternativen bieten darüber hinaus die Möglichkeit, etablierte Positionen mit relativ einfachen Mitteln gegen mögliche Änderungen zu testen.

Auf Basis der genannten Aspekte lassen sich nun für den Treasurer klare Handlungsmaßnahmen für ein Szenario eines steigenden Zinsniveaus ableiten sowie mit dem Management diskutieren und abstimmen. Somit ist das Rüstzeug parat gelegt. Aber vielleicht beruhigt sich der Sturm wieder und der Treasurer hat weiter mit den nicht minder komplexen Auswirkungen negativer Zinsen zu kämpfen ...

Autor: Stephan Plein, Senior Manager, splein@kpmg.com 

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

KPMG Corporate Treasury News

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform