Sozialstaat wird doppelt so teuer: Das sind die Folgen

Sozialstaat wird doppelt so teuer: Das sind die Folgen

Die demografische Entwicklung fordert ihren Tribut. Auf den deutschen Steuerzahler kommen bis 2060 extreme Kosten zu. Das prognostiziert die Europäische Kommission. Was das für Unternehmen und ihre Mitarbeiter bedeutet, erklärt KPMG-Expertin Susanne Jungblut im Interview.

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Die Prognose der EU-Kommission ist dramatisch. Wird es wirklich so schlimm?

Ja. Tatsächlich wird sich eine drastische Steigerung der Ausgaben für Renten, Gesundheit und Pflege nicht vermeiden lassen. Ob sich diese Kosten bis 2060 wirklich verdoppeln, wie es im Bericht der Kommission steht, weiß ich nicht. Ich halte diese Annahme aber nicht für unrealistisch. Außerdem kommen Kürzungen der gesetzlichen Rente und Einschnitte in der betrieblichen Altersversorgung auf uns zu. Die Altersarmut wird also weiter zunehmen. Bereits zwischen 2005 und 2013 stieg der Zahl derjenigen, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, um fast fünfzig Prozent. Diese Entwicklung abzufedern, wird erhöhte Sozialausgaben erfordern und somit jüngere Generationen zusätzlich belasten.

Was könnten wir dagegen tun? Länger arbeiten?

Zumindest weist die vor kurzem eingeführte abschlagsfreie Rente im Alter von 63 in die völlig falsche Richtung. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, dem Arbeitskräftemangel in qualifizierten Berufen und der steigenden Altersarmut, wäre es wichtig, die Erwerbstätigkeit älterer Personen zu fördern. Helfen könnte auch die Einführung einer Teilrente bei gleichzeitiger Erwerbstätigkeit – inklusive großzügiger Hinzuverdienstmöglichkeiten. Schließlich wollen viele ältere Menschen noch arbeiten, nur eben nicht mehr in vollem Umfang. Hier könnten wir also die berühmten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zwar geht die Politik in diese Richtung, sie diskutiert ja bereits ein Nebeneinander von gesetzlicher Rente und Arbeitseinkommen. Aber das ist zu wenig. Ich bin für den Bezug einer Teilrente aus der betrieblichen Altersversorgung. Gerade dies wird derzeit vielfach verwehrt, nicht zuletzt durch steuerliche Regelungen.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Gesellschaften haben heute bereits Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Gleichzeitig wird die Gefahr der Altersarmut der Bevölkerung immer bewusster. Vor einigen Jahren war es kaum der Fall, heute ist es fast schon die Regel: Bewerber fragen nach betrieblichen Versorgungsleistungen. Insofern wird es mittelfristig im Interesse der Unternehmen liegen, ihren Mitarbeitern derartige Leistungen anzubieten. Durch eine verbesserte Förderung könnte und sollte der Staat eine solche Entwicklung aktiv unterstützen.

Susanne Jungblut ist Expertin für betriebliche Altersversorgung und berät Unternehmen zu strategischen und aktuariellen Fragen ihrer Versorgungsverpflichtungen.

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